Archiv der Kategorie 'Estremadura'

08
Mai
09

Mérida

Römisches, rote Rosen und der Duft von Orangenblüten

Mérida ist die Hauptstadt der Extremadura, eines Landstriches etwas größer als die Niederlande, mit nur etwas über einer Million Einwohner, das sind 2,6 % der Spanier. Somit gehört es zu den am wenigsten besiedelten Teilen Europas. Dieses Mal wussten wir schon vorher, es würde uns allerlei Römisches erwarten. Wir parkten in der Neustadt direkt am Fluss Guadiana. So konnten wir durch eine Parkanlage am Wasser entlang direkt auf die imposante Römerbrücke zugehen. Die Brücke befindet sich an einer seichten Stelle des Flusses mit kleinen Flussinseln. Mit 790 m ist sie eine der längsten erhaltenen Brücken aus römischer Zeit. Die zweite römische Brücke über den Fluss Albarregas mit 145 m Länge wurde zur gleichen Zeit erbaut. Diese beiden Bauwerke zeigen, wie wichtig die Stadt zur Römerzeit gewesen sein muss als Schnittpunkt zweier Handelsrouten von Nord nach Süd und Osten nach Westen. Entsprechend dieser Wichtigkeit sind in der Stadt sehr viele historische Bauwerke erhalten. An einigen Stellen ist zu sehen, dass die ganze Stadt auf “geschichtlichem Geröll” gebaut ist, etwa 4 m hoch. Eine U-Bahn dürfte man hier wohl nicht bauen, es würde alles sogleich von den Archäologen beschlagnahmt. Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich hier die Tempelreste zwischen Wohnhäusern stehen, wie der Diana-Tempel, der nur versehentlich so heißt. Es war ein Tempel des Kaiserkultes, wurde zu Beginn des ersten christlichen Jahrhunderts gebaut und ist deshalb so gut erhalten, weil er später in einen Palast integriert wurde.

 

Ein wenig außerhalb der Altstadt führte uns ein Wegweiser zum Aquädukt, was ebenfalls sehr gut erhalten das Albarregastal überbrückt und von unzähligen Storchenpaaren bewohnt wird. Das Aquädukt führt Wasser aus einem 5 km vor der Stadt gelegenen Staubecken in die Stadt hinein.

Für das Römische Theater, das Amphitheater, das 8 v. Chr. eingeweiht wurde und in dem blutige Tier- und Glasdiatorenkämpfe stattfanden, sowie die erhaltenen Teile des Forums mussten wir Eintritt bezahlen. Das Römische Theater war lange Zeit zerstört. In der Neuzeit wurden die Säulen des Theaters geborgen und wieder aufgestellt. Zwischen all den alten Mauern blühen hier prachtvolle duftende Rosen.

Weitere Gebäudereste, Mosaiken und Figuren sind im Römischen Museum ausgestellt; ein sehr schönes neues Ziegelsteingebäude, der römischen Bauweise angepasst, diese aber nicht kopierend, mit einer gut konzipierten Ausstellung, die unbedingt zu empfehlen ist.

Nach so viel Geschichte ruhten wir auf dem sehr schönen, nach Orangenblüten duftenenden Marktplatz zwischen Rathaus und Parador aus. An allen vier Ecken des Platzes luden Stühle und Tische sowie ein Ausschank zum Verweilen ein. Ich hätte gerne noch eine der Kirchen von innen gesehen, aber für diesen Tag war es genug, fast schon zu viel. Für Mérida sollte man sich zwei Tage Zeit nehmen. Versäumen sollte man es auf keinen Fall.

08
Mai
09

Zafra

Zafra in Echtzeit

Von Zafra aus ist es nicht mehr sehr weit bis Andalusien. Das erklärt vielleicht den ganz anderen Baustil dieser hübschen, kleinen Stadt mit den vielen Schmiedeeisernen Balkongittern an den weiß oder ockerrot getünchten Häusern, der ein wenig an Sevilla erinnert. Zunächst aber standen wir an der Parkuhr, nach unserem Verständnis um 15 Uhr. Die Parkuhr sollte erst ab 17 Uhr zählen, sie zeigte aber schon 17 Uhr und zählte sofort. Das führte zu leichter Verwirrung. Da die Stadt einige Kirchtürme aufzuweisen hat, bestätigte ein Rundumblick die Übereinstimmung der Kirchenuhren mit der Park-Uhr, keine Übereinstimmung jedoch mit der Armbanduhr meines Liebsten. Ich lebe sowieso immer knapp neben, vor oder hinter der Zeit. Auf meinen Gatten ist jedoch Verlass in Bezug auf Kalenderdaten oder Uhrzeiten. In Zafra vor der Parkuhr ging etwas von der Absolutheit meines Vertrauens in diese Verlässlichkeit verloren. Wir hatten seit 5 Tagen 2 Stunden Differenz zur jeweils ortsüblichen Zeit, was sich durch zweimaliges Umstellen der Uhr, einmal von Portugal nach Spanien und einmal durch die Sommerzeit erklärt. Nur hätten die Zeiger in die andere Richtung bewegt werden müssen. Also gehen die Spanier neuerdings gar nicht früher zum Essen, wir waren 5 Abende lang endlich einmal zur richtigen Zeit im Restaurant, nämlich gegen 22 Uhr, obwohl wir dachten, es sei unsere Hungerzeit 20 Uhr. Und auch sonst hatten wir uns unwissentlich an die spanischen Gewohnheiten angepasst. Ein paar mal hatten wir den Verdacht, dass sich in Spanien niemand um die uralten Uhrtürme und deren Uhren kümmert, weil die nach unserer Zeit alle falsch gingen….Versteht sich von selbst, dass wir innerlich Abbitte leisteten.

So konnten wir nun in Übereinstimmung mit den Turmuhren über die mit Bogengängen versehene Plaza Grande, durch die belebte Innenstadt bummeln, auf der Plaza Chica Café trinken, im Einklang mit der Zeit der Bewohner, im Licht der nachmittäglichen Sonne, die wir gestern noch für die Mittagssonne hielten. In den trutzig wirkenden Alcázar aus dem 15. Jahrhundert, der in einen Parador umgewandelt wurde und im Inneren einem Palast gleicht, lohnt es genau so einen Blick zu werfen auf den Renaissance-Kreuzgang wie in die drei alten Kirchen.

Die Leichtigkeit der Bauweise in Zafra, die südliche Anmutung mit den vielen Palmen im Ortskern, die heiteren Farben der Fassaden und die Unbestechlichkeit der Parkuhr gaben diesem Ausflug eine gewisse Note der Unvergesslichkeit.

08
Mai
09

Almendralejo

Schlafen und Essen in Almendralejo

Das Hotel A Costa Centro hatten wir von Trujillo aus im Internet gebucht. Es ist ganz neu und liegt mitten in der Stadt, deren Namen ich nicht behalten kann, da es nichts gab in dieser Stadt, woran ich ihn hätte befestigen können.

Das Hotel ist sehr zu empfehlen, hat große Zimmer, schöne Bäder, eine großzügig angelegte Bar mit Panoramascheiben, im Sommer ist wohl auch Wasser im Pool und die Liegestühle auf der Dachterrasse werden zu benutzen sein. Für so etwas war es jetzt, bei 22 Grad im Schatten, für die Spanier noch viel zu kühl.

Dies ist der Blick aus dem Fenster des Hotels. Über das Städtchen kann ich nur berichten, dass wir am Abend durch die Verkaufsstraßen und die Altstadt um die Kirche herum gelaufen sind, um ein Restaurant zu finden. Die Straßen waren voller Menschen, aber Restaurants gab es keine, bis wir, fast wieder am Hotel, demselben quasi genau gegenüber, ein Schild entdeckten: Museo del Vino. Dieses “Museo” entpuppte sich als Restaurant und war genau das Richtige, da es Wein und Tapas anbot. Ich will jetzt nicht das alte Sprichwort anführen vom Guten, dass so nahe liegt, auch wenn es mir beim richtig guten Wein aus der Gegend und einem Teller voll köstlichem Rabo de Torro, der ganz sicher auch im Rotwein gelegen hatte, durch den Sinn ging. Das versöhnte uns mit dem wenig reizvollen Ort.

Als Ausgangspunkt für Besuche von Mérida und Zafra, evtl. des nahegelgenen Stausees ist er jedoch gut geeignet, vorausgesetzt man ist kein störanfälliger Schläfer. Hier hatten wir zum ersten Mal während dieser Reise wieder das zweifelhafte Vergnügen, dem Nachtleben der Spanier zumindest akustisch beizuwohnen.

05
Mai
09

Autovia de Extremadura

Von Trujillo nach Mérida

Vorab: Für alle Autobahnen und Hauptstraßen, die wir bis dahin benutzt hatten, kann ich ohne zu zögern 5 Sterne vergeben. So auch für die A5 (E 90). Bei kleinen Nebenstraßen muss man etwas vorsichtiger fahren.

Wir hatten einen Ort ausgesucht in der Nähe von Merida. Der Hotelpreis hat die Entscheidung bestimmt. Also packten wir die Koffer wieder einmal ins Auto und benutzten die Autovia de Extremadura Richtung Westen. Von der hochgelegenen Autobahn konnten wir sehen, dass auch kleinere Straßen in unsere Richtung führten. Die wollten wir lieber benutzen, um ein wenig durch die Landschaft zu bummeln.

Ich konnte die Landschaft an keinem Ortsnamen festmachen, weil es weit und breit keine Ortschaften gab, bis auf die eine, wo uns schon klar war, als der Mann auf dem Maultier vor uns her ritt, dass wir dort nicht weiterkommen würden. Jede Straße eine Sackgasse und sogar für den Clio fast zu eng. Von dort aus mussten wir dann doch auf die E 90 zurück, hatten aber bis dahin einen so schönen Landschaftsabschnitt zu sehen bekommen, dass wir getränkt mit diesen Eindrücken das letzte Stück Autobahn gerne in Kauf nahmen.

Zwischen den Steineichen blühten jetzt hier die Wiesen gelb und weiß. Immer wieder waren die Steine zu Mauern aufeinander geschichtet, was sich zu schönen Bildern verband. Auch die kleinen Bäche mit klarem Wasser zwischen den Steinen trugen zu dem paradiesischen Eindruck bei. Hin und wieder grenzten Reihen von weißem und gelbem Ginster die Felder zum Horizont hin ab.

Die Luft schmeckte nach Frühling und das Gezwitscher der Schwalben hörte sich beinahe übermütig an. Ich hätte gerne mein Fahrrad dabei gehabt.

03
Mai
09

Plasencia

Wasserspeier und Rathaus-Kasper

Diese Stadt mit dicken Stadtmauern und wuchtigen Stadttoren, mit gleich zwei Kathedralen, eine alte aus dem 13. Jahrhundert und eine neue aus dem 16. Jahrhundert in einem Bauwerk vereinigt,  erreichten wir um die Mittagszeit. Das ist die beste Gewähr, eine Stadt erst einmal für sich alleine zu haben, was aber auch bedeutet, alles nur von außen anzuschauen. Geöffnet wird erst nach der Siesta.

Auch hier liegen die Ursprünge weit zurück, bei den Ruinen einer keltischen Siedlung. Wieder einmal war es Alfons VII, der diese Stadt von den Mauren befreite. Es wurde weiter gekämpft um diese Stadt, bis Papst Clemens III sie im 13. Jahrhundert zum Bischofssitz erhob, worauf hin mit dem Bau der Kathedrale begonnen wurde. Der alte und der neue Teil, im 16. Jahrhundert begonnen, gehen ineinander über. Da diese Kathedrale unmöglich als Ganzes zu fotografieren ist, habe ich ein paar Elemente herausgesucht.

pict00251

Die Stadt hat eine große Zahl alter, sehr gut erhaltener Bauwerke aufzuweisen. Wir mussten nur herumlaufen und kamen an jeder Ecke wieder ins Staunen. Als wir auf der Plaza Mayor anlangten, war die Siesta vorbei und der Platz voller Menschen. Man trifft sich hier, auf einen Pico, auf einen Plausch und geht dann wieder seiner Wege.  Die Gebäude ringsum scheinen aus allen Epochen zu stammen. Sehr gut hat mir das Rathaus gefallen, dort haben sie den Kasper gut sichtbar  a u ß e n  platziert, anders als hierzulande. Ich lasse mich über die Bedeutung der Rathaus-Figur gerne eines Besseren belehren.

Die Stimmung auf dieser Plaza mit den vielen Cafés und den Ruhebänken mitten darauf, dem Brunnen und den vielen Kindern wird mir im Gedächtnis bleiben. Hier trafen sich alle zum Plausch, blieben eine Weile und gingen dann wieder ihrem Tagewerk nach. Nur das Polizeiauto durfte den Platz befahren.

03
Mai
09

Nationalpark Monfragüe

Wandern im Naturschutzpark Monfragüe

Für unseren Wandertag hatten wir uns den Naturschutzpark ausgesucht, der seit 1979 die höchste Schutz-Stufe genießt und 2003 von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt wurde. Schon auf dem Weg dorthin konnten wir von einer Brücke herab den Blick auf einen Fischotter erhaschen, der für meine Kamera allerdings viel zu schnell war. Voller Vorfreude fuhren wir weiter aufwärts über autofreie Straßen bis zu einer Stelle, an der sich plötzlich aus dem Nichts sehr viele Autos versammelt hatten, auch ein paar Busse. Wir sahen Menschepict0008n mit Campingstühlen und Ferngläsern, Schulklassen und Wandergruppen, sogar spanische Wanderer! Die mussten alle aus der anderen Richtung gekommen sein. Wir hatten nun aber auch ganz von selbst den interessantesten Punkt des Nationalparkes gefunden. Umgeben vom Wasser der gestauten Flüsse Tajo und Tiétar ragt ein Felsen auf, von einer verfallenen Burg gekrönt. Wir befanden uns auf einer Brücke hoch über dem Wasser und somit auch über einigen der in Scharen herumfliegenden Greifvögel, die offenbar in diesen Felsen vor und hinter der Brücke niesten. Es soll hier die größte Kolonie mit 286 Brutpaaren des Mönchsgeiers in Europa geben. Da ich mit bloßem Auge Mönchs- und Gänsegeier nicht unterscheiden kann, gebe ich nur wieder, was auf der Schautafel versichert wurde. Auch 12 Kaiseradlerpaare soll es hier geben, außerdem Habichtsadler, Schmutzgeier und Schwarzstörche, Uhes und Steinadler. Zwei Adler meinte ich ausmachen zu können und da sich alle Ferngläser auf diese beiden konzentrierten, wird es wohl so gewesen sein. Ich bewunderte die Leute, die Stunden mit einem Fernglas vor den Augen verbringen können. Mir wird vom Fernglasgucken immer ganz komisch.

Wir fuhren noch ein Stück weiter bis zum Informationszentrum des Parks. Auf den Hinweistafeln waren alle Tiere aufgeführt, die hier leben, vom Laubfrosch bis zum Rothirsch. Am meisten interessierte mich das Ichneumon, schon wegen des Namens und weil mir ein solches Tier bis dahin nicht bekannt war. Inzwischen weiß ich, dass es zu der Familie der Mangusten gehört. Wie auch immer, ich war fest entschlossen ein Ichneumon zu sehen, besser noch, eins zu fotografieren.

Wir nahmen den erstbesten von mehreren möglichen Wanderwegen und waren von da an wieder ganz alleine unterwegs. Nur einmal hörten wir von ferne die spanische Wandergruppe, die also tatsächlich wanderte. Ich betone das, weil Italiener, Spanier, Portugiesen und Südfranzosen nicht wirklich das Wandern in den Genen verankert haben, wie überhaupt das gehen als Fortbewegungsart ihnen fremd zu sein scheint. Die Landschaft war ähnlich den Landschaften, die wir bisher durchstreift hatten, hier jedoch bergiger und unten im Tal fanden wir jeweils einen Bachlauf.

Es gab keine Tiere! Nichts! Nicht mal einen Frosch, geschweige denn ein Ichneumon. Ich hielt Augen und Ohren weit offen, verlor dabei die Sonnenblende der Kamera, weil ich in jede Schlucht spähte, aber nicht einmal am Himmel zeigte sich der Hauch eines Flügels. Wir sahen in diesen fast 4 Stunden nur Flora, keine Fauna. Zwischen den Stein- und Korkeichen viel Zistrosengebüsch, ein paar Erdbeerbäume, noch ohne die auffälligen Früchte, Erika-Gewächse unterschiedlicher Art und an den Südhängen Oliven.

pict0011

Auf dem Rückweg, am Burgfelsen, schwebten die großen Vögel wieder alle majestätisch durch die Luft. Ich glaube, sie werden fürs Schaufliegen und -nisten bezahlt und dürfen nur dort wo die Parkplätze sind.

01
Mai
09

Trujillo

Zauberhaftes Städtchen

Als nächstes Ziel hatten wir uns Trujillo ausgesucht. Mit dem Namen verband sich für mich zunächst gar nichts. Wir hatten uns eher für das Hotel Isla del Gallo als für den Ort entschieden, beides sah bei der Buchung im Internet attraktiv aus. Wir fuhren 100 km in südlicher Richtung. Das Navi wurde auf Stadtmitte eingestellt, weil ich die Hoteladresse im Kofferraum liegen hatte. Das Städtchen stellte sich sogleich als sehr verwinkelt heraus, wir folgten brav der Navi-Dame bis sie uns mit großer Bestimmtheit erklärte, wir hätten unser Ziel erreicht. Wir standen auf einem dreieckigen, kleinen Platz, umgeben von hohen alten Häusern, was gar nicht nach Stadtmitte aussah. Wir rieben uns vor Verwunderung die Augen, als wir das Hotelschild direkt neben uns entdeckten. So ein tolles Navi, innerhalb einer Woche hatte es gelernt, was wir bevorzugen, ohne spezielle Eingaben. Sogar einen Parkplatz hatte es reserviert vor dem Hotel. Die Stadtmitte erreichten wir kurze Zeit später gut zu Fuß, nachdem wir uns in dem schön möblierten, empfehlenswerten Hotel eingerichtet hatten.

Trujillo ist, im nachhinein betrachtet, die schönste der kleinen Städte, die wir besuchten. Sie liegt etwa 500 m über dem Meeresspiegel. Der berühmtest Sohn der Stadt ist in einem Reiterdenkmal auf der Plaza Mayor verewigt, Francisco Pizarro, einer der insgesamt 56 namentlich bekannten Conquistadoren, die an der Eroberung und Entdeckung Mittel- und Südamerikas maßgeblich beteiligt waren und aus Trujillo stammten. Das versuchte ich gedanklich außen vor zu lassen, obwohl es mich doch interessiert, warum die Mütze des Reiters zwei Zipfel hat. Um das eckige, symestrische Kastell herum, mit Resten aus arabischer Zeit, befinden sich Paläste aus der Zeit der Conquista, die Kirche Santa Maria la Myor aus dem 13. Jahrhundert, das Museo de la Coria, das Museo Casa Pizarro, Mauern, Türme und die wunderschöne Plaza Mayor.

Hier ließen wir uns zum Mittagsmahl nieder, beobachteten die Mütter und Väter, die ihre Kinder von der Schule abholten und ausschließlich aus diesem Grunde auf dem Platz parken durften. Ein Polizist sorgte ganztags auf dem Platz für Ordnung.

Da wir immer wieder von oben auf den Platz heruntersehen konnten, sahen wir immer auch diesen Polizisten. Nach der Nachwuchsabholung blieb der Platz so leer und schön, wie wir es von manchen Plätzen in unserem Land auch wünschen würden, die mit Autoblech verschandelt werden. Ich versuchte mir vorzustellen, in Alpen sei ganztags ein Polizist abgestellt, der der Adenauer-Platz im Auge behält. Wir besuchten die Kirche, die in der Mittagszeit, wie fast alle Kirchen, geschlossen war, weil sie inzwischen alle bewacht werden. Diese Plaza Mayor hat eine ganz besondere Atmosphäre, es ist lebhaft, aber nicht laut, es gibt keine Autoabgase, die Menschen bewegen sich ohne Hektik. Kinder spielen auf den vielen Stufen und am Brunnen. Die alte Altstadt um das Kastell herum wies eine ähnliche festungsartige Bauweise auf wie Cáceres. Da sie auf einem Hügel liegt, hatten wir nach allen Seiten herrliche Ausblicke, speziell natürlich vom Turm der alten Kirche.

Dem Hotel gegenüber lag das Theatergebäude. Des Abends hörte man im weiten Umkreis den Operchor oder das Orchester proben. Aus einer der Kirchen erklang beim Vorbeigehen der Kirchenchor, für die Semana Santa probend. Ich kam mir ein wenige verwunschen vor in dieser beinahe unwirklichen alten Stadt. Um diesen Eindruck noch zu bestärken, aßen wir Abends im Restaurante Bizcocho-Plaza, an der Plaza Mayor, die beleuchtet noch einen ganz anderen, fast märchenhaften Zauber entfaltet.

30
Apr
09

Cáceres

Zwischen den maurischen Mauern

Da ich vorher nach Möglichkeit in keinen Reiseführer gucke, weiß ich auch nicht, was mich erwartet in einer Stadt, die im alten Teil von dicken Mauern umgeben ist. Jede Stadt bekommt die Chance, mich zu überraschen. Cáceres ist die Überraschung gelungen. Die Altstadt ist so gut erhalten, dass ich mich ins Mittelalter zurückversetzt fühlen konnte.    Hinterher habe ich nachgelesen, dass die Stadt 54 v. Chr. von den Römern gegründet wurde. Die Westgoten haben sie im 6. Jahrhundert zerstört, damit die Mauren sie wieder aufbauen konnten. Es gab dann noch einiges Hin und Her, bis im 15. Jahrhundert Isabella I. von Kastilien den Streit um die Thronfolge gegen Johanna von Kastilien gewann. Danach ordnete sie an, alle Türme der Häuser, die Besitzern gehörten, von denen sie nicht unterstützt worden war, abreißen zu lassen. Nur zwei der einstmals mit Türmen prächtig bestückten Stadt blieben stehen. Daher wird Cáceres die Enthauptete Hauptstadt genannt. Bei der Geschichte der Stadt wundert es nicht, wenn alle Bauwerke wie Festungen wirken. Die Altstadt gehört  zum Weltkulturerbe. Nun gab es auch ohne diese Türme genug zu sehen.

Nach einem Rundgang durch die alten Gassen mit Einmündungen in kleine, beschauliche Plätze, besuchten wir das Museo Privincial de Cáceres, untergebracht in einem Renaissancepalast, mit einer heimatgeschichtlichen, sehr schön geordneten Sammlung von Fundstücken aus der Römerzeit bis hin zu einer Ölpresse im oberen Stockwerk. Im Keller dieses Gebäudes befindet sich eine beeindruckende Zisterne, die wohl noch aus der Römerzeit stammt.

Je Festungsartiger die Mauern der Gebäude, desto dringender mein Wunsch, mal dahinter zu schauen. Ich wüsste gerne, wie es sich wohnt in solchen geschichtsträchtigen Häusern. Da ich nicht gut einfach irgendwo klingeln kann und um Einlass bitten, bin ich auf Gelegenheiten angewiesen wie die die Öffnung eines Palastes in Form einer Stiftung. Das Haus der Stiftung Mercedes Calles y Carlos Ballestero steht Besuchern offen. Hier für eine Ausstellung des spanischen Malers Joaquín Sorolla Bastida und seiner Zeitgenossen (um 1900).

http://de.wikipedia.org/wiki/Joaqu%C3%ADn_Sorolla

In der unteren Etage, die weitgehend wie ein Wohnhaus eingerichtet blieb, waren die Sammlungen der Stifter in Vitrinen ausgestellt. Der Palast wirkte innen sehr viel wohnlicher, als das schroffe Äußere vermuten ließ, auch gab es den von mir erwarteten beinahe kreuzgangähnlichen, mit frischem Grün bepflanzten Innenhof. Die beiden oberen Etagen waren der Malerei gewidmet. Ein sehr wirkungsvolles Ambiente für die Bilder. Als wir zur Plaza Mayor zurückkehrten, die Kathedrale mit dem riesigen, düsteren Altar hinter uns lassend, verflüchtigte sich das Mittelaltergefühl im Neuzeitgewühl. Gegen 17 Uhr wird es lebhaft in den Innenstädten. Wir genehmigten uns je eine der verführerischen Leckereien in einem der Cafés.

28
Apr
09

Vor den Stadtmauern von Cáceres

Weites Land

Von Brozas aus fuhren wir Richtung Cáceres, offenbar als einzige, wie das Foto durch die Windschutzscheibe beweist. Das war nicht etwa nur ein Zufall, nein, kilometerweit benutzten wir die nagelneue Straße ganz alleine, ich erwähne das, weil es immer wieder vorkam: schöne Straßen ohne Autos.

Bevor wir in die Stadt hineinfuhren, wollten wir uns vor den Stadttoren die Landschaft ansehen, in der es auf den ersten Blick scheinbar nichts zu sehen gab. In der Extremadura konzentrieren sich die Ansiedlungen auf die Städte oder Dörfer. Dazwischen liegt die Steppenartige leere Landschaft. Auch hier fanden wir wieder einen dieser runden, flachen Gumpen mit wenig Wasser, auf dem weißer Hahnenfuß blühte.

Ich nehme an, das Wasser wird in ein paar Wochen, wenn es richtig heiß wird, verschwunden sein, so wie die Blüten auf den Wiesen.

Noch etwas Ungewöhnliches fiel uns auf, in der Nähe eines verfallenden Hauses niedrige Bauwerke, an Ställe erinnernd, aber selbst für Ställe zu niedrig, u-förmig angeordnet, mit kleinen, niedrigen Fenster- und Tür-Öffnungen zur Innenseite im Abstand von 150 cm. Nach außen gab es keine Öffnungen, nur dicke Mauern.

Wir fanden ein zweites, ähnliches Bauwerk, jedoch nur zu erahnen, weil wir das erste gesehen hatten. Hier waren nur noch bewachsene Hügel erkennbar. Sollte einer meiner geneigten LeserInnen wissen, worum es sich handelt, wäre ich für einen Hinweis sehr dankbar. Störche gibt es in diesen weiten Wiesen auch genug.

24
Apr
09

Alcantara und Umgebung

Alcántara oder wie sich Wichtigkeiten ändern

Der Ortsname leitet sich vom arabischen al-qantarat ab und bedeutet “Die Brücke”.

Die Römerbrücke ist auch das beeindruckendste Bauwerk mit einer Länge von 194 m, vollständig erhalten und immer noch befahren. Es ist leicht, sich vorzustellen, wie wichtig diese Brücke einmal gewesen sein muss als einzige über den Tajo und damit eine Verbindung zwischen Nordwest und Süd der Halbinsel. Wichtige Straßenverbindungen wurden immer von Burgen bewacht. So auch hier. Von der Brücke aus sieht man das Convento de San Benito, in dem ein spanischer Ritterorden seinen Hauptsitz hatte, der speziell zur Bewachung und zum Schutz der Brücke eingesetzt wurde.

http://www.alcantara.es/index1.htm

Das Städtchen selbst mit der Kirche Santa Maria de Alcóvar wirkt dagegen eher bescheiden und beschaulich. Immer wieder schaut man zwischen den niedrigen, weißgetünchten Häusern hindurch auf die hügelige Steppenlandschaft mit den Trockenmauern. Auch hier überall Storchennester. Etwas außerhalb des Ortskerns befindet sich der Parador el Puente in einem ehemaligen Kloster. 600 m oberhalb der Römerbrücke ist die Absperrmauer der Talsperre zu sehen. Von dort aus machten wir uns auf, den Stausee zu umrunden.

Der gestaute Tajo und die Landschaft der Extremadura

Es wären mehrere Tage nötig, diesen Stausee zu Fuß zu umrunden.   Wie fast allen Stauseen ist auf diesem etwas Unnatürliches zu eigen, abzulesen an den Ufern, die künstlich wirken, nicht gewachsen oder ausgespült, angeschwemmt oder angebrochen, wie es bei natürlich entstanden Seen der Fall ist. Hier scheinen die Wiesen und Trockenmauern unter Wasser genau so weiterzugehen.

Nichtsdestotrotz ist die Landschaft um den See herum sehr abwechslungsreich. Immer wieder fließen Bäche durch die steinigen Wiesen, ragen Felsblöcke aus dem Nichts, weiden Schafherden und dösen Rinder vor sich hin. Hier sah ich das erste Mal große Gruppen von Rotmilanen, zu erkennen am gespaltenen Schwanz und den roten Leuchten, wenn die Sonne das Gefieder trifft. Aber auch große Gruppen von Gänsegeiern konnten wir hier beobachten.

Wie gründlich die Geier ihre Arbeit verrichten, wurde uns im Laufe einer Wanderung klar. Zuerst konnte ich einen Geier mit der Kamera einfangen, der ein verendetes Schaf mit drei Artgenossen teilte, die aber sogleich aufflogen, als ich zum fotografieren nahe genug herangekommen war.

In dieser Menschenleeren Landschaft störten wir nur. Auch Adler ziehen hier ihre Kreise, oft sehr hoch oben, nur an der Form der Flügel und des Schwanzes von den Geiern zu unterscheiden.

Da es nur sehr wenige Ortschaften gibt in diesem Gebiet und die einzige, die wir um die Mittagszeit fanden, kein einziges geöffnetes Restaurant hatte, die Minimärkte schon geschlossen wegen der Siesta, stellten wir uns auf Hunger bis zum Abend ein. An der nächsten Straßenkreuzung jedoch gab eine Disco und eine Bar. Dort fragten wir nach einer Mahlzeit. Der Wirt antwortete bereitwillig, wir verstanden jedoch nichts. Er schaute uns einen Moment lang an und ging dann in die Küche, kam mit einem

Tellerchen Eintopf zurück, das er uns zum probieren hinstellte. Wir ließen uns, weil er vorzüglich schmeckte, diesen Eintopf aus zartem Rindfleisch und Gemüsen gerne servieren und verließen gestärkt die gastliche Stätte.

Wir kam vorbei an der Stelle, wo Teile einer Römerbrücke vor der Überflutung des Tals gerettet und an dieser Stelle wieder aufgebaut worden war. Wir wanderten zwischen bizarren Steinformationen, entdeckten in den Bächen Wasserschildkröten, die sehr schnell auf jede Bewegung reagieren und sofort abtauchen. Mit etwas Geduld ist es mir dann doch gelungen, eine davon vor dem Sprung ins Wasser einzufangen.

Später gelangten wir in ein Tal mit diesen Bäumen und einer eigenartigen Atmosphäre, die von den Bäumen auszugehen schien. Auch die Luft schmeckte hier anders, als in den Steppengebieten weiter nördlich.

Mit Fahrrädern würden wir diese Tour gerne noch einmal machen.