Von der Gipsform zum Formguss
In Alpen stehen zwei bronzene Figuren, stellvertretend für Menschen, die in der einstmals armen, ländlichen Region des linken Niederrheins gelebt und gearbeitet haben. Die Mühen dieses Lebens sind uns heute fremd. Ich möchte die Mühen der Herstellung solcher lebensgroßer Figuren schildern. Jede Auftragsarbeit dieser Art ist ein Wagnis. Das Gelingen hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt von der guten Zusammenarbeit mit der Gießerei.
Nachdem ein kleines Modell die Zustimmung der Auftraggeber fand, wird die Figur in der gewünschten endgültigen Größe in einem bildsamen Material geformt. Wird Ton verwendet, muss davon eine Negativ-Gipsform abgenommen werden, die dann wiederum als Positiv in Gips oder Wachs erstellt wird.
Es ist auch möglich, direkt in Gips zu arbeiten. Gips ist nicht bildsam wie Ton, wird durch auftragen und abschlagen modelliert und zur endgültigen Form gebracht. Es hat den Vorteil der sofortigen Stabilität, weil Gips sehr schnell trocknet. Ist also diese Gipsfigur vollendet und hat die Zustimmung des Auftraggebers gefunden, wird sie vom Gießmeister im Atelier gießgerecht zerteilt. In der Regel werden Arme und Beine vom Rumpf getrennt, meist auch der Kopf.
So lässt sich die schwere Gipsfigur besser transportieren. In der Gießerei wird von den Einzelteilen jeweils eine Negativform mit speziellem Formsand erstellt, der rund um die Gipsform festgestampft wird. Nachdem ein Trennmittel aufgetragen wurde, wird mit dem Formsand eine Positivform in der Negativform erzeugt, von der anschließend gleichmäßig per Hand etwa 2 cm wieder abgetragen werden.

In den Sand ringsum werden Luft- und Gusskanäle eingegraben. Nun werden die beiden Formhälften wieder aufeinander gesetzt. Der entstandene Hohlraum von knapp 2 cm wird mit einer Legierung aus Kupfer und Zinn, die auf etwa 1200 Grad erhitzt wurde, sorgfältig ausgegossen. Dazu gehört viel Erfahrung, weil die flüssige Bronze sich gleichmäßig in der Form verteilen muss, damit es keine Luftlöcher und Unregelmäßigkeiten nach dem Erkalten entstehen. Ziel ist eine möglichst genaue Wiedergabe des Originals im dauerhaften Material Metall.

Es gibt noch andere Arten der Gießtechnik, ich will mich hier auf den Sandguss beschränken und die fertige Arbeit aus der Gießerei Uppendahl vorstellen, auch wenn noch nicht alle Arbeitsgänge beschrieben sind:

Vom Formguss zur Bronzeplastik
Wenn aus der vollplastischen Gipsfigur eine Reihe von Einzelteilen gegossen wurde, die eine Hohlfigur ergeben sollen, müssen die Einzelteile gesandstrahlt und zusammengeschweißt werden. Hier ist die Mitarbeit

des Künstlers wichtig. Die Teile werden zunächst leicht „geheftet“ und erst nach genauer Prüfung endgültig zusammengeschweißt. Wichtig ist dabei die richtige Legierung der Schweißnähte. Sie dürfen an der fertigen Figur nicht nichtbar sein und werden, auch nach Jahren in Wind und Wetter nicht. Jede Gießerei hat hier ihre eigenen Rezepte. Alle Grate, die vom Guss her noch vorhanden waren, sind nun abgetrennt, die Figur steht goldig glänzend an einem Galgen befestigt. Der Künstler begutachtet nun das fertige Werkstück, kann evtl. selbst noch Hand anlegen oder anweisen, wo etwas zu verbessern ist.

Die nun folgende Patinierung ist der letzte Arbeitsgang vor der Vollendung, dazu wird Schwefelleber aufgetragen, die Kupfer dunkel werden lässt. Je nach chemischer Verbindung lassen sich unterschiedliche Farbtöne erzeugen. Die eigentliche Patina ergibt sich jedoch erst nach Jahren durch die Witterung.

Um die Figur im Boden verankern zu können, werden in die Füße Löcher gebohrt, in die VA-Stahl-Gewindestäbe eingeschraubt werden. Am Ort der Aufstellung wird ein Betonsockel in der Erde angefertigt, in dem mittels Schablone die Löcher für den Stahl frei gelassen werden. Wird die fertige Figur, die bei Lebensgröße etwa 200 kg wiegt, nun mit den Stäben in die Löcher eingelassen und einbetonieret, steht sie so fest, dass auch ein Auto dagegen fahren könnte ohne Gefahr für die Figur, wohl aber für das Blech des Autos.
Hier die fertige Arbeit aus dieser Gießerei:

Die Gießerei Butzon & Bercker hat ihre Arbeit mit der Übergabe an Künstler bzw. Auftraggeber beendet, zur Zufriedenheit aller Beteiligten.








Hilfreich. Und gut geschrieben.
)
So ein schön bebilderter und interessanter Artikel — merci.
Schönste Bilder, wie immer bei Dir !!!!
Nebenbei:
karu02 Sagt:
11. März 2009 um 13:54
Apropos Suchen. Was bedeutet eigentlich trackback? Ich habe schon bei Wiki nachgeguckt, weiß aber immer noch nicht, was das in diesem Zusammenhang hier bewirkt. Kannst Du mir helfen?
@KARU : WordPress Trackback Tutorium: Wenn sie richtig benutzt werden, sind trackbacks und pingbacks eine ausgezeichnete Weise, Verbindungen und Verkehr zu Ihrem Blog, sowie Verhältnisse zu anderen Bloggern aufzubauen. Was ist Trackback? In den Ausdrücken des Laien ist trackback eine Weise, eine Web site zu melden, wenn Sie eine Eintragung veröffentlichen, die darauf hinweist. Wenn Sie jemandem einen trackback schicken, erscheint eine Verbindung mit einem kurzen Auszug Ihrer Eintragung auf die bezogenen Web site. (Blog)
Hilfreich. Gut geschrieben. Schön fotografiert. Danke.
Die Erklärung von wordpress ist nicht zu kapieren, weil die Übersetzung so grottenschlecht ist. Ich habe eine Seite gefunden, die das ganz nett erklärt: http://sw-guide.de/webdienste-blogging/was-sind-trackbacks/
Vilmos ich danke Dir. Das scheint begreifbar zu sein! Liegt also nicht an mir.
Interessant geschrieben. Ist es nicht aber auch so, dass Künstler/Künstlerin auch wissen muß, was gießbar, also machbar ist? Da muß doch sicher in bestimmten Stärken – z.B. bei Fingern – gearbeitet werden, damit überhaupt ein Guß ohne Bruch (da gibt es sicher einen Spezialausdruck dafür) möglich ist. Gehört da nicht auch viel Kenntnis über des gesamten Verfahrens dazu?
@philipp: Ja, richtig. Wenn das kleine Modell fertig ist, findet immer eine Rücksprache mit der Gießerei statt. Die Besen des Besenbinders waren z.B. ein Problem. Was unbedingt auch berücksichtigt werden muss, ist die Sicherheit, da die Figuren im öffentlichen Raum stehen. Da dürfen Kinder nicht ihre Köpfe durch irgendwas hindurchstecken können, es darf nichts Spitzes erreichbar sein usw. Die Gießer haben Erfahrung mit solchen Dingen und weisen gleich zu Anfang darauf hin, wo Gefahren entstehen können.
Ich schreibe noch mal einen Beitrag über das Erstellen einer lebensgroßen Gipsfigur. Vielleicht ist das ja auch allgemein von Interesse.
@karu,
erzähl mal, ich bin gespannt!
Hallo, ych bin yetzt auch allhyer und ybe noch.
Der Artykel ist sehr ynteressant, erzähl weyter..
… interessant – lehrreich – sehr gut illustriert. Tante Sina hat es mir besonders angetan – wie sie „leibt und schafft“ (oder besser geschafft hat)
Sehr beeindruckend. Großartig, wie es Dir gelingt künstlerische Sinnlichkeit in Verbindung mit den technischen Abläufen zu vermitteln.
Ich fühle mich nun ganz neu sensibilisiert und werde anders blicken, wenn ich demnächst solchen Skulpturen im Stadtbild begegne.
@eichiberlin: Es freut mich, wenn Du mit anderen Augen die so aufwändig erstellten Plastiken im öffentlichen Raum und in Museen betrachtest. Alles hat immer eine Vorgeschichte. Schön, dass ich das vermitteln konnte.