*Mittelalterlicher Marktplatz in Chinchón*
In der Mitte Spaniens liegt nur 45 km von der Hauptstadt entfernt das mittelalterlich anmutende Dorf Chinchón. Vom 25 km entfernten Aranjuez kommend sahen wir zuerst die Burgruine auf dem Felsen über dem Dorf. Das Örtchen selbst liegt in einer Mulde, so dass leicht der Eindruck entsteht, die Häuser wären rings um die Plaza Mayor angeordnet wie eine riesige Arena. Die Häuser um diesen Platz herum zeichnen sich durch ihre Balkonvorbauten aus, die sich um diese Zeit möbliert zeigen, weil Ende September und am 7. Oktober eine Fiesta stattfindet und die Menschen auf den Balkonen sitzend genießen, was ihnen auf dem Platz geboten wird. Aus dem Grunde fungiert der Platz auch als Plaza del Toro. Die Holzbande und die Sitztribünen waren so fest verankert, dass ich zunächst dachte, sie blieben das ganze Jahr stehen. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. In der übrigen Zeit dient der Platz auch als Markt- und Parkplatz. Ringsum sind die unteren Etagen mit Cafés, Restaurants, kleinen Geschäften und einer Weinhandlung belegt. Alle sehr einladend, die Entscheidung fiel schwer, wo wir einkehren wollten.

In der Kirche Nuestra Señora de la Asunción (1534-1626), in der auch Goyas Gemälde Mariä Himmelfahrt zu finden ist, stand noch feierlich die Jungfrau „Sénora de Rosaria“ auf ihrem geschmückten Umzugswagen. Sie wird bei der Fiesta durchs Dorf gezogen, so wie die Stiere durchs Dorf getrieben werden. Ein Zeugnis davon fanden wir im benachbarten Parador im Stil der spanischen Renaissance. Im Wandelgang des Paradors, der nur von Gästen betreten werden darf, wie uns ein Schild zeigte, befanden sich eine Reihe Bronzeplastiken, die sich ausschließlich mit der Corrida beschäftigten, die die traditionsreichste und älteste in Spanien sein soll.
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