06
Jul
09

Fürstenberg-Rundgang

Geschichtsträchtiger Hügel

Von der B 57 kommend parken wir das Auto gleich unterhalb der Kirche unter den Schatten spendenden Bäumen. Birten ist noch ganz ruhig, so früh am Morgen. Wir nehmen den Weg zum Amphitheater, lassen dies links liegen und laufen zwischen den zum Teil schon abgeernteten Feldern auf die Kuppe des Hügels zu. Der Fürstenberg ist nämlich kein Berg, er ist Teil der Endmoränen, die die Eiszeit hier hinterließ.

Bei dem schon gepflügten Acker kurz vor der Kuppe zur linken muss das Römerlager Vetera castra in der Zeit von 12 v. Chr. bis 69 n. Chr. gestanden haben. Es bot Platz für zwei Legionen, rund 11.000 Soldaten. Vor dem Lager an den Haupttoren befand sich eine Lagervorstadt mit Händler, Handwerkern, Ehefrauen und Kinder der Soldaten. Von alledem ist nichts mehr zu sehen. Das Lager wurde 69/70 n. Chr. zerstört und ein kleineres näher zum Rhein hin errichtet.

Hier gibt es anschauliche Informationen dazu:

http://xanten.afg.hs-anhalt.de/desk30.html

Mein Ziel heute morgen liegt einige Fußminuten weiter. Dazu gehen wir durch einen sehr schönen Hohlweg, durch den auch schon die Karren der Römer gefahren sind und die Hufe vieler Pferde, die Räder unterschiedlichster Wagen und die Füße unzähliger Menschen nach ihnen, so dass der Weg zwischen zwei Hänge eingegraben ist, die nun mit alten Bäumen bewachsen wohltuenden Schatten spenden. Wir biegen den asphaltierten Weg links ab bei den auffälligen Wurzeln einer Akazie und laufen auf die Kreuz-Kapelle zu. Ich war hier schon länger nicht mehr, die Bäume sind gewachsen, sonst ist alles unverändert.

Die kleine Kapelle wurde aus den Trümmern eines Klosters erbaut, Bauherrin war eine Äbtissin, deren Portrait über dem Mittelfenster in Stein gehauen zu sehen ist, Brigitte Wilhelmine von Backum. Die Kapelle ist das einzige, was an das ehemalige Kloster erinnert. Ich lese auf einer der Info-Tafeln, dass dieses Nonnen-Kloster dem Kloster Kamp unterstellt wurde und der Abt eine Reform einleitete, weil das lockere Leben der Nonnen dort nicht tragbar war. Das weckt mein lebhaftes Interesse, doch mehr habe ich nicht darüber erfahren können.

Auf der Rückseite der Kapelle steht ein steinernes Kreuz, von hohen Bäumen umgeben. Hier finde ich diese Atmosphäre, die schwer zu beschreiben häufig in Klöstern und auf alten Friedhöfen vorherrscht. Ein klein wenig mystisch ist es schon hier oben. Hinter dem Kreuz befindet sich dichter Wald auf einem recht steilen Hang der zum alten Rheinarm hinunter führt. Neben dem Kloster steht ein Herrenhaus, in dem eine Zeitlang eine exklusive Galerie untergebracht war. Das Tor ist verschlossen und so bewachsen, als wäre schon lange niemand mehr hineingegangen. Es wäre schade, stünde es leer. Die Lage ist ein Traum, ich nehme an, aus den Fenstern auf der Rückseite kann man bis zum Rhein schauen.

Wer hier oben für ein paar Tage wohnen möchte, kann sich im etwas weiter unten liegenden Hotel “Fürstenberger Hof ” e inquartieren. Von außen sieht alles sehr ansprechend aus. Zu Fuß braucht man bis in die Innenstadt ca. 20 Minuten.

Auf dem Rückweg schauen wir noch ins Amphitheater hinein, in dem demnächst “Eine Nacht in Venedig” aufgeführt werden wird. Ein Zeichen von Zivilisation, bei den Römern wurden hier ganz andere Schauspiele geboten.

Da der Hund bei der Hitze leidet, wenn wir so lange laufen, gönnen wir ihm noch ein Abkühlungsbad im alten Rheinarm und mir wird ein schönes Abschlussfoto ermöglicht.

Der Schwan hat jedoch nichts mit Geschichte zu tun, auch nicht mit der Schwanenburg oder Lohengrin. Davon ein andermal.


0 Antworten zu „Fürstenberg-Rundgang“



  1. Noch keine Kommentare

Eine Antwort schreiben