Grüne Oasen und nächtliches Leuchten
Wir ließen uns treiben in Lissabon. Es begegnet einem immer etwas Überraschendes in dieser Stadt. Da ich nicht auf das hinweisen will, was sowieso in jedem Reiseführer steht und gar nicht zu schaffen ist, wenn nur eine kurze Zeit bleibt, hier ein paar „Fundstückchen“ am Rande des Bedeutenden. Zum Beispiel die Spray-Künstler in der Alfama, dort wurden offenbar Abrissgebäude für die Sprayer freigegeben und schon ist es beinahe zu schade, die Wände einzureißen, die so interessant bemalt wurden.
Zwischen den Häuserschluchten in Richtung Univiertel, vorbei an Antiquitätenläden mit Auslagen zum Naseamfensterplattdrücken, gelangten wir immer wieder auf kleine Plätze und Parkanlagen. Einen Park greife ich stellvertretend heraus, er hat mir besser gefallen, als der Botanische Garten nicht weit davon, weil er von den Anwohner genutzt wird im Tageslauf, während im Botanischen Garten Besucher flanierten, die über die an die Hänge gesetzten exotischen Bäume diskutierten oder über die dort aufgestellten Kunstwerke.
In diesen kleinen Park jedoch saßen die Männer beim Kartenspiel, ganz und gar vertieft, den Verkehr auf den Straßen ringsum nicht wahrnehmend. Unter einem Baum, der von einem Eisengerüst gestützt eine Krone von etwa 10 m Durchmesser aufweist und in seinem Stamm auf seltsame Weise verflochten wirkt, stehen Bänke bereit und werden genutzt von Müttern, die vom Einkaufen ausruhen, von Anzugträgern für eine kurze Verschnaufpause mit privatem Handygespräch, von alten Herrschaften, die sich eine Erholung von den steilen Steigungen der Straßen gönnen, die hier hinauf führen, von Studentinnen, die in einem Referat herumkritzeln, von Paaren, die sich gegenseitig mit Leckereien füttern. Gleich neben diesem Wunderbaum blüht es rosarot und etwas weiter stehen Gummibäume, die wirklich Bäume sind, nicht das, was wir hierzulande in Töpfen für spießig halten.

Da wir vor der Umstellung auf die Sommerzeit dort weilten, kam wir in den Genuss der Abendbeleuchtung in der Stadt. Da Po
rtugal sowieso eine Stunde früher dran ist, als die übrige iberische Halbinsel, hätten wir nach der Zeitumstellung schon tief geschlafen bei Einbrechender Dunkelheit, weil es hundemüde macht, die Stadt zu Fuß zu durchstreifen. So aber saßen wir nach dem Essen noch ein wenig am Cais do Sodré, mit Blick auf die Brücke
und die großen Schiffe im Hafen.
Es gibt dort einige Bars, die das Nachtleben sicher attraktiv machen, wenn man sich nicht so verausgabt hat am Tage wie wir. Auf dem Rückweg zum Hotel, mit schweren Beinen und müden Füßen, konnte ich noch ein paar nächtliche Momente einfangen, von denen es sicher noch viel mehr gibt in dieser auch nachts faszinierenden Stadt, abseits der Fado-Bars und Fußgängerzonen.



Wie schön doch auch ein Graffito sein kann!
Ja, nicht wahr. Etwas phantasievoller als hierzulande. Wenigstens habe ich es festgehalten, bevor die Mauern abgerissen werden.