Stadtnaher Traumstrand
Der letzte Reisetag sollte ein Strandtag werden. Da wir vom Cabo Espichel die Bucht gesehen hatten, die sich von der Tajo-Mündung bis zum Kap erstreckt, wollten wir auch dieses Stückchen Land noch erkunden. Wir suchten also eine Straße, die abwärts führte zum Meer. Alfarim war der nächste Ort und vor dort ging es weiter sanft bergab bis Moinho de Baixo. Auf dem Weg dorthin wünschte ich mir einen Strandpavillon, in dem frischer Fisch vom Grill angeboten würde, mit Blick auf die Wellen.
Genau das fanden wir dort hocherfreut. Ein kleines Restaurant, welches im Familienbetrieb bewirtschaftet wird und eine gut bestückte Fischtheke aufwies. Der Raum war beinahe voll besetzt durch Einheimische. Nur draußen saßen Touristen, die darauf bestanden, auch dort zu essen, was beinahe am Festklammern der Tischdecke gescheitert wäre. Es wehte ein starker, kühler Wind bei leicht bewölktem Himmel. Nach der üppigen Seezunge und einem speziellen Nachtisch aus Eischaummasse wollten wir uns den ersten und einzigen Mittagsschlaf am Strand gönnen. Wir strebten dem Felsen zu, der uns Windschutz gewähren sollte, was er nur unzureichend tat.
Im Liegen wehte die Kühle über uns hinweg. Mein liebster Reisebegleiter schließ sogleich ein. Ich wohl auch, aber nur kurz. Ich war unruhig, blinzelte immer mal in die Sonne, setzte mich schließlich auf und schaute direkt einem nackten Mann ins Privateste, welches er zwecks Größenoptimierung heftig bearbeitete. Huch, was denn jetzt? Ich dachte zuerst – das gebe ich zu – an meine Kamera im Rucksack. Aber so viel Ehre sollte es auch nicht sein. Der sich wegen der Kälte schwer abmühende Mann stand etwa fünf Meter von mir entfernt, mir voll zugewandt. Sonst war der Strand menschenleer. Ich weckte meinen Beschützer sanft und holte mein Handy demonstrativ aus der Tasche, täuschte ein Telefongespräch vor, während wir uns erhoben, um zu gehen. Als mein Gatte sich aufsetzte, drehte der Mann sich um, als er mich telefonieren sah, zog er seine Unterhose an, als wir eine Stück weg waren, zog er sich ganz an und verschwand hinter dem Felsen. Er hat sich hoffentlich erkältet. Das war der dritte Exhi meines Lebens. Mehr müssen es nicht werden. Ich sammle so was nicht.
An diesem wunderschönen Strand, mit der Silhouette von Lissabon im Hintergrund, liefen wir ziellos entlang und sahen nach einer Weile die Surfer mit den Lenkdrachen auf den Wellen wuseln. Ich sehe das gerne, speziell, wenn sie es so richtig gut können und sich mit gewaltigen Sprüngen über die Wellen erheben.
Durch die vielen bunten Drachen vor dem Blau des Himmels wurden wir ein wenig landeinwärts gelockt und fanden hinter den Dünen eine Lagune als Übungslager für Kitesurfer. Ringsum im Sand diskutierte fachkundiges Publikum. Wir ließen uns im einzigen Café nieder und schauten dem muskelaufbauenden Treiben auf dem flachen Wasser zu. Mir erscheint es so, als sei das genau der richtige Sport für junge Männer mit überschüssigen Kräften. Es ist schön leise! Sehr viel leiser jedenfalls, als die frisierten Mopeds, die nachts durch die spanischen und portugiesischen Kleinstadtstraßen dröhnen. Außerdem sieht es auch besser aus, wie auf dem kleinen Film hier zu sehen ist.
Zurück nahmen wir den Weg durch die Dünen und waren wieder einmal überrascht von der Blütenpracht im Sand.
































Strand und Hafen






s, ein ehemaliges Kloster, in dessen Zellen nun Touristenbetten stehen und natürlich auch das Aquädukt. Was wir versäumt haben ist die Capela dos Ossos, an deren Wände Gebeinen gestapelt sind.













Die Unterkunft direkt am Meer, die ich schon zu Hause ausgesucht und gebucht hatte, fanden wir in dem kleinen Örtchen Praia da Areia Branca, oben auf der Klippe, mit freien Blick auf den Atlantik und die Felsen rechts und links, so wie man sich eine Urlaubsunterkunft wünscht. Zum Haus gehört ein großen Garten mit Liegewiesen. Die deutschen Gastgeber vermieten im Haus vier Doppelzimmer und das Ferienhaus ein paar Schritte entfernt. Im Preis inbegriffen war ein reichhaltiges Frühstück neben interessaten Gesprächen über Land und Leute. Auf der gut gemachten Webseite gibt es weitere Informationen.
n nach Norden Richtung Sintra. Das Navi wies uns hilfreich den richtigen Weg aus der Stadt heraus. Wir folgten der Straße durch hügeliges, baumbewachsenes Gelände bis zum Cabo da Roca. Dort standen schon mehrere Busse u.a. der erste und letzte auf dieser Reise mit fotografierenden Japanern. In solchen Fällen ist es hilfreich, wenn die Klippen durch stabile Zäune gesichert sind, es gäbe sonst sicher spektakuläre Fotounfälle. Dieses Cap bot wie fast alle viel Wind, einen Blick auf viel Wasser und hier eine Leuchtturmanlage. Wir ließen die Busse dort zurück und fuhren weiter an der Küste entlang bis zu dem kleinen Örtchen Azenhas do Mar, mit den in den Felsen hineingebauten, weißgetünchten Häusern. Unten am Wasser gibt es ein schönes Restaurant, über Treppen und einen Steg zu erreichen, aber leider war noch nicht Mittagszeit. Ganz oben auf den Klippen stand ein Haus zum Verkauf, so eins, was ich mir immer mal erträume, mit endlosem Blick aufs Meer.
Die Fahrt von dort aus nach Sintra führte durch fruchtbares Land mit Obst und Gemüseanbau. Auch das Städtchen Sintra ist eingebettet in viel Grün von hohen alten Bäume. Wir gingen den Hügel hinauf in die Altstadt, wichen von der Straße ab und nutzten den Weg durch einen Park unterhalb der Altstadtmauern. Im Park waren mir schon die Bronzen aufgefallen und jetzt entdeckte ich ein kleines Museum mit Arbeiten des Bildhauers Anjos Teixeira, der von 1908 bis 1997 gelebt und in Sintra gearbeitet hat. Das Museum gab Aufschluss über die Arbreitsweise des Künstlers, mit Zeichnungen, Gipsmodellen und Bronzeplastiken.



Gleich gegenüber lud das Café Paris zum Verweilen ein und wir bestellten ein kleines Mittagessen, um dem Treiben um diesen Platz herum zuzuschauen. Von dort aus führten sehr enge Gassen aufwärts zur Kirche, zur Burg und zum Schloss. Die Maurenburg und das verspielte Königsschloss sind in Reiseführern ausführlich beschrieben. Einige der halb im Grün versteckten Häuser wirken immer noch hochherrschaftlich. Entsprechend gut besucht war dieses Städtchen von Touristen und Schulklassen. Auf dem Platz vor dem ehemaligen Schloss hielten zwei Polizisten auf Pferden das Geschehen im wachsamen Blick. Dem Ort wird eine mystische Wirkung nachgesagt. Bei dem strahlend blauen Himmel wirkte alles hübsch und überschaubar. An Nebeltagen, die es hier häufig geben soll, kann ich mir das aber durchaus vorstellen.


In diesen kleinen Park jedoch saßen die Männer beim Kartenspiel, ganz und gar vertieft, den Verkehr auf den Straßen ringsum nicht wahrnehmend. Unter einem Baum, der von einem Eisengerüst gestützt eine Krone von etwa 10 m Durchmesser aufweist und in seinem Stamm auf seltsame Weise verflochten wirkt, stehen Bänke bereit und werden genutzt von Müttern, die vom Einkaufen ausruhen, von Anzugträgern für eine kurze Verschnaufpause mit privatem Handygespräch, von alten Herrschaften, die sich eine Erholung von den steilen Steigungen der Straßen gönnen, die hier hinauf führen, von Studentinnen, die in einem Referat herumkritzeln, von Paaren, die sich gegenseitig mit Leckereien füttern. Gleich neben diesem Wunderbaum blüht es rosarot und etwas weiter stehen Gummibäume, die wirklich Bäume sind, nicht das, was wir hierzulande in Töpfen für spießig halten.
rtugal sowieso eine Stunde früher dran ist, als die übrige iberische Halbinsel, hätten wir nach der Zeitumstellung schon tief geschlafen bei Einbrechender Dunkelheit, weil es hundemüde macht, die Stadt zu Fuß zu durchstreifen. So aber saßen wir nach dem Essen noch ein wenig am Cais do Sodré, mit Blick auf die Brücke
und die großen Schiffe im Hafen.
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