Archiv der Kategorie 'Niederrhein'

27
Nov
09

Hüttenzauber

Weihnachtsmarkt in Duisburg  – Verbesserungsvorschlag

Es ist wieder so weit. Ich muss von meinen Ressentiment abrücken und die Dinge in einem andere Licht, als nur dem weihnachtlichen, betrachten. Daran hält sich sowieso niemand mehr, nicht mal den Totensonntag wartet man ab, die Grablichter werden längst überstrahlt vom frisch installierten Weihnachtslichterglanz der Innenstädte.

Es scheint ein unaufschiebbares Bedürfnis zu geben, endlich wieder die Holzhütten vor die Paläste zu stellen, weil der Erntedank-Markt, der mittelalterliche Handwerker-Markt und erst recht der Pfingst- und Ostermarkt schon so lange zurück liegen.

In Duisburg versauen dekotechnisch gesehen die Holzschuppen die ausgeklügelte Lametta-Lichtberieselung vom neuen Luxus-Forum, alles ist so vollgestellt, dass kaum noch was zu sehen ist. Steht dazwischen ein Schiff? Es kommt ein Schiff (über)geladen! Lediglich der Zauberlichterbaum zwischen den blauerhobenen Rasenflächen und dem dankenswerterweise dunkel belassenen Landgericht kann seine strahlende Wirkung voll entfalten.

Wenn so viel Aufwand für sechs Wochen getrieben wird, muss es sich lohnen! Da die Binnennachfrage seit langem, außer im Dezember,  nicht richtig in Gang kommen will, obwohl doch nun wirklich jeder weiß, dass der Privatkonsum uns aus der Krise reißen wird,  sollte darüber nachgedacht werden, diesen Dezember auszuweiten, ganzjährig. Es wundert ja nicht, wenn in den Holzhütten besser verkauft wird, als in den Palästen, weil dort offenbar tatsächlich verkauft werden soll, was sich angesammelt hat das Jahr über oder vom letzten übrig geblieben ist. Die Hüttenverkäufer sind freundlich und zuvorkommend. Vor allem, es ist immer jemand da, den eine willige Käuferin ansprechen kann. Man spart sich die Zeiten, die man in den Palästen herumlaufen muss, nassgeschwitzt, weil die Klimaanlage auf herumstehendes Personal und nicht auf gehetzte Käufer eingestellt ist, um überhaupt jemanden zu finden, der verkaufswillig und auch mit den Produkten vertraut ist, vielleicht sogar, wenn es hoch kommt, mit dem Angebot des Hauses. In der Hütte sagt niemand: „Da kann ich Ihnen auch nicht helfen, ich kassiere hier nur“. In der Hütte wird gezeigt, vorgeführt, ausgebreitet, beraten, eingewickelt, mit Sternchen und Bändchen versehen und kassiert in Personalunion. Wartezeiten entstehen nur durch den Andrang, der sich bei Ganzjährigkeit vielleicht auch entzerren würde. In den Palästen könnte man, da nun mal gebaut und der Abriss zu teuer würde, Parkflächen einrichten, damit die Hüttenbesucher den Anwohnern ringsum nicht die Schlafplätze für die Autos blockieren. Welche unglaubliche Einsparung an Energiekosten allein diese Maßnahme bedeutete.

Die mittelständische Industrie und das Handwerk würde angekurbelt, es gäbe genügend Heimarbeit für allein erziehende Mütter, so dass die geplanten Kitas in der Planung bleiben könnten, in der sie schon seit Jahrzehnten stecken,  die Konzerne könnten ruhig ins Niedriglohnausland abwandern, weil die Binnennachfrage nach handgehobelten Sperrholzkästchen, gewebte Decken mit Norwegenmuster, handschmeichelndem Holzspielzeug ohne Nitrolacke, Schmuck aus mit Lebensmittelfarbe durchgekautem Papier, Schluffen aus handgesponnener Hundewolle, Häkelboleros aus Maschendraht, Filsrosenschultertücher, Mützen aus gestreiften Vogelfedern, Weidenzweigschneebesen, marmorpapierbezogenen Minischreib- und Zeichenbüchern mit Gänsekielfedern und mundgeblasenen Tintenfässchen, handgestrickten, wattegefüllten Tierimitationen, reis- und erbsengefüllten Percussionsinstrumenten, Seidenkrawatten in Kartoffeldrucktechnik, Zahnbürstenspritztechnik auf handgeschöpftem Büttenbriefpapier, Siliconklodeckeln mit eingeschlossenen Muschel- und Schneckengehäusen, Tischläufern aus naturbelassenen Bambusstäbchen mit Seidenfadenheftung, Bilderrahmen mit selbstfärbender Spachtelmasse, Mosaikuntersetzer aus farbigen Glasscherben vom Ehekrach, Blumenübertöpfe aus gehämmerten Bleckhdosendeckeln, Mobilés aus halbabgebrannten Streichhölzern, Handytäschchen aus gegerbtem Mäuseleder, nun das ganze Jahr über befriedigt würde und die Exportgewinne haushoch überträfe.

Im Sommer sollte es allerdings bunte Cocktails geben statt Glühwein. Statt Reibekuchen Obstsalat aus heimischem Anbau. Und die Bezeichnung für den Markt würde monatlich in einem Kreativ-Wettbewerb ausgelost.

25
Nov
09

Rheinbrücke Wesel

Über den Fluss und in die Stadt

Das schrieb ich vor etwa einem Jahr:
Gestern bin ich zwei mal über die Rheinbrücke aus Stahlträgern gefahren, immer die im Bau befindliche neue Brücke im Blick, die nun deutlich Kontur annimmt. Es ist abzusehen, dass es das schönste Nachkriegsbauwerk in Wesel wird, weithin sichtbar und der Kreisstadt würdig. Diese Brücke wird alles in den Schatten stellen, was nicht so schwer ist, da es sonst kaum etwas architektonisch  Herausragendes in Wesel gibt.

Drei Brücken

Das Besondere bei diesem Brückenbau, neben den technischen Besonderheiten, über die man sich gut und ausführlich informieren kann, einschließlich geführter Besichtigungen, ist die Tatsache, dass hier 3 Brücken aus unterschiedlichen Zeiten zu sehen sind, nebeneinander. Die zur Zeit noch benutzte Stahlträgerbrücke war als Provisorium 1953 eingeweiht worden, da auch die Rheinbrücke den Bomben auf Wesel zum Opfer gefallen war und hat bei steigendem Verkehrsaufkommen erstaunlich lange ihre Dienste getan. Von dieser Brücke über Rhein und Lippe aus ist die steinerne ehemalige Eisenbahnbrücke von 1873 zu sehen, ebenfalls zerstört im Bereich über dem Rhein. Wer Verbotsschilder und Brennnesseln nicht scheut, hat nach einer kurzen Klettertour von der Plattform einer der Brückenpfeiler einen sehr guten Blick auf den Neubau. Hier steht dann das wildromantische gegen die kühle Konstruktion eines uferverbindenden, zuverlässigen architektonischen Kunstwerks. 
Ich freue mich auf die erste Fahrt über diese Brücke, weil ich gerne Flüsse überquere und trotz allem immer mal gerne nach Wesel fahre. Immerhin will Wesel als Stadt nicht mehr scheinen als sein.

Alte Eisenbahnbrücke

25. November 2009

Jetzt ist es bald soweit. Die neue Brücke wird in Kürze befahren werden, wann genau, scheint von geheimnisvollen Faktoren abzuhängen, angekündigt war es für Ende Oktober, nun soll es Ende November sein, vielleicht auch Mitte Dezember. Aber sicher wohl noch in diesem Jahr.

nur noch kurze Zeit

Ich habe ein letztes Foto von den beiden Brücken gemacht, bald wird das Widerlager der alten Brücke abgerissen werden, dann auch die ganze Brücke. Seltsamerweise beschleicht mich etwas Wehmut dabei, wie immer bei alten, zuverlässigen Dingen, die lange dazu dienten, das Leben zu vereinfachen. Gut, dass die Neue so schön ist. An Zuverlässigkeit zweifelt heute niemand mehr. Vor der Einweihung einer Duisburger Rheinbrücke mussten noch alle Müllwagen der Stadt beladen diese Brücke testen. Ich weiß nicht mehr, ob die Rettungsdienste am Ufer standen.
Bei dieser Weseler Brücke konnten wir alle sehen und mitverfolgen, wie sie nach und nach zusammengesetzt wurde. Das schafft Vertrauen. Optisch ist das Bauwerk für mich schon fester Bestandteil der Niederrheinlandschaft. Sie ist ein Gewinn, in jeder Hinsicht.
Mehr Info hier:
http://www.nrbw.de/

22
Nov
09

Bild des Tages 22.11.

...die Ernte eingebracht...

21
Nov
09

Friedhof Annaberg

Friedhofsruhe

Zwischen den Sonntagen, die den Toten gewidmet sind und unter dem bleigrauen Himmel ergibt es sich beinahe von selbst, an die Verstorbenen der Familie zu denken. Meine Großmutter zum Beispiel war eine Liebhaberin von Friedhofszeremonien. Sie nahm mich als kleines Kind sehr gerne mit auf Beerdigungen fremder Leute, den Zeitpunkt entnahm sie den Tageszeitungen. Wir stellten uns dann Hand in Hand zu den Trauernden, meine Großmutter lauschte andächtig den Abschiedsworten, ganz zum Schluss, wenn alle Angehörigen ihre Pflicht am offenen Grab getan hatten, durfte ich auch mit einer Schaufel etwas Erde auf den Sarg werfen, so wie meine Großmutter. Danach gingen wir zwischen den Gräberreihen zurück zum Ausgang. Ich hielt eifrig Ausschau nach Gräbern, auf denen der Aronstab wuchs oder in Kränze geflochten war. Meine Großmutter hatte mich unterrichtet, dass der Blütenstab in der Mitte der Pflanze ein Finger sei, der aus dem Grab herauswüchse, wenn ein Mensch als Kind nicht artig war zu seiner Mutter, wobei ich denke, sie schloss die Großmutter mit ein. Mich hat dieser Gedanke sehr beschäftigt und allerlei Phantasien ausgelöst, mich vielleicht auch zu dem artigen Kind gemacht, dass ich gewesen bin.

Heute ist der Aronstab ein wenig aus der Mode, vielleicht sind aber die Menschen auch weniger ungezogen zu ihren Müttern gewesen, wer weiß das schon so genau. Dafür ist heute etwas anders in Mode, nämlich Laubsauger!

Ich habe die Anlage meiner Großmutter nicht geerbt, es zieht mich nicht so oft auf den Gottesacker, eher meide ich es, wenn ich kann. Da jedoch das Grab eines geliebten Menschen zu pflegen ist, zieht es mich doch gelegentlich zu dieser Ruhestätte. Hier auf dem F r i e d hof sollte ein stiller Moment möglich sein, ein Innehalten, ein Zurücklassen des Alltäglichen, Besinnung auf den Menschen, der nicht mehr da ist, dessen Urne in dieser Erde liegt. So sollte es sein und diesen Anspruch habe ich auch.

Das wird jedoch unmöglich gemacht durch die seit einiger Zeit eingesetzten Laubsauger auf dem Friedhof. Ganz abgesehen davon, dass ich diese, einen Höllenlärm verursachenden Geräte, auch im übrigen öffentlichen Raum für eine Zumutung halte, haben sie, wegen des „Höllenlärms“ auf einem Friedhof nichts zu suchen. Da an stille Andacht gar nicht zu denken war, habe ich, auf meinen Gatten wartend, der noch ein paar Pflanzen besorgen wollte, in der gleichen Zeit das Grab und den ganzen Weg vor allen Gräbern komplett vom Laub befreit, und zwar ganz leise mit einer Harke. Der Mensch mit dem Laubsauger war, eine Wegreihe weiter, nicht schneller fertig. Er beäugte mich äußerst misstrauisch.

Dass die Gräber nicht mehr mit dem Spaten ausgehoben werden, sondern mit einem kleinen, lauten Bagger, dafür habe ich Verständnis, das dauert auch nicht so lange, wie den ganzen Friedhof mit einem Laubsauger zu reinigen.
Aber Stille ist nicht einklagbar und vermeindliche Effektivität ist offenbar höchstes Gut.

18
Nov
09

Alpen-Menzelen

Vor dem Winter

Bevor Wind und Regen der herbstlichen Pracht den Garaus machen, lobe ich ihn mit ein paar Fotos, den Herbst am Niederrhein. Zunehmend sähen die Bauern als Gründüngung Senf.

Das scheint sich zu bewähren und mich freut es, weil es ein so schönes Bild ergibt mit dem bunten Laub der Bäume und – wenn es mal so ist – dem blauen Himmel. Außerdem duften die gelben Blüte süß nach Honig und leicht nach Senf.

An manchen Herbsttagen erscheint mir die Landschaft wie ein Gemälde eines niederländischen Malers der Spätromantik. Wenn die Morgensonne schräg auf die Pappelreihen fällt, wirkt das leicht rötliche Gelb wie hingetupft. Hier und da bildet die frisch gepflügte Erde mit ihrem satten, fruchtbaren Braun einen dunklen Kontrast. Die Hunde freuen sich über den ausgestreuten Mist und werfen sich mit Wonne hinein, wenn die Besitzer gerade mal nicht aufpassen. Die Gänse fliegen in Formation laut schnatternd über uns weg, auf der Suche nach den abgeernteten Maisfeldern, auf denen sie jetzt noch reichlich Futter finden. Die Krähen hüpfen mit Walnüssen in den Schnäbeln herum. Hinter der großen alten Eiche wittern die Rehe zu uns herüber. Ein Falke rüttelt in Hoffnung auf Mäuse über dem Feld.

18
Nov
09

Bild des Tages 18.11.

Mahlzeit

17
Nov
09

Bild des Tages 17.11.

Novemberlicht

16
Nov
09

Bild des Tages 16.11.

Baumhaus

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr...

15
Nov
09

Kapellenplatz Kevelaer

Sonntags nie

Kevelaer zu besuchen kann ich empfehlen, ist es doch eine Staat voller Kunst und Kultur, bis auf die Einschränkung, wochentags hinzufahren. Sonntags nie! Diesen Grundsatz hatte ich vergessen, als mich der Wunsch nach Kaffee und Kuchen bei einer Radtour durch das Donkgebiet um Kevelaer herum in die Stadt hineintrieb und auch schnell wieder hinaus. In der Pilgersaison kann man dort sonntags nur als Pilger sein oder als Mensch mit guten Nerven.

Die Ortschaft ist alt. Von einer Besiedlung in der älteren Eiszeit, etwa 800 v. Chr. zeugen Urnen und Brunnenrestfunde. Was folgt ist eine interessante und bewegte Geschichte, die bei Interesse nachgelesen werden kann in Wikipedia. Ich greife nur ein Ereignis heraus, was mir aus der beruflichen Beschäftigung mit Hendrike Busmann vertraut ist und Kevelaer zu dem verholfen hat, was es heute noch ist. Als Datum für das wichtige Ereignis lässt sich der 1. Juni 1642 festlegen, an dem Tag weihte der Pfarrer von Kevelaer ein Bildstöckchen und setzte einen Kupferstich der Mutter Gottes Maria „Consolatrix Affictorum“ (Trösterin der Betrübten) von Luxemburg ein. Zu diesem Bildstöckchen ist es gekommen, nachdem der geldrische Händler, der mit Waren in seiner Kiepe über Land zog, an der Kreuzung der alten Handelsstraßen Amsterdam-Köln/ Münster-Brüssel drei Mal den Ausruf: „An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellen bauen!“ hörte, dies seiner Ehefrau Mechle mitteilte, die daraufhin des Nachts im Traum das Bildstöckchen in hellem Lichte vor sich sah. Er baute es also, obwohl nicht reich, aber doch gläubig. Mit der Weihe des Kapellchens wurde Kevelaer zum Wallfahrtsort.
Unterbrochen wurde die Tradition 1794/95 mit der französischen Besatzung. 1798 wurden Prozessionen verboten und sämtliche Kreuze an Wegen und Kirchen entfernt. Das Gnadenbild wurde in der St. Antonius Kirche versteckt. Die Klöster wurden geschlossen, die Gnaden- und Kerzenkapelle gingen in staatlichen Besitz über.

Erst 1840 wurde das Verbot von Wallfahrten wieder aufgehoben. 1892 wurde dem Gnadenbild eine goldene Krone durch den Papst verliehen. Es kamen immer wieder prominente Vertreter der Katholischen Kirche nach Kevelaer, u.a. Mutter Teresa, Kardinal Ratzinger und Papst Johannes Paul. Alle sind sie in Bronze gegossen auf der Seitentür der Basilika zu finden. Auch die Vorderfront der Basilika ist überladen mit Figuren, geschaffen von Professor Bert Gerresheim. An ihm als Gestalter kommt der Besucher in Kevelaer nicht vorbei. Auf dem Kapellenplatz steht ein Fernrohr, mit dem das Figurenspektakel an der Basilika betrachtet werden kann.

An ruhigen Wochentagen wirkt der baumbestandene Kapellenplatz mit der Basilika, der Gnadenkapelle und der Kerzenkapelle recht beschaulich. Es zweigen kleine Straßen von ihm ab mit hübschen Häusern. Es lässt sich gemütlich hindurch schlendern, die schön gestalteten Türen fallen auf, auch das Schild des Mariologischen Instituts vom Internationalen Mariolgischen Arbeitskreis. Das es so was gibt! An Sonntagen in der Pilgersaison allerdings fällt eher auf, wie stark Religion jetzt und schon immer mit Geschäft verbunden war. Die Restaurant- und Café-Dichte ist hier wahrscheinlich die höchste am ganzen linken Niederrhein und übertrifft leicht die Kirchen- und Kapellendichte. Selbstverständlich haben die Geschäfte geöffnet, sollen doch die Pilger nicht nur ihre Herzen sondern auch ihre Geldbeutel öffnen. So entsteht ein un(h)eiliges Gedränge, in dem nur der bronzene Hendrick Busmann auf der Stelle tritt mit seiner Kiepe auf dem Rücken. Auch er war schon Geschäftsmann und hat dem Städtchen zu ungeahnter Blüte verholfen, so verknüpft sich alles über die Jahrhunderte hinweg.

15
Nov
09

Bild des Tages 15.11.

P1000961

totes Holz - gefallenes Blatt