19
Okt
09

Manufactum 2009

Die schönen Dinge

Bis zum 15. November ist die Manufaktum 2009 im Museum in Kevelaer noch zu sehen. Alle zwei Jahre wird diese Schau der Kunsthandwerker in verschiedenen Städten durchgeführt. Es werden Staatspreise für 8 Werkbereiche vergeben, Schmuck, Gerät aus Metall, Holz, Textil, Keramik, Stein, Glas, Farbe, Leder/Papier/Fotografie.

Bei diesen Ausstellungen sind immer hochwertige, phantasievolle, ausgefeilte, gekonnte und sehr schöne Objekte zu sehen. So auch dieses Mal in Kevelaer, wo die Arbeiten sehr gut auf zwei Etagen präsentiert werden. Nach dem ersten Durchgang ist ein zweiter zu empfehlen, weil es gar nicht möglich ist, alles zugleich zu erfassen. Neben der betörend schönen Optik strahlen alle Objekte auch die Könnerschaft ihrer Schöpfer aus. Leider ist heute viel zu viel Hingehauenes, Liebloses, Ungekonntes und Nachlässiges zu sehen bei den unzähligen Ausstellungen allerorts. Hier nun verstehen Menschen ihr Handwerk, sie wissen umzugehen mit ihrem Material, kennen die Tücken und die Vorzüge ganz genau. Das verschafft ihnen Freiheit, einfallsreich damit umzugehen. Oft sind die Arbeiten von graziöser Schlichtheit, der Hocker aus Esche soll als Beispiel genannt werden, die leicht ausgestellten Beine des Hockers sind so kunstvoll in der Sitzfläche verzahnt, dass es wie ein schmückendes Element wirkt. Die Hocker gestapelt muten wie ein Kunstwerk an.

Ein Waschtisch aus Beton, in eine Holzplatte eingelassen, wirkt wie ein stark vergrößerte Handschmeichler. Ein dreiflügeliger Tisch lässt sich so ineinander klappen, dass er raumsparend und hübsch anzusehen beiseite gestellt werden kann. Es gibt aber auch Dinge aus Glas, Keramik, Papier, Stein und Filz, die einfach nur Freude machen beim Anschauen, ohne nützlich zu sein. Ein Filzüberzug für Kreuze, in den Farben des Kirchenjahres, eine Brosche aus Platinen, eine Stola aus durchsichtigen, biegsamen Plastikhalmen, eine Fotowand ohne Fotos, nur mit den Klebeecken und Unterschriften versehen, ein Steinkopf aus schwarzem Granit auf das minimalste reduziert und perfekt, haben es mir besonders angetan.

Die ganze Ausstellung bereitet Freude, sie ist ein ästhetischer Genuss. Ich hoffe, dieser Staatspreis bleibt noch lange erhalten. Die Träger haben ihn jeweils verdient, wobei es mir nicht möglich wäre, die Entscheidungen zu treffen, weil alle Arbeiten gut und ideenreich sind.


5 Antworten zu „Manufactum 2009“


  1. 20. Oktober 2009 um 13:49

    Schade, daß die Webseite so schweigsam ist — ich hätte gern ein paar Eindrücke gesehen!

  2. 4 philipp1112
    21. Oktober 2009 um 13:49

    Schön, dass die Schönen Dinge bei Manufaktum 2009 sauber gearbeitet sind. Ich verstehe immer nicht, warum auf den Kunsthandwerkermärkten teilweise schlecht Gearbeitetes feilgeboten wird.

    • 5 karu02
      21. Oktober 2009 um 15:51

      Der Vorteil ist, wenn man genug schlecht Ge- und Verarbeitetes gesehen hat, gibt es eine überschwängliche Freude, mit richtig guten Dingen konfrontiert zu sein.


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