Das Buch von den Farben

Gelegentlich bin ich Gänsehautanfällig, beim Anblick selten gewordener Erhabenheit von Kunstwerken z.B., in Filmen, die es darauf anlegen, auch mal bei Musik und gelegentlich bei Berührungen durch besondere Mitmenschen, da kann sogar ein Blick genügen.  Bei Büchern ist es mir noch nicht passiert, kürzlich zum ersten Mal.

Nach reiflicher Überlegung habe ich es bei Kremer bestellt, es kostet immerhin 79 Euro. Der Titel: Farbpigmente, Farbstoffe, Farbgeschichte, Format 34 x 25 cm.

Als es geliefert wurde, erledigte ich erst den Alltagskram um  es dann feierlich auszupacken. Der Umschlag in Schwarztönen, wie gerade aufgemalt, passt perfekt, das Papier  fasst sich gut an, das beste ist jedoch der vorzügliche Druck. Jedes Pigment ist in verdünntem Auftrag und im Vollauftrag abgebildet, sogar die Weiß- und Schwarz-Töne sind zu unterscheiden, Rügener Kreide, Champagnerkreide, Lithopone, Titanweiß, Schwerspat – alles unterscheidbare Weißtöne auf weißem Papier, zusätzlich ein Kreis mit dem ungebundenen Pulver in seiner noch einmal anderen Farbigkeit.

Ich hatte so etwas noch nie gesehen und konnte gar nicht genug bekommen von den vielen Blau-, Gelb- und Rottönen, der Vielfalt der Erdfarben und den Erläuterungen dazu. Das Buch wurde mit 15 Farben gedruckt und ist für mich ein Kunstwerk. Es enthält neben  Geschichtlichem zur Farbgewinnung und dem -gebrauch auch einige Hinweise auf die Malweise alter Meister. So weiß ich jetzt endlich, mit welcher Palette Vermeer das Mädchen mit dem Perlenohrring gemalt hat.

Oftmals kaufe ich Ausstellungskataloge nicht, weil die Farben einfach nicht stimmen, was sofort ins Auge fällt, wenn man die Originale gerade erst gesehen hat. Teuer genug sind sie mit meist 39 Euro inzwischen auch. Jetzt weiß ich gar nicht, wie ein Buch wie dieses zu einem so günstigen Preis hergestellt werden kann. Es hat eine Reihe von Förderern und Unterstützern gegeben, sonst wäre das sicher nicht möglich gewesen. Für mich ist es ein Schatz und es freut mich, dass es Menschen gibt, die sich so viel Mühe geben, ein solches Buch zu gestalten.

Es ist sicher nicht für jeden so interessant wie für mich, ich wollte aber darauf hingewiesen haben, dass es so etwas gibt: Gute, sorgfältige, liebevolle Arbeit am Buch.

Hier noch  ein Link zu einer informativen Seite über die Firma Kremer-Pigmente und vieles mehr über Farben und Pigmente.


8 Kommentare on “Das Buch von den Farben”

  1. Philipp Elph sagt:

    Der “Kremer”-Link funktioniert nicht.

  2. oachkatz sagt:

    Ich glaube, vorher wäre es für mich nicht so interessant gewesen, aber Dein Text hat das geändert. Sehr eindrückliche Beschreibung. Und so viel Begeisterung.

  3. Michael Zoll sagt:

    Auf Grund meines hohen Alters erinnere ich auch noch gut an tadellose Drucktechniken. Da gab es unter anderen den Kupfertiefdruck usw, besonders bei med. Atlanten und Naturkunde-Büchern ist mir das aufgefallen, aber es gab ja auch noch Drucker, Schriftsetzer und Druckmaschinen. Heute ja wohl zu über 90% Fotodruck auf minderwertigen Papier. Gute bis sehr gute Bücher erscheinen in nur kleiner Auflage und sind sogar noch bestenfalls richtig gut gebunden.
    Ich halte den Preis von 79€ auch für sehr günstig, da wurde scheinbar aus Überzeugung und Liebe zum Detail gehandelt, aus Kommerz wohl eher weniger.

    Dank auch für den erfreulichen Beitrag über noch vorhandene Kunst beim Druck.

  4. rotewelt sagt:

    Wunderbar, deine Begeisterung, karu, da spricht die Künstlerin.

  5. Philipp Elph sagt:

    Heute habe ich einige Farbpigmente und -stoffe von Kremer im Gutenberg-Museum in Mainz gesehen. Sie werden dort gezeigt als Rohstoffe für Farben, mit denen die Initialien in den Bibeln per Hand ausgemalt wurde. Ist schon eine interessante Geschichte, die die Farben hinter sich haben. In Büchern gedruckte Holzschnitte wurden ebenfalls ausgemalt. Viel Beispiele davon sind im Museum zu betrachten.

    • karu02 sagt:

      Freut mich sehr, dass Du gleich die passende Ergänzung geboten bekamst. Du müsstest mal Herrn Kremer dazu hören, der immer noch höchstpersönlich mit Hacke und Schaufel loszieht in die entlegendsten Ecken der Welt um seltene und wertvolle Pigmente zu gewinnen. Es hat wegen Farben auch schon kriegerische Konflikte gegeben. Wenn ich es richtig im Kopf habe, kostet 1 g echtes Purpur, gewonnen von der Purpurschnecke, heute 2.000 Euro.
      Ich habe schon an verschiedenen Stellen Beispiele dieser Buchmalereien gesehen und bin immer wieder fasziniert davon. Sobald ich dazu komme, schreibe ich etwas über ein jahrhundertealtes Bindemittel.

  6. kormoranflug sagt:

    Ein paar Kilo der bunten Pulver (Pigmente) vor allem Blau habe ich meinem Kasten. Man weiss ja nie wann man etwas färben muss.


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