Archiv der Kategorie 'Portugal'

14
Mai
09

Lagoa de Albufera

Stadtnaher Traumstrand

 

Der letzte Reisetag sollte ein Strandtag werden. Da wir vom Cabo Espichel die Bucht gesehen hatten, die sich von der Tajo-Mündung bis zum Kap erstreckt, wollten wir auch dieses Stückchen Land noch erkunden. Wir suchten also eine Straße, die abwärts führte zum Meer. Alfarim war der nächste Ort und vor dort ging es weiter sanft bergab bis Moinho de Baixo. Auf dem Weg dorthin wünschte ich mir einen Strandpavillon, in dem frischer Fisch vom Grill angeboten würde, mit Blick auf die Wellen.

Genau das fanden wir dort hocherfreut. Ein kleines Restaurant, welches im Familienbetrieb bewirtschaftet wird und eine gut bestückte Fischtheke aufwies. Der Raum war beinahe voll besetzt durch Einheimische. Nur draußen saßen Touristen, die darauf bestanden, auch dort zu essen, was beinahe am Festklammern der Tischdecke gescheitert wäre. Es wehte ein starker, kühler Wind bei leicht bewölktem Himmel. Nach der üppigen Seezunge und einem speziellen Nachtisch aus Eischaummasse wollten wir uns den ersten und einzigen Mittagsschlaf am Strand gönnen. Wir strebten dem Felsen zu, der uns Windschutz gewähren sollte, was er nur unzureichend tat.

 

Im Liegen wehte die Kühle über uns hinweg. Mein liebster Reisebegleiter schließ sogleich ein. Ich wohl auch, aber nur kurz. Ich war unruhig, blinzelte immer mal in die Sonne, setzte mich schließlich auf und schaute direkt einem nackten Mann ins Privateste, welches er zwecks Größenoptimierung heftig bearbeitete. Huch, was denn jetzt? Ich dachte zuerst – das gebe ich zu – an meine Kamera im Rucksack. Aber so viel Ehre sollte es auch nicht sein. Der sich wegen der Kälte schwer abmühende Mann stand etwa fünf Meter von mir entfernt, mir voll zugewandt. Sonst war der Strand menschenleer. Ich weckte meinen Beschützer sanft und holte mein Handy demonstrativ aus der Tasche, täuschte ein Telefongespräch vor, während wir uns erhoben, um zu gehen. Als mein Gatte sich aufsetzte, drehte der Mann sich um, als er mich telefonieren sah, zog er seine Unterhose an, als wir eine Stück weg waren, zog er sich ganz an und verschwand hinter dem Felsen. Er hat sich hoffentlich erkältet. Das war der dritte Exhi meines Lebens. Mehr müssen es nicht werden. Ich sammle so was nicht.

An diesem wunderschönen Strand, mit der Silhouette von Lissabon im Hintergrund, liefen wir ziellos entlang und sahen nach einer Weile die Surfer mit den Lenkdrachen auf den Wellen wuseln. Ich sehe das gerne, speziell, wenn sie es so richtig gut können und sich mit gewaltigen Sprüngen über die Wellen erheben.

 

Durch die vielen bunten Drachen vor dem Blau des Himmels wurden wir ein wenig landeinwärts gelockt und fanden hinter den Dünen eine Lagune als Übungslager für Kitesurfer. Ringsum im Sand diskutierte fachkundiges Publikum. Wir ließen uns im einzigen Café nieder und schauten dem muskelaufbauenden Treiben auf dem flachen Wasser zu. Mir erscheint es so, als sei das genau der richtige Sport für junge Männer mit überschüssigen Kräften. Es ist schön leise! Sehr viel leiser jedenfalls, als die frisierten Mopeds, die nachts durch die spanischen und portugiesischen Kleinstadtstraßen dröhnen. Außerdem sieht es auch besser aus, wie auf dem kleinen Film hier zu sehen ist.

Zurück nahmen wir den Weg durch die Dünen und waren wieder einmal überrascht von der Blütenpracht im Sand.

12
Mai
09

Cabo Espichel

Blühendes Kap

 

Ich bin kein Fan von Kaps. Meist sind es Felsen, die weit ins Meer hinausragen und nichts anderes preisgeben, als eine endlose Wasserfläche. Wenn ich Glück habe, sind ein paar Schiffe am Horizont auszumachen. Windig ist es immer, so dass ich sowieso nichts sehen kann, weil ich immer meine Haare aus den Augen fische. Ich dachte, mit dem Cabo da Roca hätte ich mein Kap-Soll dieser Reise erfüllt. Aber nein, das Cabo Espichel musste es nun auch noch sein.

Wo soll ich anfangen? Es ist auf jeden Fall das Kap mit dem heftigsten Wind, den ich je auf Kaps erlebt habe. Der Wind auf dem Finistere, da wo die Pilgerin unbedingt ihre Pilgerkleidung anzünden wollte, der Wind das jedoch nicht zuließ, was gar nichts dagegen. Es stehen Warnschilder an den Klippen, an die man sich nicht zu nahe heranwagen soll, weil der Wind in der Lage wäre, einen das Fliegen zu lehren.

Mit den Haaren unter der Kapuze konnte ich hier einen grandiosen Ausblick über die Bucht bis nach Lissabon genießen. Überall sind auch die steil abfallenden Felswände zu sehen. Ein schöner Leuchtturm krönt das Ganze. Aber das ist noch lange nicht alles. Hier oben steht ein Kloster, Santuário de Nossa Senhora do Cabo Espichel, die Kirche war geöffnet und bewacht. Es bot sich eine Deckenmalerei, die ich bis dahin auf der Iberischen Halbinsel noch nicht gesehen hatte, eine perspektivische Verlängerung des Kirchenraums nach oben. Mir wurde schwindelig davon. Leider ergab sich kein Winkel, aus dem heraus ich das hätte fotografieren können.

Neben dem Kirchengebäude streckten sich rechts und links niedrige Bauwerke mit Arkaden davor etwa 200m zu einem Hufeisen. Das waren, wie ich später herausfand, Solatenunterkünfte. Jetzt waren Fenster und Türen bis auf zwei Ausnahmen, zugemauert. Dadurch und durch den Bewuchs mit allerlei Pflanzen an den Arkadensäulen bekam das Ganze etwas Surreales. Das hätte sich auch Christo oder Jean-Claude oder beide ausgedacht haben können. Auf der anderen Felsenhöhe befinden sich zwei weitere Bauwerke, die militären Zwecken gedient haben mussten. So schmucklos eckig und ohne Nutzen, wie sie jetzt dort stehen, haben sie auch eine ganz eigene Ausstrahlung. Ich musste hin und das aus der Nähe betrachten und – na klar – fotografieren.

Wir merkten bald dass der Wind nur oben auf den Höhen so stark wehte. Die Wege durch die sandige, trockene Landschaft auf den Klippen waren etwas geschützt und hier öffnete sich nun eine ganz andere Vielfalt. Überall blühte es blau und weiß und gelb. Ich habe mich bemüht, alle Pflanzen mit der Kamera einzufangen, die hier oben auf dieser kargen Erde, die schon rissig zu werden begann, so tapfer ihre Blüten empor streckten, dem Wind und dem Wassermangel trotzend.

Es führen Wanderwege bis Sesimbra durch diese Vegetation. Dieses Kap ist mit Abstand das schönste von allen, die ich bisher sah.

11
Mai
09

Setúbal

Große Schiffe und alte Mauern

 

Die ersten waren hier die Kelten und von Süden her Phönizier, per Boot, versteht sich. Die Römer kamen etwas später und führten hier die Fischverarbeitung ein, noch nicht in Konserven, aber die Verarbeitungsanlagen zur Haltbarmachung mit Salz sind heute noch auf der gegenüberliegenden Halbinsel Troia zu sehen. Nach den Römern strömten Germanen und Westgoten hierher. Danach natürlich, wie überall, die Mauren, die sich um 700 herum dort niederließen und für lange Zeit die Gegend beherrschten. Die Grundmauern der Stadt stehen auf den Resten maurischer Bebauung. Die Stadtmauer wurde erst 143 begonnen, da hatten die Christen das Gebiet lange zurückerobert. Teile dieser Stadtmauer haben sogar das große Erdbeben 1755 überstanden und sind heute noch zu sehen. Im 15. Jahrhundert richteten die Franziskaner den Convento de Jesus in Setúbla ein. Die Stadt wuchs, wurde zum großen Teil bei dem Erdbeben, in diesem Landesteil mit Tsunami vernichtet. Trotzdem sind aus allen Zeitepochen steinerne Spuren in Sebúbal und Umgebung stehen geblieben.

Wir haben mit dem Stadtbummel am Hafen begonnen, wobei hier der gesamte Küstenstreifen an der Stadt entlang Hafengebiet ist. Die gemütlichste Ecke ist der Fischerhafen mit einem kleinen Restaurant, in dem wir ganz ausgezeichneten Tintenfisch serviert bekamen. Von hier aus hat man einen schönen Blick auf die Burganlage etwas oberhalb. Der Jachthafen schließt sich an mit Blick auf die Altstadt.

Von dort kann man auch den Industriehafen sehen. In diesen bin ich jedoch nicht hineingekommen, obwohl mir das fast immer gelingt. Hier war alles mit hohen Zäunen und schweren Eingangstoren abgesichert. So konnte ich die großen Frachtschiffe nur von weitem in den Hafen einlaufen sehen.

Die Stufen zur Altstadt auf der Höhe des Jachthafens hinaufzusteigen lohnte sich, da es hier genau die Art Häuser zu sehen gab, die meiner Kamera keine Ruhe lassen.

Weiter unten liegt ein neuer Altstadtteil mit überwiegend intakten Häusern, hervorragenden Patellerias und flanierenden Menschen. In den portugiesischen Pastellerias bekommt man, anders als in Frankreich, auch Kaffee oder Tee zum meist ausgezeichneten Gebäck aus Blätter- oder Hefeteig serviert. In der Kirche an Marktplatz lohnt ein Blick auf die azulejogekachelten Wände, die zum Teil schauerliche Geschichten erzählen.

 

 

Westlich von Setúbal erstreckt sich ein ca. 10.000 ha großes Naturreservat, Serra da Arrábida. Für ausgedehnte Wanderungen blieb uns keine Zeit. Wir haben das Gebiet nur gestreift, als wir auf der Straße in Küstennähe nach Sesimbra zurückfuhren. Etwas muss bleiben für ein nächstes Mal.


11
Mai
09

Sesimbra

Strand und Hafen

Sesimbra liegt ca. 40 km von Lissabon in südlicher Richtung. Im Sommer, stelle ich mir vor, wird es hier aussehen, wie an anderen gut besuchten Stränden, mit Liegestühlen dicht an dich, da genug Hotels und Appartmenthäuser dicht an dicht in den Hang gebaut wurden. Beim Bauen hat man sich die Mühe gemacht, beinahe jedem Fenster einen Ausblick aufs Meer zu lassen, immerhin.

Das Hotel Do Mar, liegt stufenförmig direkt am Strand. Unser Zimnmer hatte große Fenster zum Wasser hin, einen schönen, windgeschützten Balkon, genug Platz und den üblichen Komfort. Vom Restaurant und der Bar aus hatten wir den gleichen freien Blick auf die Bucht. Am Strand hielten sich nur vereinzelt Menschen auf, es war noch zu kühl bei 20 Grad im Schatten.

In einer geschützten, von Felsen umringten Bucht liegt der kleine Hafen für Fischer und Segler. Am Abend lohnt ein Spaziergang auf die Mole hinaus um das Abendlicht auf den sich golden verfärbenden Felsen zu genießen. Bei genügend Kondition lohnt auch ein Spaziergang am Leuchtturm vorbei auf die Klippen hinauf. Hier üben die Jugendlichen des Ortes gerne das Anfahren am Berg bei ca. 20 Steigung. Im Ort selbst gibt es für den leiblichen Genuss genügend Auswahl an Fischrestaurants. Ein Urlaubsort, wie es viele gibt. Für uns eine gute Ausgangsposition, die nähere Umgebung zu erkunden.

10
Mai
09

évora

Plätze, Gassen und Paläste

An einem Sonntagmorgen verließen wir die Extremadura über die E 90 genannte Autobahn. Ein bisschen fühlten wir uns jeweils so, als benutzten wir diese Fahrstraßen verbotener Weise, als hätten wir irgendwo eine Absperrung übersehen. So leer sind Autobahnen in Deutschland nie.

Wir wollten noch 3 Tage am Atlantik verbringen und ich hatte Sesimbra ausgesucht, wieder mal, weil es so gut klingt, wie eine Stadt in einem Märchen. Nun hatten wir nur diesen einen Tag für die Querung Portugals und konnten nicht alles im Altentejo besuchen, was uns reizvoll erschien. Daher entschieden wir uns für Evora, weil es an der Strecke lag.

Und schon wieder hatten wir es mit einer Weltkulturerbestadt zu tun. Das hätten wir vorher nicht gedacht, dass in dieser Ecke der Welt das Weltkurturerbe dicht an dicht nebeneinander liegt. Wir hatten eher mit kulturlosen Erbhöfen in endlosen Einöden und gelegentlich kleinen Dörfern, die gerade mal einen Dorfbrunnen vorzuweisen haben als bildhauerische Erbmasse gerechnet. Statt dessen liefen wir jetzt schon wieder durch eine Stadt mit blitzblanken Kopfsteinpflasterstraßen, die gesäumt von weißgetünchten Häusern alle auf kleine und große Plätze zuliefen, die mit Palästen umstanden den Eindruck von Wohlhabenheit vermittelten.

Schon die gewaltige, gut erhaltene Stadtmauer deutete auf eine frühe Bedeutung der Stadt hin, die sich auf römischer Besatzung gründend über die Mauren weiterentwickelte und schließlich von den portugiesischen Königen ausersehen wurde, dort gewählt zu werden. 1559 wurde eine Jesuiten-Universität gegründet, 1759 wurde sie wieder geschlossen und Evora verlor seinen Rang. 1979 wurde die Universität wieder eröffnet.

Mitten im Stadtzentrum liegt der Parca do Giraldo, der Platz mit dem Marmorbrunnen. Dort lässt sich gut mitten auf dem Platz, mit Blick auf die Kirche und die Arkaden, Mittagspause machen und das lebhafte Treiben ringsum beobachten.

Hier sehen wir nun auch Touristengruppen mit Reiseführern in den Händen. Wir schließen daraus, dass es noch mehr zu sehen gibt, entdecken die prächtige Kathedrale Se, die Reste des Diana-Tempels, ein ehemaliges Kloster, in dessen Zellen nun Touristenbetten stehen und natürlich auch das Aquädukt. Was wir versäumt haben ist die Capela dos Ossos, an deren Wände Gebeinen gestapelt sind.

Ich könnte mir vorstellen, dass wir noch einmal ins Alentejo kommen und das versäumte nachholen. Auf den Hügeln neben der Autobahn entdeckten wir bei der Weiterfahrt überall Burgen oder Ruinen von Burgen und Ansammlungen weißer Häuser. Evora ist hier sicher nicht die einzige reizvolle kleine Stadt.

21
Apr
09

Obidos

Ein Ort und eine Lagune wie aus dem Bilderbuch

Der nächste Tag war der Lagoa de Obidos und dem Städtchen gleichen Namens gewidmet. Der Wind hatte noch nicht nachgelassen. Er fegte den feinen Sand durch die Luft, peitschte ihn regelrecht, so dass ich nicht wagte, die Kamera einzusetzen. Sie mag keinen Sand. Die sanfte Landschaft um die große Lagune ist von Dünen und Kiefernwäldchen geprägt. Kleine Orte reihen sich an beiden Seiten weiß mit roten Dächern. Auf dem Wasser schaukeln Boote. In einem der Dörfchen versorgten wir uns für das Mittagspicknick und bekamen für insgesamt 3,58 Euro alles. was zum Sattwerden nötig war, zwei dicke Brötchen, eine geräucherte Wurst, Wasser, etwas Obst. Da ich die Lagune auch von der anderen Seite sehen wollte, man aber endlos drum herum fahren muss, gerieten wir ungewollt in ein Gebiet, was uns zunächst Rätsel aufgab. Die Straße war beiderseits von Mauern gesäumt, hinter diesen Mauern war der Wald aus Kiefern und Steineichen gerodet, es gab ungeheure Erdverschiebungen, um das Gelände eben zu gestalten, die Hügel wurden weggeschaufelt. Das über eine Strecke so weit das Auge reichte. Wir dachten zuerst an etwas Militärisches. Es stellte sich jedoch heraus, dass in diesem ursprünglichen Gebiet sich ein Investor niedergelassen hatte, der das Gelände in einen Golf-Touristen-Park umwandeln würde. Unglaublich aber offenbar eine Tatsache.

http://www.panoramio.com/photo/8292681

(hier ein Kameraschonender Hinweis auf Fotos aus anderer Hand)

Von der Lagune aus fuhren wir auf Obidos zu, sahen als erstes das Aquädukt und die Stadtmauern des zum Weltkulturerbe gehörenden Städtchens. Durch das Tor mit der azulejogekachelten Innenwand gelangten wir in die kopfsteingepflasterten Gassen mit den weißblauen hübsch restaurierten Häusern.

In der Hauptstraße wird allerlei Kunsthandwerkliches und regional Kulinarisches angeboten. Etwas oberhalb gelangt man zum Castelo, das eine Posada beherbergt mit einem sehr schönen Innenhof. Dies war die erste Posada, die in einem historischen Gebäude untergebracht wurde. Damit hat diese hervorragende Einrichtung, alte Gebäude mit Staatsunterstützung als Unterkünfte zu nutzen, ihren segensreichen Lauf genommen.

Die Stadtmauer ist begehbar und man schaut in die kleinen Gärten zwischen den weißen Häusern hinunter. Vom Mittelalter bis zur Renaissance hat jedes Zeitalter seine Spuren in diesem Städtchen hinterlassen. Es wirkt wie ein großes Freilichtmuseum, aber keineswegs steril und ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

19
Apr
09

Peniche

Festung am Meer, Wind am Cap und Ordnung im Hafen

Die kleine Stadt Peniche mit ihrem großen Fischereihafen liegt auf einer Halbinsel. Vorgelagert ist die Inselgruppe Berlengas, die wir wegen des starken  Wind nicht besuchen konnten. Die Stadt zwischen Mauern aus dem 16. Jahrhundert bot jedoch genug Abwechslung für einen Tagesausflug. Als erstes muss ich jeweils den Hafen sehen. Wir durften in das umzäunte Gelände ungehindert hinein und dort herumlaufen. Wegen des Windes waren die Boote wohl nicht draußen gewesen, alles war ruhig in dem aufgeräumten Hafengelände. Einen schönen Blick hatten wir von hier aus auf das Städtchen.

Beim ersten Erkundungsgang fiel sogleich die Festung auf, die ockerfarben alles andere überragte. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und weist malerisch verwitterte Wände auf.  Während der Diktatur hat sie bis 1974 als Zuchthaus für politische Gefangene gedient.

Jetzt, im hellen Sonnenlicht vor dem blauen Himmel wirkten die Mauern freundlich, bis ich im Hof die Gebäude entdeckte, die tatsächlich sofort an ein Gefängnis denken ließen. Das Städtchen selbst mit seinen Gassen und kleinen Häusern lädt zum Bummeln ein. In einem der kleinen  Restaurants haben wir eine gut zubereitete Seezunge gegessen. Den Fisch kann man sich vorher aussuchen. Danach strebten wir zum Cap Cavoeiro hinaus. Das steinige Land war mit flachwachsenden, nun auch blühenden Pflanzen bedeckt, im reizvollen Gegensatz zum hellen Felsgestein.

Der Wind am Cap machte es schwierig, die Kamera ruhig zu halten. Es gibt hier überall Surfschulen, weil zwischen den steilen Felsen immer auch flache Sandstrände zu solchen Aktivitäten einladen. Da die Unterkünfte günstig, machen hier überwiegend  Portugiesen Urlaub. Als wir zurückfuhren, habe ich eine der hier zahlreich zu findenden Windmühlen fotografiert, nach denen ich in La Mancha vergeblich Ausschau hielt bei der letzten Reise.

18
Apr
09

Casal dos Patos

Haus der Enten

Die Unterkunft direkt am Meer, die ich schon zu Hause ausgesucht und gebucht hatte, fanden wir in dem  kleinen Örtchen Praia da Areia Branca, oben auf der Klippe, mit freien Blick auf den Atlantik und die Felsen   rechts und links, so wie man sich eine Urlaubsunterkunft wünscht.   Zum Haus gehört ein großen Garten mit Liegewiesen. Die deutschen Gastgeber vermieten im Haus vier Doppelzimmer und das Ferienhaus ein paar Schritte entfernt. Im Preis inbegriffen war ein reichhaltiges Frühstück neben interessaten Gesprächen über Land und Leute. Auf der gut gemachten Webseite gibt es weitere Informationen.

Vom Haus führt eine Treppe direkt zu diesem Strand hinunter. Es ist nicht weit zu den attraktiven Orten Peniche und Obidas, Fatima und Mafra. Auch Lissabon lässt sich gut von hier aus erreichen. Auch für einen Wanderurlaub böte sich dieses schöne Haus an, da die Küsten in dieser Gegend wenig bebaut sind und das Hinterland hügelig und sehr grün zu Fußmärschen einlädt. Am Ort sind mehrere kleine Restaurants mit typischer portugiesischer Küche und dem Wein des Landes. Ich kann dieses schöne Fleckchen Erde und die Unterkunft uneingeschränkt empfehlen.Es soll auch im Sommer nicht zu heiß sein direkt am Atlantik.

http://www.casaldospatos.online.pt/aussicht.htm

16
Apr
09

Sintra

Sommerfrische der Könige

Lissabon am frühen Morgen per Auto zu verlassen, ist mindestens so nervenaufreibend, wie das Suchen des Hotels. Wir strebten nach Norden Richtung Sintra. Das Navi wies uns hilfreich den richtigen Weg aus der Stadt heraus. Wir folgten der Straße durch hügeliges, baumbewachsenes Gelände bis zum Cabo da Roca. Dort standen schon mehrere Busse u.a. der erste und letzte auf dieser Reise mit fotografierenden Japanern. In solchen Fällen ist es hilfreich, wenn die Klippen durch stabile Zäune gesichert sind, es gäbe sonst sicher spektakuläre Fotounfälle. Dieses Cap bot wie fast alle viel Wind, einen Blick auf viel Wasser und hier eine Leuchtturmanlage. Wir ließen die Busse dort zurück und fuhren weiter an der Küste entlang bis zu dem kleinen Örtchen Azenhas do Mar, mit den in den Felsen hineingebauten, weißgetünchten Häusern. Unten am Wasser gibt es ein schönes Restaurant, über Treppen und einen Steg zu erreichen, aber leider war noch nicht Mittagszeit. Ganz oben auf den Klippen stand ein Haus zum Verkauf, so eins, was ich mir immer mal erträume, mit endlosem Blick aufs Meer.

Die Fahrt von dort aus nach Sintra führte durch fruchtbares Land mit Obst und Gemüseanbau. Auch das Städtchen Sintra ist eingebettet in viel Grün von hohen alten Bäume. Wir gingen den Hügel hinauf in die Altstadt, wichen von der Straße ab und nutzten den Weg durch einen Park unterhalb der Altstadtmauern. Im Park waren mir schon die Bronzen aufgefallen und jetzt entdeckte ich ein kleines Museum mit Arbeiten des Bildhauers Anjos Teixeira, der von 1908 bis 1997 gelebt und in Sintra gearbeitet hat. Das Museum gab Aufschluss über die Arbreitsweise des Künstlers, mit Zeichnungen, Gipsmodellen und Bronzeplastiken.

Als wir auf dem Rückweg die Straße oberhalb des Parkes nutzten, fanden wir ergänzend zu den Bronzen des örtlichen Bildhauers eine ganze Reihe bildhauerischer Arbeiten, die hier vorübergehend aufgestellt waren. Der Palácio Nacional da Sintra fiel schon von Weitem auf wegen seiner eigenwilligen Türme, die eine Funktion als Schornsteine gehabt haben in der Zeit, als Königs hier in der Sommerfrische weilten. Jetzt ist eine Schule in dem Palast untergebracht, auf dem Platz davor tummelten sich Kinder aller Altersgruppen.

Gleich gegenüber lud das Café Paris zum Verweilen ein und wir bestellten ein kleines Mittagessen, um dem Treiben um diesen Platz herum zuzuschauen. Von dort aus führten sehr enge Gassen aufwärts zur Kirche, zur Burg und zum Schloss. Die Maurenburg und das verspielte Königsschloss sind in Reiseführern ausführlich beschrieben.  Einige der halb im Grün versteckten Häuser wirken immer noch hochherrschaftlich. Entsprechend gut besucht war dieses Städtchen von Touristen und Schulklassen. Auf dem Platz vor dem ehemaligen Schloss hielten zwei Polizisten auf Pferden das Geschehen im wachsamen Blick. Dem Ort wird eine mystische Wirkung nachgesagt. Bei dem strahlend blauen Himmel wirkte alles hübsch und überschaubar. An Nebeltagen, die es hier häufig geben soll, kann ich mir das aber durchaus vorstellen.

14
Apr
09

Lissabon-Fundstückchen

Grüne Oasen und nächtliches Leuchten

Wir ließen uns treiben in Lissabon. Es begegnet einem immer etwas Überraschendes in dieser Stadt. Da ich nicht auf das hinweisen will, was sowieso in jedem Reiseführer steht und gar nicht zu schaffen ist, wenn nur eine kurze Zeit bleibt, hier ein paar „Fundstückchen“ am Rande des Bedeutenden. Zum Beispiel die Spray-Künstler in der Alfama, dort wurden offenbar Abrissgebäude für die Sprayer freigegeben und schon ist es beinahe zu schade, die Wände einzureißen, die so interessant bemalt wurden.

Zwischen den Häuserschluchten in Richtung Univiertel, vorbei an Antiquitätenläden mit Auslagen zum Naseamfensterplattdrücken, gelangten wir immer wieder auf kleine Plätze und Parkanlagen. Einen Park greife ich stellvertretend heraus, er hat mir  besser gefallen, als der Botanische Garten nicht weit davon, weil er von den Anwohner genutzt wird im Tageslauf, während im Botanischen Garten Besucher flanierten, die über die an die Hänge gesetzten exotischen Bäume diskutierten oder über die dort aufgestellten Kunstwerke.
In diesen kleinen Park jedoch saßen die Männer beim Kartenspiel, ganz und gar vertieft, den Verkehr auf den Straßen ringsum nicht wahrnehmend. Unter einem Baum, der von einem Eisengerüst gestützt eine Krone von etwa 10 m Durchmesser aufweist und in seinem Stamm auf seltsame Weise verflochten wirkt, stehen Bänke bereit und werden genutzt von Müttern, die vom Einkaufen ausruhen, von Anzugträgern für eine kurze Verschnaufpause mit privatem Handygespräch, von alten Herrschaften, die sich eine Erholung von den steilen Steigungen der Straßen gönnen, die hier hinauf führen, von Studentinnen, die in einem Referat herumkritzeln, von Paaren, die sich gegenseitig mit Leckereien füttern. Gleich neben diesem Wunderbaum blüht es rosarot und etwas weiter stehen Gummibäume, die wirklich Bäume sind, nicht das, was wir hierzulande in Töpfen für spießig halten.

Da wir vor der Umstellung auf die Sommerzeit dort weilten, kam wir in den Genuss der Abendbeleuchtung in der Stadt. Da Portugal sowieso eine Stunde früher dran ist, als die übrige iberische Halbinsel, hätten wir nach der Zeitumstellung schon tief geschlafen bei Einbrechender Dunkelheit, weil es hundemüde macht, die Stadt zu Fuß zu durchstreifen. So aber saßen wir nach dem Essen noch ein wenig am Cais do Sodré, mit Blick auf die Brücke und die großen Schiffe im Hafen.

Es gibt dort einige Bars, die das Nachtleben sicher attraktiv machen, wenn man sich nicht so verausgabt hat am Tage wie wir.  Auf dem Rückweg zum Hotel, mit schweren Beinen und müden Füßen, konnte ich noch ein paar nächtliche Momente einfangen, von denen es sicher noch viel mehr gibt in dieser auch nachts faszinierenden Stadt, abseits der Fado-Bars und Fußgängerzonen.