Archiv der Kategorie 'Kunst und Kultur'

23
Okt
09

Monet in Wuppertal

Subjektiver Ausstellungsbericht

In der Stallburg in Wien hatte ich meine erste Begegnung mit Claude Monet, dem Maler. Damals wusste ich nichts über Malerei, fühlte mich lediglich hingezogen zu Bildern in Museen. Hauptberuflich war ich damit beschäftigt, Ehefrau und Mutter eines aufgeweckten kleinen Jungen zu sein. In der Stallburg war ich ganz allein in der Etage der Imperessionisten. Das Kind war unruhig geworden und mit dem Vater an der frischen Luft. Ich stand unvermittelt vor einem Gartenbild Monets und fing ungewollt an zu weinen. Die Aufseherin schaute nicht weg, wie es mir lieber gewesen wäre. Sie schaute mich an, wie ich weinend dort stand und die Schönheit nicht fassen konnte, mich hineingezogen fühlte in diesen Blumenbestandenen Gartenweg in zauberhaftem Licht.  Sie kam dann zu mir und legte den Arm um meine Schulter. Sie liebte dieses Bild und fühlte sich mit mir, einer Unbekannten, durch meine Tränen verbunden.

Gestern nun stand ich auf der Straße, eine gute Stunde lang im zweiten Anlauf, weil der erste Anlauf oder besser gesagt Anstand zwei Stunden gefordert hätte, um Monets Bilder zu besuchen. Ich hatte ihn schon viele Male besucht seit dieser ersten Begegnung, sein Werk und sein Leben waren mir wie nebenbei geläufig geworden. In Paris gipfelte meine Besuchstätigkeit und Bewunderung in der Kathedrale der Seerosenbilder in der Orangerie. Damals konnte man dort allein sein, ohne Gedränge ringsum und damals habe ich mich offenbar satt gesehen an seiner Genialität. Das war der Höhepunkt, nicht zu übertreffen, aber auch nicht wiederholbar.

Von der Ausstellung der im Von-der-Heydt-Museum zusammengetragenen Bilder hatte ich gut zwei Drittel schon gesehen, einige davon mehrmals. Nur ein Drittel kannte ich noch nicht im Original, einige davon als Abbildung. Es hat mich selbst überrascht, dass mir die reduziertesten Bilder seines Euvres, noch nie gesehen bis dahin, am besten gefielen, sie bestehen aus Licht und  gegenständlichen Andeutungen, die nicht benannt werden müssen, weil sie als Farbfläche genau  dort hin gehören ohne preiszugeben, worum es sich handelt.   Alle pastellfarbigen Seerosen und perfekt getupften Landschaften  lösten kein Staunen mehr aus, eher  ein wenig Langeweile, so wie oft gesehene alte Filme, die ich nur aus Gewohnheit und nicht mehr aus Überzeugung gut finde.

Ich verstehe plötzlich, dass Bilder ihre Zeit haben und aus der Zeit herausfallen können mitten in unsere Gegenwart. Die Zeit der Bilder kann nicht konserviert werden, nur die Bilder selbst und dann fehlt etwas. Natürlich fehlt heute das Sensationelle. Die Sensation ist altbacken geworden oder abgehangen, betulich das ehemals Verstörende. Es gab so vieles danach; aber es gab auch einiges davor, was jetzt, nach so langer Zeit, sich mit dem Danach vereinigt und eine Zwangsläufigkeit der Erscheinungen erzeugt.

Sehr deutlich wird das bei der Begleitausstellung der Bilder von Monets Zeitgenossen und Wegbereitern, wobei ein wirklich revolutionärer Vorläufer, nämlich William Turner, fehlte.  Es war die Möglichkeit, Ölfarben in Tuben zu füllen, statt sie umständlich und zeitraubend mit Palettmessern und Mörsern im Atelier anzureiben,  die zur Freilichtmalerei und zur Analyse von der Wechselwirkung zwischen Farbe und Licht, Licht und Form führten, was sich so trefflich in Monets Bildern ablesen lässt.  Für uns Heutige ist das nur noch eine romantische Vorstellung, der Maler draußen, das Haupt mit einem Hut gegen die Sonnenstrahlen geschützt, die Staffelei mit Steinen beschwert, in der Hand die große Palette. Es war eine kurze Epoche.  Manchmal sieht man das noch in den Touristenhochburgen, aber es wird sehr schnell deutlich, es ist eine Attitüde, ein Schaueffekt. Die Bilder sind vorgefertigt und es wird daran herumgepinselt, nicht gemalt. Die einzigen Freilichtmaler, die es tatsächlich noch gibt, sind die Sprayer, aber sie haben nichts mit der gesehen Welt um sie herum zu tun, sie sprühen ihre inneren Bilder oder vorgeprägte Schablonen auf die Wände. Es findet zwar draußen statt, hat aber nichts mit Licht und Formgebung zu tun.

Was würde wohl Monet dazu sagen, wenn er die digital aufgenommenen und sogleich auf Leinwand aufgespannten Sonnenuntergänge sähe. Sie lassen sich sogar „impressionistisch“ verändern, dank technisch ausgereifter Bildbearbeitunsprogramme. So erzeugen heute die „Freiluft-Künstler“ ihre Bilder. Warum also noch gemalte Bilder?

Es gibt auch einen Vorteil, neben vielen Nachteilen,  bei solchen Ausstellungen, die Bilder aus aller Welt wieder an eine Stelle bringen. Wenn drei gleiche Sujets nebeneinander hängen, nur abgewandelt in der Farbigkeit, dann wird sehr deutlich, es ging nicht um diese Landschaft, um diese Architektur, um diesen Heuschober, es ging um die Auseinandersetzung mit Farbe und Licht, um Form durch Licht und Farbe, unabhängig von Umrissen.  Mich wundert es, dass die Bilder der Kathedrale von Rouen überhaupt an unterschiedlichen Orten hängen. Hier in der Ausstellung waren drei davon zu sehen. Eins fehlte und mir fehlte es wirklich, weil die vier, im sich wandelnden Licht des Tages, für mich unbedingt zusammen gehören.  In der Stadt Rouen ist man dazu übergegangen, den Abschnitt der Katherale so zu illuminieren, wie Monet sie gemalt hat. Das erschien mir wie ein Frevel. Traut man den Menschen nicht zu, am Morgen, am Mittag und am Abend zu schauen, wie die Farben sich natürlicherweise verändern. Die Zeit nimmt sich wohl niemand mehr. Und vielleicht wird  auch nur auf den Bildern gesehen, was Monet mit eigenen Augen sah und durch Umwandlung sichtbar machte für die Augen der Betrachter.

Das Verlangen des Besitzenwollens kann in der Museums-Boutique befriedigt werden. Und das hätte selbst Walter Benjamin sich nicht träumen lassen, als er über Die Kunst im Zeitalter der Reproduzierbarkeit schrieb, die großen Gemälde, denen beinahe wie sakraler Kunst gehuldigt wird, auf Bleistiften, Lesezeichen, Halstüchern, Notizbucheinbänden, Kühlschrankmagneten, Puzzlespielen, Mousepads, Schlüsselanhängern usw. Nur auf Wärmflaschen und Klodeckeln habe ich es noch nicht gesehen. Auch das trägt dazu bei, neben der tausendfachen Vervielfältigung in Büchern und auf Postkarten, uns das Staunen abzugewöhnen, die Kunst zum Gewöhnlichen zu degradieren.

19
Okt
09

Manufactum 2009

Die schönen Dinge

Bis zum 15. November ist die Manufaktum 2009 im Museum in Kevelaer noch zu sehen. Alle zwei Jahre wird diese Schau der Kunsthandwerker in verschiedenen Städten durchgeführt. Es werden Staatspreise für 8 Werkbereiche vergeben, Schmuck, Gerät aus Metall, Holz, Textil, Keramik, Stein, Glas, Farbe, Leder/Papier/Fotografie.

Bei diesen Ausstellungen sind immer hochwertige, phantasievolle, ausgefeilte, gekonnte und sehr schöne Objekte zu sehen. So auch dieses Mal in Kevelaer, wo die Arbeiten sehr gut auf zwei Etagen präsentiert werden. Nach dem ersten Durchgang ist ein zweiter zu empfehlen, weil es gar nicht möglich ist, alles zugleich zu erfassen. Neben der betörend schönen Optik strahlen alle Objekte auch die Könnerschaft ihrer Schöpfer aus. Leider ist heute viel zu viel Hingehauenes, Liebloses, Ungekonntes und Nachlässiges zu sehen bei den unzähligen Ausstellungen allerorts. Hier nun verstehen Menschen ihr Handwerk, sie wissen umzugehen mit ihrem Material, kennen die Tücken und die Vorzüge ganz genau. Das verschafft ihnen Freiheit, einfallsreich damit umzugehen. Oft sind die Arbeiten von graziöser Schlichtheit, der Hocker aus Esche soll als Beispiel genannt werden, die leicht ausgestellten Beine des Hockers sind so kunstvoll in der Sitzfläche verzahnt, dass es wie ein schmückendes Element wirkt. Die Hocker gestapelt muten wie ein Kunstwerk an.

Ein Waschtisch aus Beton, in eine Holzplatte eingelassen, wirkt wie ein stark vergrößerte Handschmeichler. Ein dreiflügeliger Tisch lässt sich so ineinander klappen, dass er raumsparend und hübsch anzusehen beiseite gestellt werden kann. Es gibt aber auch Dinge aus Glas, Keramik, Papier, Stein und Filz, die einfach nur Freude machen beim Anschauen, ohne nützlich zu sein. Ein Filzüberzug für Kreuze, in den Farben des Kirchenjahres, eine Brosche aus Platinen, eine Stola aus durchsichtigen, biegsamen Plastikhalmen, eine Fotowand ohne Fotos, nur mit den Klebeecken und Unterschriften versehen, ein Steinkopf aus schwarzem Granit auf das minimalste reduziert und perfekt, haben es mir besonders angetan.

Die ganze Ausstellung bereitet Freude, sie ist ein ästhetischer Genuss. Ich hoffe, dieser Staatspreis bleibt noch lange erhalten. Die Träger haben ihn jeweils verdient, wobei es mir nicht möglich wäre, die Entscheidungen zu treffen, weil alle Arbeiten gut und ideenreich sind.

18
Sep
09

Schloss Sigmaringen

Vom Eichamt zum Schloss

Immer noch auf dem Weg in die Schweiz, aber nun schon am späten Nachmittag, wollten wir so übernachten, dass wir außer gutem Schlaf auch noch ein paar interessante Eindrücke mitnehmen konnten.

Sigmaringen erwies sich als der ideale Ort dafür. Ein hübsches Zimmer bekamen wir im „Eichamt“, einem kleinen Hotel am Eingang zur Altstadt, mit Blick auf das Schoss.

Zunächst muss ich mir klar machen, dass wir uns auf einer Hochebene befinden. Die Donau fließt hier durch das enge Felsental auf 570 m über dem Meer. Das Schloss liegt etwa 40 Meter höher und wirkt dadurch noch beeindruckender, als sowieso schon durch seine Größe, speziell, wenn man von der Donau aus nach oben schaut.

Schon im 11. Jahrhundert gab es hier eine Burganlage. Es folgt eine lange Geschichte von Besitz und Verlust, von Bränden und Verwüstungen, von Umbauten und Renovierungen, bis es schließlich zum fürstlichen Residenzschloss und Verwaltungssitz der Fürsten zu Hohenzollern-Sigmaringen wurde. Heute befindet sich die Verwaltung des Unternehmens Fürst von Hohenzollern sowie ein Museum im Schloss.

Leider war es schon zu spät, das Schloss-Museum zu besuchen. So musste ich mich mit einem ausgiebigen Spaziergang um die Burg herum und durch die verschachtelten Innenhöfe zufrieden geben.

Ich kann mir gut vorstellen, wie reizvoll es sein müsste, hier einen Film zu drehen. Es gibt wohl einen mit dem Titel „Die Finsternis“, der die Eroberung Sigmaringens und das Kriegsende schildert. Den habe ich nicht gesehen, auch das Buch, welches dem Film zugrunde liegt „Von Schloss zu Schloss“ von Céline nicht gelesen. Aber die Schlossmauern erzählen auch so genug Geschichten.


15
Sep
09

Gengenbach

Die Türme von Gengenbach

Auf dem Weg in die Schweiz, einmal längs durch Deutschland, wollten wir uns Zeit lassen und die Perlen am Wegesrand nicht außer Acht.

DSC00090Zur Mittagszeit erreichten wir Gengenbach im Kinzigtal, welches mir bis dahin nur vom Hörensagen bekannt war. Ich wusste wohl, es muss ein schöner Ort sein und war dann doch überrascht, wie viel er zu bieten hat. Zunächst stärkten wir uns im Restaurant “Zum Turm” und bummelten dann neugierig durchs Städtchen.

Das haben vor uns schon die Kelten, die Germanen, die Römer und schließlich die Franzosen getan, nicht alle mit gleich friedlichen Absichten. Die Bewohner des Städtchens waren immerzu mit Wiederaufbau beschäftigt, speziell nachdem der Sonnenkönig, weil er mal wieder Zahnweh hatte, alles niederbrennen ließ. Daher bekamen wir nur das zu sehen, was um 1690 wieder aufgebaut wurde. Das ist prächtig genug.

Große Teile der Stadtmauer und Wehrumgänge sind gut erhalten. Die Wohnhäuser wurden praktischer Weise mit der Rückseite an die Stadtmauer gebaut. Am Haigeracher Tor mit dem Obertorturm ist das deutlich zu sehen. Nicht in die Mauer einbezogen ist der Niggelturm, mit dem Unterbau aus dem 14. und dem achteckigen Aufsatz aus dem 16. Jh., ehemals Wach- und Gefängnisturm, heute ein Narrenmuseum.

Ein barocker Turm in der Mitte der Stadt zieht uns an, er gehört zur Stadtkirche St. Marien und überragt alle anderen Türme. Gleich daneben finden wir das ehemalige Benediktinerkloster aus der ersten Hälfte des 12. Jh. mit einem duftenden Kräutergarten. Um den Marktplatz herum und in den verwinkelten Gassen sind die Fachwerkhäuser blumengeschmückt.

Trotzdem wirkt es hier so, als hätte sich die Historie und die Tradition aufs Schönste mit modernem Leben verbunden.

02
Sep
09

Voltaire-Weg Bedburg-Hau

“Genie und Wahnsinn”

Das Gelände der Rheinischen Landesklinik ist weitläufig. Zwei- bis dreigeschossige Häuser stehen zwischen hohen Bäumen, verbunden durch Straßen und Wege. Ich wollte zum Haus der Künstler, in dem seit 1994 die Gruppe mit der Bezeichnung ArToll Unterkunft findet. Das ganze Haus, in dem vorher Patienten untergebracht waren, steht Künstlern für gemeinsames Arbeiten und Wohnen zur Verfügung. Hier soll freier Austausch und experimenteller Umgang mit der Kunst der Gegenwart stattfinden. Die Kataloge zeigen, das Konzept funktioniert seitdem.

Zwei legér gekleidete junge Männer sprachen mich an, als sie meinen suchenden Blick bemerkten. Ich stand an einer der vielen Kreuzungen vor einem der Gebäude, die unschwer als zu r Forensisch Abteilung gehörig zu erkennen sind. Sicherheitszäune mit dem scharfen Nato- Stacheldraht als Krönung vermitteln ein mulmiges Gefühl. Einer der beiden Spaziergänger meinte, meinem Blick folgend, “Sie dürfen uns ruhig etwas fragen, es sind nicht nur “schwere Jungs” hier eingesperrt. Wir dürfen zum Beispiel raus.” Dabei grinste er ein wenig ironisch aber Vertrauen erweckend und wies mir schließlich den Weg zum Haus der Künstler, die hier rein dürfen u n d wieder raus.

Mir ging es erneut so, wie bei den Besuchen zuvor. Ich könnte hier weder wohnen noch arbeiten, nicht wegen irgendwelcher Vorurteile, sondern wegen der Atmosphäre. Durch diese Hochsicherheitstrakte bekommt jetzt alles noch mehr eine Gefängnisatmosphäre. Ich habe es schon vorher als düster und bedrückend empfunden. Es sind wahrscheinlich die hohen Bäume, die kaum Licht durchlassen, speziell bei bedecktem Himmel. Ich könnte in diesem Haus wahrscheinlich nur dunkelgraue Bilder malen. Mein Bewunderung gilt denen, die hier vorübergehend tätig sein können mit sehenswerten Ergebnissen.

In der Beschreibung des Kunstlabors steht als erster Satz: “ArToll ist ein Kunst-Ort an ungewöhnlicher Stelle, an der ungewöhnliche Menschen – in der Regel Künstler – ungewöhnliche Dinge tun.”

Diesmal waren die Entstehungsgeschichten, Dokumentationen und Hinweise auf die Exponate in den Räumen ausgestellt, die für die diesjährige Veranstaltung “Different Places – Different Stories 09” hier entstanden sind. 20 Kunstprojekte im öffentlichen Raum zwischen Rhein und Maas werden von August bis November 2009 präsentiert.
Hier unter dem Motto: “Kunst am Voltaire-Weg”.

Spaziergang  eines Königs mit einem Philosophen

Hier sollen sie zusammen entlang gegangen sein, zwei Größen der Geschichte, Friedrich II. von Preußen und Francois Marie Arouet alias Voltaire, auf dem Waldweg, der von Kleve nach Moyland führt. Worüber werden sie geredet haben? Vielleicht über die markanten Stationen auf dem Weg, die Römischen Reste, die St.-Markus-Kirche, zu der Zeit gerade dabei zu zerfallen, oder das Schloss Moyland noch ohne Beuys-Sammlung. Wahrscheinlich hätten sie nicht schlecht gestaunt, hätten sie damals, 1740, schon solche Kunstwerke am Wegesrand entdeckt, wie sie jetzt von 14 Künstlern aus Deutschland und den Niederlanden installiert wurden. Zu gerne hätte ich das Erstaunen der beiden Herren mit der Kamera festgehalten. Vielleicht hätten sie aber auch gar nichts bemerkt, weil die Objekte nicht in ihre Sehgewohnheiten gepasst hätten.

Schon der Weg als solcher ist es wert, aufmerksam begangen zu werden. Alte markante Buchen und Eichen stehen am Wegrand, immer mal öffnet sich der Blick in Weideflächen und auf kleine Tümpel, es ist leicht hügelig. Rechts und links des Weges befinden sich, markiert durch rote Pfähle die Werke der Künstler, die sich hier haben inspirieren lassen und ihre materialisierten Inspirationen wieder einfügten in die Natur, manchmal so perfekt, dass es leichte Zweifel gibt, was Natur und was Kunstwerk ist.  Da ich gerne selber gucke und meine eigenen Entdeckungen mache, kann ich nichts darüber sagen, was die einzelnen Künstler sich dabei gedacht haben.

Mit nur einem, Rob Verwer, habe ich über seine zusammen mit Meg Mercx erstellte Arbeit gesprochen und erfahren, dass die männlichen Besucher sofort an der Kurbel drehen, mit der sich das Rad in der Mitte des Tümpels bewegen lässt, somit auch die Figuren und sogleich wissen wollen, wie das funktioniert. Die weiblichen Besucher schauen erst mal, so wie ich.  Daher stelle ich hier einfach nur die Fotos ein, als Anregung, selbst zu schauen, nach Möglichkeit vor Ort. Für alle denen das nicht möglich ist, soll es ein kleiner, wenn auch unzureichender Einblick sein, weil die Fotografie nicht die Wechselwirkungen wiedergibt, die vor Ort zu erleben sind.

In der Reihenfolge der Abbildungen die Namen der Künstler: Bild 1, 2 Dini Thomsen/Inge König-Gausepohl, Bild 3, 4, 5 Guda Koster, Bild 6, 7 Toon Elfrink, Bild 8 Marijke Schlebusch, Bild 9, 10 Renate Löbbecke, Bild 11, 12, 13, 14, 15 Yvette Assmann,  Bild 16, 17 Andreas Hetfeld, Bild 18 Vincent van Delft, Bild 19 Michael Odenwaeller, Bild 20 Regina Friedrich-Körner.
Das Objekt von Claus van Bebber habe ich wegen der Ausmaße nicht fotografieren können. Von den anderen Künstlern sind nur Beispiele, nicht alle Exponate aufgenommen. Es gibt also noch viel mehr zu sehen.

Mir hat dieser Kunst-Spaziergang viel Freude gemacht, auch wenn nicht alle Werke von Freude künden. Bei einigen Arbeiten habe ich die Verbindung zum Gelände der Landesklinik sogleich hergestellt. Bei anderen fehlte der Bezug, dafür gab es Verbindungen  zum Charakter dieses Waldstückes.

Diese Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober zu sehen. Ich werde noch einmal hinfahren, auch um zu sehen, wie sich die Objekte verändern, wenn die Blätter fallen und die Farben herbstlich werden.

28
Aug
09

Wasserschloss Wissen

Ein Wasserschloss an der Niers

Wer auf dem schönen Radwanderweg neben der Niers daherkommt, wird unweigerlich neugierig auf das Schloss. Vom Schlagbaum muss man sich nicht abschrecken lassen, Fußgänger und Radfahrer dürfen den Weg benutzen. Schöner ist es jedoch, sich über die Hauptzufahrt von der Bundesstraße aus über eine Kopfsteinpflasterallee mit altem Baumbestand dem Schloss zu nähern.

Ich fühlte mich gleich in vergangene Zeiten versetzt, als ich das Schlossgelände betrat. Es hätte mich nicht gewundert, wären Kutschen vorgefahren und Herzöge ausgestiegen, Herzoginnen in langen Gewändern galant die Hand reichend. Dabei ist dies kein Märchenschloss, wie Neuschwanstein, gar nicht verspielt, eher handfest und bodenständig, wenn man das von einem Schloss sagen kann.

Das Schloss wurde während der Jahrhundertweden vom 13. zum 14. Jh. als Verteidigungsanlage gegründet und später als Residenz ausgebaut. Zwischen 1780 und 1973 wurden viele Umbauten und Veränderungen vorgenommen, das Gebäude wurde dem Zeitgeschmack und den Bedürfnissen der Bewohner angepasst. Die Vorburg hingegen dient immer und bis heute dem landwirtschaftlichen Gutsbetrieb, mit Ställen, Remisen, Lagerhallen.

In der unmittelbar neben dem Schloss gelegenen Mühle, die aus dem frühen 15. Jh. stammt, ist ein Restaurant eingerichtet. Zur Mühle gehörten bis Mitte des letzten Jahrhunderts eine Schmiede und ein Bauernhof. Zum Ensemble gehört ebenfalls eine ehemalige Gesindesiedlung, von den nur noch zwei in Nordrhein-Westfalen in dieser Authentizität erhalten sind. Auf diesem heimeligen Gelände kann man Zimmer und Appartements buchen. Da der Flughafen Weeze in nur 9 Minuten zu erreichen ist, parken clevere Reisende ihr Auto auf dem großen Parkplatz und nutzen nach einer ausgeruhten Nacht und gutem Frühstück auf dem Schlossgelände den kostenlosen Transfer zum Flughafen.

Zwar wohnt die Familie von Loë, deren Stammsitz das Schloss seit über 500 Jahren ist, noch immer dort, trotzdem sind viele Räume auf dem Schlossgelände vermietet, u.a. als Werkstätten und Ateliers. Es ist gestattet, den Innenhof des Schlossgeländes zu besichtigen. Sehr gerne hätte ich auch die Schlosskapelle von innen gesehen, deren schöne alte Tür jedoch leider verschlossen war. Anlass für einen weiteren Besuch, zumal es sich gut mit einer Radtour an der Niers entlang verbinden lässt.

09
Aug
09

Altes Wasserwerk Wachtendonk

Altes Wasserwerk und junge Kunst

Es ist nicht so leicht zu finden, das Alte Wasserwerk, weil es in einem Naturschutzgebiet abseits der Besiedlung liegt. Ein paar Minuten Fußweg muss man in Kauf nehmen. Seit 1988 ist das Alte Wasserwerk nicht mehr in Betrieb. Es sollte abgerissen werden. Dem Kulturkreis Wachtendonk bzw. der darin enthaltenen Gruppe Aqua ist es zu verdanken, dass es seit 2001 durch einen Vertrag mit den Gemeindewerken Wachtendonk für die Durchführung von Ausstellungen genutzt werden kann. Seither hat eine Vielzahl von AQUA-Aktionen und frei organisierter Ausstellungen stattgefunden.

Ich war nicht das erste Mal an diesem so idyllisch gelegenen Ort. Die große Halle hat sich nicht verändert und ihren morbiden Charme behalten, wozu auch die ausgesprochen malerischen Löcher in der Decke gehören, neben den gelblichen, zum Teil abgeschlagenen Fliesen, den Glasbausteinen und den halb abgerissenen Sockeln, die nun durch Kissen zum Sitzen einladen.

Die beiden Künstlerinnen, haben ihre Arbeiten auf diesen Raum abgestimmt, einige sogar speziell dafür entworfen.

So passt die luftige, transparent wirkende Malerei von Nanni Wagner so gut auf die nicht mehr richtig weißen, vom Alter gezeichneten Wände wie die lange Reihe in Blautönen gehaltenen zarten Keramiken aus Daumenschalen von Ursula Dambrowski auf das grobe Pflaster in der Raummitte passt. Die Durchbrüche in der Decke gehen eine Korrespondenz mit den aufgebrochenen, dünnwandigen Kugelformen ein. Die phantasievoll mit rostigem Eisen verschmolzenen Keramikformen könnten nicht besser ausgewählt sein für das stillgelegte Wasserwerk.

Hier stehen hart und zart gegeneinander, das Grobe des Raums wird durch die Feinheit der Kunstwerke gemildert und hebt sie zugleich hervor. Das Licht der Nachmittagssonne verhalf dem Ensemble zu einem ungewöhnlichen Zauber.

Die Ausstellung ist noch bis zum 23. August jeweils an den Wochenenden von 14-18 Uhr zu sehen. Weitere Ausstellungen sind der Webseite des Kurlturkreises zu entnehmen.

http://www.kulturkreis-wachtendonk.de/cms

03
Aug
09

Kalkar-Rundgang

Von der Wurzel Jesse direkt ins Jenseits

Die kleine Stadt Kalkar, etwa auf halber Strecke zwischen Xanten und Kleve gelegen, hat eine interessante Geschichte und ein paar Jahrhunderte lang sehr viel mehr Bedeutung gehabt als heutzutage.

Gegründet wurde Kalkar 1230 vom Grafen Dietrich VI. von Kleve und zwar gleich als planmäßig angelegte Stadt mit rechtwinklig sich kreuzenden Straßen. Die Stadt wurde wohlhabend durch Tuchweberei, Getreidehandel und Bierbrauereien. Um 1580 erreichte Kalkar eine Bevölkerungszahl von 5.000 Einwohnern. Aus dieser Blütezeit ist einiges erhalten geblieben, was das Bild Kalkars auch heute noch prägt, die Treppengiebelhäuser, das Rathaus, die Schätze der Nikolai-Kirche.

Nach 1600 ging es bergab mit der Stadt. Kalkar hatte wiederholte Pestepidemien zu überstehen, neben Kriegen und Feuersbrünsten. Ende 1598 wurde sie während des Freiheitskampfes der Niederlande gegen Spanien teilweise zerstört.

Die Kunstwerke der Sankt Nikolai-Kirche wurden zeitweise in Sicherheit gebracht und geben daher heute einen bemerkenswerten Einblick in die Kunst um 1500. Mir ist leider nur ein einziges Foto gelungen, weil um 11 der Gottesdienst beginnen sollte und es vorher nicht gerne gesehen wird, wenn Touristen herumlaufen. Der “Sieben-Schmerzen-Altar von Henrik Douverman ist einer von acht Schnitzaltären, die neben den grandiosen Glasfenstern, Ölbildern, Heiligenskulpturen ausreichend Zeit zur Betrachtung fordern. Sonntags um 12 Uhr finden offene Führungen statt.

http://www.stnicolai.de/

Vom Seiteneingang der Kirche gelangt man direkt vors “Jenseits”, die Kunst- und Kultur-Kneipe von Kalkar, in der regelmäßig Ausstellungen und Konzerte stattfinden. Gleich nebenan befindet sich “de Gildenkamer”, eins der guten Restaurants in Kalkar, in einem Gebäude aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, einem der ältesten Profanbauten des Niederrheins. Bei einer Restaurierung 1982/85 wurden Decken- und Wandmalereien offengelegt und restauriert.

Das Stadtmuseum ist in einem ähnlichen Treppengiebelhaus untergebracht. Von dort sind es nur ein paar Schritte bis zum Marktplatz mit seinem imposanten Rathaus und er Gerichtslinde. Am Marktplatz befindet sich ein weiteres Restaurant mit einem guten Namen am Niederrhein “Meiers-Restaurant” in der gehobenen Preisklasse. Auch in das Café und ins Eiscafé kann man getrost einkehren, ich habe nirgendwo bisher schlechte Erfahrungen gemacht.

An Sonnentagen auf einer der Terrassen nach einem Rundgang durchs Städchen draußen zu sitzen und das zum Teil Mittelalterliche Ambiente Kalkars auf sich wirken zu lassen wäre meine Empfehlung. Es schadet sicher nicht, vorher etwas nachzulesen bei Wikipedia über die bewegte Stadtgeschichte Kalkars, es gibt aber auch regelmäßig Stadtführungen, die auch den Beginenhof, die Mühlen und die evangelische Kirche eingeziehen.

Wer noch etwas über die Gegend und über Kalkar erfahren möchte, kann zu dem Buch Stadt-Land-Fluss von Christoph Peters greifen, der in Kalkar geboren ist.

14
Jul
09

Skulpturenpark Antwerpen

Endlich anfassen

Seit 1950 besteht das Freilichtmuseum im Middelheimer Park in Antwerpen. Es hat sich wegen des großen Zuspruchs seitdem erweitert und bietet einen Überblick über die Bildhauerkunst von Rodin bis heute. Zweimal jährlich finden Aufsehen erregende Sonderausstellungen statt. Der Eintritt in dieses weitläufige Gelände ist frei.

Das beste für mich ist die Tatsache, dass die aufgestellten Werke angefasst werden dürfen. In Museen mit festen Mauern darf man das nie. Ich bin eine Anfasserin und alle Museumswärter merken das sofort, verfolgen mich mindestens mit Blicken, gehen mir aber gelegentlich auch unauffällig hinterher um zu verhindern, was ich vorhabe.

Hier in diesem Park darf ich den Rasen betreten und über die eine oder andere Rundung streichen, die Glätte des Steins fühlen, in Augenhöhlen greifen, tastend den Intentionen des Bildhauers folgen. Im Park verteilt hält sich auch Aufsichtspersonal auf, aber so unauffällig wie möglich. Einpacken und mitnehmen wird nicht möglich sein, auch wenn das eine oder andere Stück sich in meinem Garten bestimmt auch gut ausnehmen würde.

Es ist ein Genuss, durch diese Parkanlage zu wandeln, sie ist nicht überkorrekt gepflegt, es dürfen auch Blutweiderich und Farne wachsen wie sie wollen. Der Baumbestand alleine wäre schon einen Rundgang wert, immer wieder gelangten wir an einen Bach mit prächtigen Spiegelungen. Die auf den gefällten Bäumen wachsenden Pilze gleichen abstrakten Plastiken.

Die Skulpturen selbst gehen eine schöne Symbiose mit Licht und Schatten ein. Für alle Kinder im Park war der große rote Ball die Hauptattraktion. Rund 400 Skulpturen umfasst die Sammlung wovon etwa 200 im Park ausgestellt sind und einige auf Straßen und Plätzen der Stadt.

Meine Lieblingsplastik steht gleich neben dem Eingangstor, eine bronzene Frauenfigur von Rik Wouters, die in einer dynamischen Bewegung beinahe vom Sockel zu springen scheint, in Korrespondenz zum unbewegten, in sich ruhenden männlichen Torso von Arthur Dyson im Hintergrund von besonderem Reiz. Etwas weiter ein ebenso viel sagendes Bronzepaar in nur zufälliger Gemeinsamkeit auf der Rasenfläche, der strenge Kirchenmann von Ciacomo Manzu und die holde Weiblichkeit.

Immer wieder wurden wir überrascht von Unerwartetem, wie diesen Figuren von Charles Albert Szukalski, die wir zunächst nur von hinten sahen und dann vor der Leere zurückschreckten.

 

Sehr interessant ist auch der von mir so genannte „Bauhof“, wo beschädigte und zu restaurierende Skulpturen lagern, die durch die Beschädigungen eine ganz neue Bedeutung entfalten.

Sehr interessant ist auch der von mir so genannte „Bauhof“, wo beschädigte und zu restaurierende Skulpturen lagern, die durch die Beschädigungen eine ganz neue Bedeutung entfalten.

 

 

Gleich gegenüber befindet sich das Kunstwerk der Sonderausstellung, die Eisenträger von Chris Burden. Dazu muss man wissen, dass diese Eisenträger mittels eines Kranes in ein gerade abbindendes Betonbett fallen gelassen wurden und so stehen blieben. Bei dem Spektakel wäre ich gerne dabei gewesen.

 

In der Orangerie bekommt man Gedrucktes zu den Bildhauern und einige wenige Plakate. Das wäre noch ausbaufähig. Gegenüber steht ein Häuschen mit Toilettenanlagen, es würde aber auch nicht wundern, wohnte dort die Hexe von Hänsel und Gretel.

Sehr viel nüchterner mutet das Bauwerk von Per Kirkeby auf der anderen Straßenseite an, wo der Park zu den Künstlern des späten 20. Jahrhunderts führt. Seine unzugänglichen, wenn auch begehbaren Ziegelbauten ohne jeden Zweck passen sehr gut in diese Parklandschaft.

Als wir nach Stunden wieder am Eingangstor ankamen, hätten wir gut noch einmal von vorn beginnen können, bestimmt haben wir das eine oder anderen neben den verschlungenen Pfaden nicht gesehen. Etwas sollte aber für das nächste Mal bleiben.

Hier ist das Video des Spektakels von Chris Burden zu finden:

04
Jul
09

Marienthaler Abende

Klezmer und Kirchenglocken

 

 

Am Mittwoch konnten wir sicher sein, die Musikdarbietung im Rahmen der Marienthaler Abende würde auf dem Platz vor dem Kloster stattfinden. Bei schlechtem Wetter gibt es ein Festzelt. An diesem Abend war eine Klezmer Band aus den Niederlanden angesagt, Di Gojim.

Auf dem von Grün umgebenen Platz zwischen Kloster und der Rückseite des Hotel-Restaurants Haus Elmer war für alles gesorgt, Stühle mit Sitzkissen, ein Getränkewagen und, wie ein Schild ankündigte, für die Pause Zwiebelkuchen. Viele Besucher hatten die reservierten Karten zwei Stunden vor Beginn abgeholt und ihre Plätze gekennzeichnet Die auf der Bühne an der Rückseite des Romantikhotels aufgestellten Instrumente versprachen einen unterhaltsamen Abend.

Bevor der Initiator der Marienthaler Abende, Karl-Heinz Elmer, die Band ansagen konnte, läuteten die Kirchenglocken mit 8 Schlägen das Geschehen ein.
Es stellte sich heraus, dass diese Band mit ihrer lebendigen Mischung aus Jiddisch, Niederländisch und Deutsch, mit ihren flotten Rhythmen und dem Witz, der in der Klezmer-Musik gleich neben der Sentimentalität und dem klagenden Ton liegt, genau das richtige für einen so lauen Sommerabend war. Das schöne bei Freiluftkonzerten ist die Mitwirkung nicht planbarer Elemente, wie der Abendgesang der Amseln und der Buchfinken, die nach anfänglichen Missverständnissen ihren Einsatz schließlich perfekt auf die Musik von der Bühne einstellten. Der Band-Leeder sorgte mit seinen anekdotenreichen Überleitungen und seinem Charme, den ich auch seiner Klarinette bescheinigen kann, für beste Unterhaltung. Die Erklärung, ohne Klezmer gäbe es keinen Jazz wollten alle Zuhörer des Abends gerne glauben.

Zwei Stunden lang haben die vielseitigen Musiker, die ihre Instrumente hervorragend beherrschten, unter anderem ein nie gesehenes, ein Mix aus Geige und Trompete, für eine heiter zufriedene Stimmung auf dem Platz mit etwa 200 Zuhörern. Es ist ein Empfehlung, hier einen unterhaltsamen Abend zu verbringen.

Als nächstes ist eine Irishe Folkband im Programm, ein Tango-Abend und eine überaus attraktive französische Akkordeonspielerin können noch besucht werden. Diese und weitere Veranstaltungen findet man auf der Homepage.

www.marienthaler-abende.de