Archiv der Kategorie 'Türkei'

08
Feb
09

Hotel Asteria in Sorgun

5 Sterne mit Frühstück

Zum zweiten Mal in meinem Leben hielt ich mich in einem 5-Sterne-Hotel auf. Einmal für eine Nacht in Berlin, jetzt in Side-Sorgun dank ACV mit Frühstück. Das Abendessen buchten wir dazu, weil der Reiseleiter aus dem Schwärmen über das Essen gar nicht mehr herauskam und das Hotel in einem Wäldchen etwas abseits sonstiger Möglichkeiten lag.

Bei einer Inspektion des Hauses ergab sich das Bild eines offenbar gut geführten Riesenhotels mit 470 Zimmern, dem beige-braunen Charme der 70er, sehr schönen Außenanlagen mit einem großen Pool, Gartenanlagen und Zugang zum Strand, deren Liegenbelegung mit Handtüchern ausdrücklich verboten war, einer Außenbar mit Musikanlage, einem Kellergeschoss mit Türkischem Dampfbad und allem, was dazu gehört, einschließlich der Einkaufsmöglichkeit von Badelatschen, geräumigen Zimmern mit Balkonen und einer Menge Katzen, die von einem Direktionsangestellten gefüttert wurden, wie ich später herausfand, aber natürlich auch von den Gästen.

Soweit wäre alles in Ordnung gewesen, wäre nicht das Hotel mit ca. 800 überwiegend deutschen und österreichischen Gästen belegt gewesen. Das fiel nicht sofort auf, aber beim Abendessen wurde es unübersehbar, weil sich alle in einem einzigen großen Speisesaal mit langen Tischen in Reihe einfanden, in den der erste Schub schon vor der Tür wartend einfiel, als diese geöffnet wurde gegen 18 Uhr. Ich hatte so etwa noch nicht erlebt und sofort Fluchtgedanken. Da schoben sich Figuren am überreich bestückten Buffet vorbei, die noch weit übertrafen, was zu Rubens Zeiten als Ideal gegolten hatte.

Trotz der Größe des Saales war schnell zu überblicken, dass sie in der Mehrheit waren. Nun wäre es kein Problem, auch mit übervollen Tellern gefahrlos aneinander vorbeizulaufen, wenn das einfache Gebot des Rechtshaltens aus dem Straßenverkehr auch für den Speiseverkehr eingehalten würde. Auf diese Idee war offenbar noch niemand gekommen, so dass es ein Balanceakt wurde, mit dem, was auf dem Teller lag, auch zum Platz zu gelangen zwischen den kreuz und quer, rückwärts und im Kreis laufenden Unschlüssigen hindurch. Diese deutsche Fülle machte es mir leicht, beim Nachtisch-Buffet trotz großer Versuchung bescheiden zu bleiben.

Der Geräuschpegel im Saal versprach neben dem Gedränge eine leichte Steigerung meiner Nervosität. Am nächsten Tag fanden wir eine Ausweichmöglichkeit in einem kleineren Raum nebenan, für den lediglich das Hindernis zweier Pendeltür überwunden werden musste. Dort konnten wir, so unsere Hoffnung, die Köstlichkeiten an Salat- und Gemüsezubereitungen, die ich in einer solchen Vielfalt noch nie geboten bekam, in Ruhe genießen. Allerdings stellte sich heraus, dass dieser Raum Musikberieselt wurde und zwar mit zwei Musikstücken gleichzeitig, Gianna Nannini unter oder über asiatischer Entspannungsmusik oder abwechselnd moderater amerikanischer Jazz unter oder über italienischen Arien. Niemand außer mir schien das zu bemerken. Ich habe an jedem Abend erfolglos versucht, dass abstellen zu lassen. Die Herren Manager, die sich gegen Abend in der Lobby sehen ließen, sprachen vorsichtshalber als einzige kein Deutsch. Die Prozedur war immer die gleiche, ich wurde zur Rezeption geführt, dort griff man sofort verständnisvoll zum Hörer und gab türkische Anweisungen, die ohne Folgen blieben. Da ich sowieso eine Gegnerin von Zwangsbeschallung bin, war das eine ganz persönliche Folter. In den Saal wollte ich aber auch nicht zurück.

Am dritten Tag war es zum Glück draußen schon morgens warm genug, um das Frühstück auf der Terrasse einnehmen zu können, mit Blick auf Palmen, Meer und die frechen Katzen, die immer auf ihre Kosten kamen. Wir wurden morgens und abends von sehr freundlichem Personal bedient, zwei von ihnen sangen sogar bei der Arbeit. Bewundernswert!

Der Eindruck im Hotel, dass alle immerzu entweder aßen oder tranken oder beides zugleich erklärte sich dann bald aus der Farbe der Bändchen, mit denen man ans Hotel gebunden wird und als Gast erkennbar. Türkis hieß all inclusive. Viele hielten das durch bis nachts gegen 3 oder 4, dann schlugen die Türen der Zimmer endgültig zu.

Wir zwei, mit den roten Bändchen, hatten trotz aller Vorsicht zum Schluss eine happige Getränkerechnung zu bezahlen. Das und die fehlgesteuerte Musik sind jedoch die beiden einzigen Punkte, die ich zu bemängeln habe.

08
Feb
09

Türkisches Bad (Hamam) in Sorgun

Der türkische Bademeister und meine Unkenntnis

Es regnete am späten Nachmittag. Ich nahm meinen Mut zusammen und erkundigte mich nach den Angeboten im Türkischen Bad. Da ich keine Saunabesucherin bin, weiß ich gar nichts von den Vorgängen solcher Etablissements. Geplant war das auch nicht, so dass ich über keine Badebekleidung verfügte. Da meine schwarze Unterwäsche auch als Bikini durchgehen würde, beschloss ich, mich auf dieses Abenteuer einzulassen statt im Regen herumzulaufen. Ich wollte mich 90 Minuten lang bearbeiten lassen in der Hoffnung, dass es meinem Rücken gut tun würde.
Etwas unsicher betrat ich in meiner Unterwäsche den mit leichtem Dampf erfüllten Raum, wurde hinter eine Marmorwand geführt und legte mich nach Anweisung auf ein spezielles Tuch auf einen warmen Marmortisch. Vorher hatte ich kurz wahrgenommen, dass in dem runden Raum an den Wänden entlang Menschen saßen und in der Mitte auf einem runden Marmortisch lagen.

Ich wartete nun, mich langsam erwärmend und aber noch etwas angespannt, wie es weitergehen würde. Die Wärme unter mir war genau richtig, nicht zu heiß, aber doch so, dass sich der ganze Körper erwärmte. Schließlich kam ein junger Mann mit nacktem Oberkörper herein und legte zur Begrüßung kurz die Hand auf meine Schulter. Hinter mir ließ er Wasser in eine große Schüssel laufen. Das Geräusch hatte ich auch nebenan schon vernommen. Er schüttete das warme Wasser im Schwall und mit Schwung über meinen Körper, dann über die Beine. Er zog sich einen Fäustling über die Hand und begann mit der rauen Fläche meine Füße zu bearbeiten, dann gründlich die Beine hoch, die Innenflächen des Oberschenkels bis in den Schritt hinein, gerade so, dass ich leichte Zweifel bekam, ob das wirklich dazu gehört. Hatte ich doch irgendwo gelesen, die türkischen Bademeister im Tourismusbetrieb seien alle Gigolos. Ich bin noch keinem leibhaftigen Gigolo begegnet, es wäre mir aber in diesem Moment egal gewesen, weil diese Behandlung als überaus angenehm empfand. Mein Slip wurde dann an der Seite etwas hoch geschoben, als der Bauch dran war, etwas hinunter, so dass wirklich alle Bereiche mit dem rauen Handschuh in Kontakt kamen, bis auf den intimsten. Den BH musste ich dann ausziehen, damit meine gesamte Vorderseite in den Genuss der Handschuhreibung kam. Inzwischen entspannte ich mich tatsächlich und erwartet nichts Schlimmes mehr, legte mich bereitwillig auf den Bauch, nachdem ich wieder mit dem Schüsselwasser übergossen worden war, damit auch meine Rückseite geschrubbt werden konnte. Inzwischen kribbelte meine Haut und wurde noch wärmer. Nachdem auch der Rücken begossen war, kam der nächste Gang, ein Bottich mit duftender Seifenlauge und Tüchern, die sich als Beutel entpuppten, als der Bademeister sie aus der Lauge zog, hin und her schwenkte und durch leichtes Blasen zur zum Aufblähen brachte wie ein länglicher Luftballon. Mit diesem luftgefüllten Stoffbeutel fuhr er nun über meine rosige Haut und erzeugte dabei eine große Menge duftigen Schaumes. Die Berührung mit dem weichen Stoff, der wie ein warmer Hauch über den Körper fuhr, entlockte mir den einen oder anderen Seufzer. Ich hielt das schon für den Höhepunkt der Behandlung. Ich musste dauernd die Augen schließen vor Behagen, wenn ich mal blinzelte, sah ich das konzentrierte und wohlwollende Gesicht des Wohltäters. Auch diese Behandlung von beiden Seiten wurde mit dem Wasserschwall beendet. Mit der gleichen Seifenlauge, deren Geruch an frisch gewaschene, in der Sonne getrocknete Bettwäsche von früher erinnerte, wurde ich nun wieder von unten nach oben sorgfältig und eingehend mit einem weichen nassen Tuch oder Quast abgerieben, so, dass ich die Augen gar nicht mehr öffnen konnte und es von mir aus den ganzen Abend hätte dauern dürfen. Ich habe überlegt ob ich meinen Gatten hier in die Lehre schicken könnte. Dann war es plötzlich vorbei, ich wurde mit kühlerem aber nicht kaltem Wasser abgespült, musste mich hinstellen, bekam noch einmal Wasser aus der Schüssel über Kopf und Körper, wobei in meinen pitschnassen Slip ein Extraschwall geschüttet wurde, weil es wahrscheinlich lächerlich war, den anzubehalten, um dann in ein großes Badetuch eingewickelt zu werden, wie ich es zuletzt in einem Film mit Doris Day gesehen habe, vielleicht auch Sofia Loren, jedenfalls vor langer Zeit.
Der junge Mann drückt mir meinen nassen BH in die Hand und gab mir einen Klapps auf den Po, eher freundlich als anzüglich. Damit war ich in den Nebenraum entlassen, noch ganz taumelig, wo ich mich sofort wieder hinlegen durfte und eine Masseurin mit der Ganzkörpermassage begann, für die sie aromatisiertes Öl verwendete. Auch das eine Premiere für mich, als Katze hätte ich geschnurrt. Als ich schließlich zum Entspannen noch etwas liegen blieb, fühlte ich mich sauber wie noch nie, warm bis ins Mark und wohlig müde.

08
Feb
09

Sorgun – Alanya


Vom Wasserfall zum Sandstrand

Da ich mir vorgenommen hatte, eine Woche lang Pauschal-Touristin zu sein, nahmen wir sogleich an einer Orientierungsfahrt mit Bus und Begleitung teil. Der sehr charmante Reiseleiter Mehmet war bereit, uns sein ganzes Heimatland zu zeigen. Er stammt aus Pergamon und hatte kürzlich den Altar in Berlin besucht, mit dem deutlichen Hinweis, dass er dort nicht hingehört, worin er mit seinem Bürgermeister übereinstimmt.

Der Bus war zu Hälfte besetzt mit deutschen Urlaubern. Die Fahrt ging als erstes zu einem Wasserfall bei Manavgat von mäßig beeindruckender Größe. Gleich am Wasserfall boten verschiedene Händler ihre Textilien und türkischen Spezialitäten an. Es war nichts dabei, was mich zu einer näheren Betrachtung hätte animieren können, so wie die meisten der Mitfahrenden auch nicht. Wir saßen schon alle im Bus und warteten noch auf 4 Damen, die dann nach etwa 20 Minuten eintrafen, bepackt mit dicken Tüten. Sie konnten wohl nicht widerstehen, ihrem Hobby Einkaufen gleich zu Beginn ausgiebig zu frönen. Da es außer dem Wasserfall nichts zu sehen gab, wurde mein Vorsatz schon ein wenig brüchig.

Weiter bzw. zurück ging der Weg in Richtung Alanya, dort, so schwärmte der Reiseleiter, gäbe es eine sehr schöne Altstadt und einen Hafen und sonst noch viele wunderbare Dinge, die wir dann allerdings nicht zu sehen bekamen, weil er gar nicht nach Alanya hineinfuhr, sondern vor dem Berg einen halbstündigen Aufenthalt gestattete, der weder ausreichte, die Höhle zu besuchen, noch auf die Burg hinaufzusteigen. Lediglich ein kurzer Spaziergang am Kleopatrastrand war möglich, den wir mit einem Becher Granatapfelsaft beschlossen, den man wie den Apfelsinensaft überall an Ständen kaufen kann. Der Name des Sandstrandes rührt daher, dass der Königin das Gebiet um Alanya vom Römischen Feldherrn Antonius geschenkt wurde. Sie soll täglich am Fuß der Klippen gebadet haben. Im Winter ist die Bucht beinahe menschenleer, das Wasser aber noch nicht warm genug. Kleopatra muss ziemlich abgehärtet gewesen sein.

Die für den Reiseleiter wichtigste Etappe war eine Karawanserei auf dem Weg zwischen Alanya und Side, die uns beinahe beeindruckt hätte, wäre sie nicht ziemlich neu und auf Touristennepp ausgerichtet. Ein als Sultan verkleideter Mann empfängt mit einem Stab von Helfern die Gäste, dann soll eigentlich vom aufgebauten Buffet gespeist werden. Uns war das suspekt, zumal der Sultan am Nebentisch nach Anfragen seinen Schnurrbart und den Turban abnahm, darunter nackt, aber immerhin ehrlich. Was sonst noch vorgetäuscht sein mochte, erfuhren wir nicht, da wir uns auf türkischen Mocca und Bananen aus heimischem Anbau beschränkten.

Der Küstenabschnitt zwischen Side und Alanya ist nicht sonderlich sehenswert. Er wird immer weiter mit Hotelkomplexen zugebaut. Zum Teil führt die Hauptstraße zwischen Hotel und Strand entlang. Es soll schon Tote gegeben haben bei der Überquerung. Schön ist nur der Blick zur Bergseite. Das Taurusgebirge hatte an den höchsten Stellen noch Schnee.

Auch wenn der Reiseleiter sich etwas gekränkt gab, haben wir weitere Teilnahmen abgesagt und uns auf eigene Faust auf Erkundungstour begeben.

08
Feb
09

Ruinen und Altstadt Side


Altertum und Neuzeitnepp

Vom Hotel in Sorgun aus machten wir uns zu Fuß am Stand lang auf den Weg um Side zu erkunden. Vom Bus aus hatten wir nur eine unattraktive Neustadt zu sehen bekommen. Nach einer knappen Stunde erreichten wir die Ruinen der römischen alten Stadt. Sogleich wurden wir von selbsternannten Führern angesprochen, die uns einen Plan des Geländes vor die Nase hielten und sich dann nicht mehr abschütteln ließen.

Side besteht nach den Forschungen der Geografen seit der Späten Bronzezeit, wurde im 7.Jh v.Chr. von den Griechen erobert und später, wegen der günstigen Lage auf einer Halbinsel, zu einem großen Handelshafen mit Sklavenmarkt. Im 2./3. Jh. n Chr. erlebte es unter römischer Herrschaft eine Blütezeit. Im 4. Jh. setzte der Niedergang ein, weil der Ost-West-Fernhandel zusammenbrach. 900 Jahre lag die Stadt verlassen. Ende des 19. Jh. siedelten sich türkische Fischer dort an. 1947 begannen erste Ausgrabungen. Vieles ist gut erhalten und man kann sich ein Bild machen von der antiken Stadt. Der Apollon-Tempel am Hafen wurde zum Teil wieder aufgebaut und gibt dem Hafenbild sein ganz besonderes Flair.

 

Zwar dürfen im Umfeld von Side keine Großhotels gebaut werden, sie sind weiter westlich und östlich zu sehen, aber die „neue“ Altstadt ist ein einziges, hässliches Einkaufszentrum. Vor dem Nepp dort wird gewarnt. Nirgendwo sind wir so massiv angemacht worden, wie in den Straßen von Side. Die Händler sind sehr aufdringlich und haben allerlei Tricks parat. Man tappt ganz leicht in die Höflichkeitsfalle, weil sich die Händler sehr freundlich geben. Als ich schließlich genervt genug war, habe ich auf die obligatorische Frage, mit der alles andere eingeleitet wird: „Seid ihr aus Deutschland?“ mit einem patzigen „nein“ geantwortet, was den Ausspruch „Ihr habt aber deutsche Schlappen an“ zur Folge hatte und uns die gute Laune zurückbrachte. Seitdem heißen unsere Wanderschuhe nur noch die deutschen Schlappen. Mit etwas Humor kann man das über sich ergehen lassen. Besser aber vermeidet man den Gang durch die Einkaufsstraßen, es sei denn, man will mal so richtig „übers Ohr gehauen“ werden. Nur in den Apotheken scheint es reelle Preise zu geben, Medikamente sind um gut die Hälfte günstiger als bei uns. Ich wunderte mich nicht darüber, dass die meisten im Schaufenster ausgelegten Verpackungen Viagra-Produkte enthielten. Sind doch die meisten der Wintergäste im Senioren-Alter.

Der Strand weiter westlich ist wahrscheinlich auch nur im Winter erträglich. Noch waren die Liegestühle nicht in Reih und Glied gestellt, die Gestänge für den Sonnenschutz noch ohne denselben, aber die Hotelreihen ließen eine Ahnung aufkommen, wie es im Frühjahr und Sommer hier aussehen wird. Es war schwierig, nach der langen Strandwanderung etwas zu Essen zu bekommen. In einem Kleinen Laden an der Hauptstraße fanden wir immerhin frisches Brot, Mineralwasser und Käse, dessen Haltbarkeitsdatum lange abgelaufen war.

08
Feb
09

Antalya


Überraschung

Da ich gerne schaue, was Familien in anderen Ländern an Sonntagen treiben, besuchten wir Antalya an diesem Tag. Auf dem Weg dorthin wieder der großartige Blick auf das Taurusgebirge, nun bei blauem Himmel, so dass sich die Schneegipfel noch deutlicher abzeichneten. Je näher wir der Stadt kamen, desto höher wurden die Häuser bis wir durch ein Meer von Hochhäusern fuhren und gar keine Hoffnung auf eine Altstadt mehr hatten. Des Türkischen nicht mächtig konnten wir die Hinweisschilder nicht deuten und landeten an einem Parkgelände vor einer Hochhausreihe, wo wir das Auto stehen ließen.

Schon beim Aussteigen wurde der Unterschied zu hiesigen Großstädten klar, die Luft wie Seide, kein Autolärm, eine friedliche Atmosphäre. Die Grünanlage zieht sich ganz am Fels der Küste entlang, ist von Katzen bevölkert und morgens um 10 noch beinahe menschenleer. Wir waren überwältigt von der Schönheit dieser Bucht. Auf der Gegenseite die Berge mit weißen Hauben, in der Bucht das dunkeltürkisfarbene Wasser, ein silbriger Morgendunst der alles ins Märchenhafte verzauberte. Wir ließen uns in einem kleinen Restaurant, halb in den Felsen nieder um diesen Anblick eine Weile zu genießen. Eine lange Tafel war auf der Terrasse über dem Wasser gedeckt und etwas später kam eine türkische Familie zum Frühstück, es wurden Tee, Brot, Tomaten, Gurken und Schafskäse serviert. Die Katzen turnten auf dem Felsvorsprüngen herum, Mensch und Tier ganz entspannt ohne jede Hektik. Ich konnte mir plötzlich wider Erwarten vorstellen, eine der Wohnungen in den Hochhäuser auf der anderen Straßenseite zu beziehen, mit Blick über diese Bucht! Ganz oben wäre mir recht gewesen.
Zu der Bauweise möchte ich bemerken, sie ist gefälliger, menschenfreundlicher als alle Hochhausbebauung, die ich bisher sah. Jedes Haus hat ringsum Balkone und Abstand zum nächsten Haus, dazwischen stehen Bäume in den Grünanlagen. An einigen Stellen war so gebaut worden, dass auch aus der 5. Reihe von ein Blick in die Bucht möglich schien.

Kaum konnten wir uns losreißen von diesem Ort der sonntäglichen Gelassenheit, aber wir wollten noch den Hafen und die Altstadt besuchen. Zu Fuß machten wir uns auf die die Richtung, aus der die Rundfahrtschiffe kamen, dort musste der Hafen sein. Inzwischen waren auch mehr Menschen in der Parkanlage unterwegs, meist Familien mit Kindern, aber auch Paare und Einzelgänger. Dazwischen streunende Hunde.

Nachdem wir durch einige Straßenschluchten zu einer neuen Parkanlage, die sich Kar Alioglu Parki nennt, gelangten, bot sich noch einmal ein grandioser Ausblick auf die Berge über dem Meer. Hier oben, über der Steilküste, tummelten sich unter Palmen und zwischen Brunnenanlagen viele Spaziergänger, wie mir schien, hauptsächlich Einheimische. Nun war es auch zum Hafen nicht mehr weit. Für mich ist es der schönste Hafen, den ich bisher sah, zur einen Seite umgeben mit alten Stadtmauern zur anderen Seite offen zum Meer , mit den Bergen als Kulisse. Im Hafen lagen hauptsächlich Rundfahrtschiffe, auch ein paar Fischerboote, jedoch keine Yachten.

In der Mauer führen Stufen hoch, immer wieder unterbrochen von Terrassen mit Restaurants und Teestuben, über die wir in die Neustadt gelangten. Auch hier sonntägliches familiäres Treiben. Die Geschäfte waren geschlossen. So viel Betrieb gibts bei uns nur an verkaufsoffenen Sonntagen in der Stadt. Bei einer Ruhepause in einer Patisserie mit gutem türkischen Mocca und Hefegebäck konnten wir feststellen, dass sich hier alles auf den Straßen bewegte, türkische Mädchen in Miniröcken neben traditionell gekleideten Damen mit farblich abgestimmten Gewändern vom kunstvoll geschlungenen Kopftuch bis zu den Schuhen, schnurrbärtige Herren mit Käppchen auf dem Haupt neben iPhone-benutzenden eleganten Anzugträgern. Eine sehr lebendige, vielfältige Mischung.

In der Altstadt etwas unterhalb war es ruhiger, hier gab es auch wieder Touristen und geöffnete Läden mit dem üblichen Angebot von Teppichen über Schmuck bis zu Öllämpchen. Die Bauweise der Altstadthäuser mit ihren vorgebauten Holzerkern und zum Teil Schindeldächern gefiel uns gut. Dazwischen immer mal Ausblicke auf Minarette. Es fuhren keine Autos durch die engen Gassen, so dass auch hier eine ruhige Atmosphäre vorherrschte, was sicher in der Saison anders sein wird.

 

Wir gelangten dann wieder zu dem Plateau über dem Meer und ich konnte die Abendstimmung einfangen. Hätten wir mehr als eine Woche Zeit gehabt, hätte ich hier gerne einen ganzen Tag verbracht um den Wechsel des Lichtes vom Morgen zum Abend zu beobachten.

08
Feb
09

Lara-Strand in Antalya


Goldene Zäune und Plastikställe

Wir haben aus Antalya nicht wieder herausgefunden, jedenfalls nicht so schnell wie gedacht. Plötzlich sahen die Straßen mit den Hochhäusern alle gleich aus. Also musste die Himmelsrichtung herhalten zur Orientierung. Die Berge auf der anderen Seite wiesen auch den Weg. Wir mussten zwischen Meer und Bergen hindurch, das konnte so schwer nicht sein. Auf die Hauptstraße gelangten wir dennoch nicht, weil es unglaublich viele Straßen gibt, die einfach so enden, vielleicht nächstes Jahr weiter gebaut werden, diese Stadt ist im Wachstum begriffen. Also hielten wir uns ans Meer, an dessen Küste entlang wir auf jeden Fall in Sorgun ankommen mussten.

Der Küstenstreifen hier ist frisch urbanisiert und zum Teil noch unbewohnt. Nur an einer kleinen Flussmündung sah es urtümlich aus, ein paar Männer angelten das Abendessen, andere schauten dabei von der Brücke aus zu.

p1000110

Wir fuhren nach diesem kurzen Intermezzo weiter und gerieten an den Lara-Strand mit den Luxushotels. Die Architekten hatten ihre orientalisch Vorliebe nicht verleugnet, einige Hotels wirkten wie Paläste aus Tausendundeinernacht. Andere, wenige, waren im Kontrast dazu moderne Schachtelbauten aus Marmor und Glas, eines jedoch stach alle anderen aus, das „Mardan Palace“. Wir fuhren zunächst kilometerweit an einem goldgefassten Zaun mit ebensolchen Laternen darauf entlang bis das goldweiß Prachtportal sichtbar wurde und ein noch prächtigeres Bauwerk dahinter. Das Gold wirkte echt. Ich glaube, mir blieb der Mund vor Staunen offen. Ich hätte gerne mal reingeschaut, aber mit meinen Jeans und Wanderschuhen habe ich mich nicht getraut. Es saßen zwei Bewacher im Portal, die wahrscheinlich schon am Parfüm erkennen, ob man dazu gehört. Es gab sogar einen eigens für Kinder angelegten Streichelzoo sowie kleine Miniaturpaläste für die Hotelpalastbesucherkinder. Ich habe eine Menge noch nicht gesehen auf der Welt, so etwas auch noch nicht.

Aus einer Nebenstraße hinter der Hotelanlage fuhr ein voll besetzter Bus los. In der Hoffnung, er würde Richtung Hauptstraße fahren, hängten wir uns daran und blieben auch dabei, als die Straßen immer holpriger wurden. Wir kamen durch ein Dorf, nicht weit vom Hotelnobelviertel, in dem Viehställe aus Holzstangen und Plastikplanen neben den überaus ärmlichen Häusern standen. Solche Gegensätze! So nah beieinander!
Der Bus hielt schließlich an einer Sportanlage die den gleichen Namen trug, wie das Hotel. Eine Gruppe sportlicher Männer stieg aus, der Fahrer auch. Hier war Endstation und eine Sackgasse, wie wir dann schnell merkten. Mein Fußballkundiger Gatte räsonierte, dass die Bundesligaspieler neuerdings im Winter in der Türkei trainieren.

Immerhin konnten wir die angestrebte Trasse, die uns zurückführen sollte, in der Ferne erblicken und fanden dann schließlich auch hin. Umwege sind oft interessanter als der direkte Weg.

08
Feb
09

Alara-Flusstal und Alara-Burg


Ein Fluss, eine Burg, ein Laptop und zwei Kamele

Zwischen Alanya und Side öffnet sich das Alara-Flusstal, dem wir bis zur Alara-Burg gefolgt sind. Rechts und links des Flusses stehen moderne Treibhäuser, an der Straße entlang neben Wohnhäusern auch barackenartige Behausungen. Kurz bevor wir die Ruine der alten Brücke über den Fluss erreichten, schon mit Blick auf die Burg, sah ich aus den Augenwinkeln zwei Kamele unter den Palmen liegen.

Beim Herumgehen gelang mir dieses Foto, was sehr bezeichnend ist, notdürftige Unterkünfte und auf dem Tisch ein Laptop. Nirgendwo habe ich vergangene Jahrhunderte und Neuzeit so dicht nebeneinander erlebt wie in diesem Landstrich. Hier entlang führte einmal die alte Seidenstraße. Die Karawanserei ist noch erhalten. Die Brücke brachte ein tosendes Hochwasser vor Jahrzehnten zum Einsturz.

Die Burgmauern, die sich wie ein Schneckengehäuse am Berg entlang ziehen, übten eine beinahe magische Anziehung auf mich aus. Einer der Budenbesitzer am Fuß des Berges führte uns zum versteckten Eingang des Tunnels, lieh uns seine Taschenlampe und ließ uns dann allein. Als mein liebster Reisebegleiter in den stockdunklen Tunnel schaute, die Höhe und wenig zuverlässige Ausarbeitung der Stufen sah, verweigerte er erstmals die Begleitung. Der Reiz war jedoch so groß, dass ich wenigsten ein Stück erkunden wollte, mit dem Versprechen, vorsichtig zu sein. Meine Bergschuhe war nun sehr nützlich, die Taschenlampe hingegen lästig, weil ich oft beide Hände brauchte um mich mit Hilfe der Einbuchtungen und Vorsprünge in den Felswänden vorwärts zu ziehen. Die Stufen hatten die drei- bis vierfache Höhe von normalen Stufen und zwangen mich gelegentlich auf die Knie. Die Felswände fühlten sich feucht an. Ein plötzliches Aufkommen von Dämonen, Orks oder anderen Ungeheuern hätte mich nicht gewundert. Dann sah ich Tageslicht durchschimmern und erklomm das letzte Stück des Stufenanstiegs. Schon hier hatte ich einen wunderbaren Blick über das Flusstal. Es hatte sich gelohnt.

 

Ein wenig höher wollte ich aber doch noch und ging so lange, bis meine Vorsicht die Oberhand gewann, weil ich nicht schwindelfrei bin. Der Abstieg war mühsamer als der Aufstieg. Am nächsten Morgen hatte ich höllischen Muskelkater in den Oberschenkeln, nicht jedoch das Mitleid meines Nicht-Begleiter.

Nachdem wir zu überhöhten Preisen beim freundlichen und auskunftsfreudigen Ausleiher der Taschenlampe etwas getrunken hatten, suchte ich die Kamele, die jetzt in einem Verschlag standen und traurig dreinschauten. Die Kamele im Duisburger Zoo gucken lustig dagegen. Ich dachte an die Kamelringkämpfe, von denen der Reiseleiter erzählte. Das stimmt tatsächlich, wie ich bei der Google-Suche feststellen konnte. Die Hengste werden mit dem Duft der Kühe verrückt gemacht und ringen sich gegenseitig mit ihren Köpfen und Hälsen als vermeintliche Rivalen nieder. Nun ja, sie werden immerhin nicht abgestochen wie die Stiere in Spanien.

Auf die Burg würde ich gerne noch einmal steigen, mit einem willigen Begleiter bis ganz oben. Auch dem Flusslauf wäre ich noch gerne gefolgt. Aber im Winter wird es abends früh und ziemlich plötzlich dunkel, weil die Sonne hinter den Bergen verschwindet.

08
Feb
09

Hafen von Alanya

Hafen und Pistaziengebäck

Der Hafen von Alanya ist ganz anders, liegt zusammen mit einem großen Badestrand in einer offenen Bucht. Das spezielle hier ist d

ie Burg, die über allem thront. Die Festungsmauern ziehen sich dekorativ am Hang entlang, ausgehend vom roten Turm.

Auf der anderen Seite die Höhenzüge hinter der Bucht. Das Hafenbecken ist eingefasst von einer gepflegten Grünnlage mit Brunnen und Palmen. Von den höher gelegenen Straßen hat man einen schönen Blick auf die Fischer- und Ausflugsboote. Auch hier eine gewisse Gemächlichkeit, niemand bewegt sich hektisch.

Vom Hafen aus ist ein Basar zu erreichen mit den üblichen Angeboten, vor allem Textilien und Leder. Hier wurden wir zum

Glück nicht so aufdringlich angemacht, wie das in Side der Fall war. Allmählich fragte ich mich jedoch, wer all diese Massen an Textilien kauft. Ich habe nie einen Kaufenden beobachtet.

 

Zur Mittagszeit fanden wir eine Patisserie am Rande des Basars, die insgesamt drei mal in Antalya vertreten sein muss: *Hanci* (wobei das i etwas anders geschrieben wird, ich finde es nur nicht in meinen Sonderzeichen und eher wie ein e gesprochen wird). Dort gab es nicht nur ausgezeichneten Türkischen Mocca, den besten, den wir bis dahin genießen durften, sondern auch besonderes Gebäck. Wir entschieden uns spontan beide für den Pistazien-Kuchen und haben jeden Bissen auf der Zunge zergehen lassen. Eine unbedingte Empfehlung! Die meisten türkischen Besucher tranken Espresso oder Capuccino aus einem modernen Automaten.

08
Feb
09

Antike Stadt Aspendos

Alte Steine und junge Blumen

Wir sind den regulären Weg durch die Kasse gegangen und so zuerst ins ganz hervorragend erhaltene Amphitheater gelangt. Es ist zwischen 160-180 n. Chr. errichtet worden. Es lehnt sich an den Hang des Akropolis-Hügels. Die Stadt selbst wurde aber schon 1100 v. Chr. gegründet. Zunächst hatten wir dieses 20.000 Besucher fassende Theater ganz für uns allein in der Morgenfrühe und konnten prüfen, ob es stimmt, eine Münze, die auf der steinernen Bühnenfläche fällt, noch in der obersten Sitzreihe zu hören. Im Winter gibt es hier keine Konzerte. Ich hätte gerne eins besucht bei dieser Akustik.

Von der alten Stadt ist auch so viel erhalten geblieben, dass es leicht ist, sich die Gebäude vorzustellen, die Stadttore, die Römischen Markthallen, das Brunnengebäude. Von allem ist genug übrig geblieben, es gedanklich leicht ergänzen zu können. Ringsum Grünpflanzen und ein paar Trampelpfade, alles natürlich belassen. Auch von diesem Tafelberg hatten wir wunderschöne Ausblicke auf die Berge und in östlicher Richtung auch auf das Aquädukt.

Von diesen Bauwerken bin ich jeweils besonders fasziniert. Dieses hier ist auch gut genug erhalten für die Vorstellung des ganzen Gebäudes. Allerdings habe ich nicht verstanden, wie das Wasser jeweils zwei mal den Berg hochgepumpt werden konnte. Zwischen dem Berg, der das Wasser brachte und dem Tafelberg mit der Stadt liegt ein Flusstal. Um nicht das gesamte Tal mit einem so hohen Bauwerk überspannen zu müssen, hat man an jeder Seite hohe Türme gebaut. Das Wasser wurde nun vom ersten Turm über das Tal hinweg auf die Höhe des zweiten Turms gepresst und konnte dann bequem zum Tafelberg geleitet werden.

Zum Glück ist dieser Ort (im Winter?) frei von Touristenbeglückungshändlern. Um diese Jahreszeit ist genug Ruhe, den Ort auf sich wirken zu lassen und neben den alten Steinen ein paar ganz junge Anemonen zu finden. Ob die es überleben, wenn die Busparkplätze in der Saison alle belegt sind vor dem Theater?

Anemone

08
Feb
09

Köprülü-Kanyon-Nationalpark

In’s wilde Innere

Wir hatten zu Anfang am Strand von Side die Angebotsschilder mit Fahrten in den Köprülü-Kanyon-Nationalpark gesehen und wollten ihn uns auf eigene Faust anschauen.
Der Abzweig dorthin und nach Selge ist etwa 5 km östlich von Aspondos ausgeschildert. Eine asphaltierte Straße führt in leichten Serpentinen durch hügeliges und später bergiges Gelände. Wir wunderten uns über die das aufgewühlte Erdreich und die Baumlosigkeit, bis wir bemerkten, wie viele Holzstapel an den Wegen entlang aufgeschichtet waren. Die wenigen noch stehen gebliebenen Stämme zeigten schwarze Brandspuren. Kurz nachdem wir die Schlussfolgerung eines großen Waldbrandes gezogen hatten, was wir später im Hotel bestätigt bekamen, sahen wir auch die ersten Kamps, Hütten aus Holzlatten und Plastikplanen, die wir für Lagerschuppen hielten, die sich aber als Behausungen für die Waldarbeiter und ihre Familien herausstellten. Für die zahlreichen Mulis gab es jeweils einen Extra-Schuppen. Auf dem Rückweg sahen wir dann die Frauen zwischen den Hütten an den Kochstellen stehen, die Männer an den Tischen unter den Bäumen. Ich habe mich nicht getraut zu fotografieren. Mir ging durch den Sinn, dass es nachts noch empfindlich kalt war, um null Grad, und versuchte mir vorzustellen, in so einer Hütte zu schlafen.

Über etliche Kilometer zog sich das verbrannte Gelände hin, überall waren Waldarbeiter mit Mulis zu sehen. Hin und wieder öffnete sich der Blick auf den kleinen Fluss mit grünblauem Wasser, Stromschnellen und Wasserfällen hier und da. Nach etwa 40 km erreichten wir ein Plateau mit einer Ansammlung von etwas besser ausgestattenen Hütten, einige davon waren Restaurantpavillons, nicht alle geöffnet. Busse waren nicht zu sehen und wir somit die einzigen Touristen hier oben. Beim Aussteigen wurden wir sofort angesprochen von einem jungen Mann, der heftig stotterte und wir ihm schon aus Mitleid folgten, als er uns zu einem Restaurant direkt oberhalb des Flusses führte. Da wir eine kleine Stärkung brauchen konnten, bestellten wir die angebotenen Forellen aus dem Fluss.Den Preis von 9 Euro zeigte der junge Mann uns auf dem Handy-Display und lief eilig ins innere des Pavillons. Kurz darauf ließen zwei andere junge Männer ein Boot ins Wasser und wir waren sicher, wir bekämen nun die frischesten Forellen unseres Lebens, da wir sahen, wie sie ein Netz ins Wasser ließen.

Tatsächlich dauerte es nicht lange und die Fische standen vor uns auf dem Tisch, frisches Brot und Salat dazu. Allerdings schwamm das Boot noch immer auf dem Fluss. Wahrscheinlich wurde nur umgehend für Nachschub gesorgt, denn diese gegrillten Forellen waren tatsächlich wie fangfrisch und die besten, die wir je gegessen haben.

Wir fragten nach der Straße nach Selge und fuhren weiter, über eine abenteuerliche Römerbrücke, deren Begrenzungsmauern gerade mal 2 cm Platz ließen neben den Spiegeln des Clio. Ich hielt mich nach dem Aussteigen gut an der uralten Brüstung fest, um in die Schlucht hinunter zu blicken.

Wir hätten auch ein Boot mieten können und eine Rafting-Tour machen. Mir als Wasserratte hätte das gefallen, aber meine bessere Hälfte ist ein absoluter Land-Mensch. Daher weiter in die Berge, nachdem wir einer Kopftuchfrau den Schmuck nicht abgekauft haben, den sie, wie aus dem Boden gewachsen vor uns stehend, dringend an den die einzigen Kunden des Tages bringen wollte. Nach der dritten Serpentine am Seitenrand eine Ziegenhirtin mit Handy. Wie sich die Zeiten hier dekorativ vermischen, es war ein idyllisches Bild, die junge Frau, die schwarzen Ziegen und das silberne Handy. Auf die Ziegen mussten wir acht geben, sie hatten gar keine Scheu vor Autos, so wenig, wie die Menschenpaare, die nun alle 2 bis 3 km am Straßenrand lagerten, aufsprangen, wenn sie das Auto sahen und sich mit ähnlichem Anliegen wie die Schmuckfrau mitten auf die Straße stellten. Weit und breit keine Häuser und keine anderen Fahrzeuge.

Je höher wir kamen, desto grandioser wurden die Ausblicke auf die Felsformationen und ins Tal. Nach 11 km auf 1.000 m Höhe sahen wir schließlich das Dorf auf dem Gipfel dieses Berges, von noch viel höheren Bergen umgeben. Die terrassenförmige Anlage vor dem Dorf war sicher ein Theater oder Stadion gewesen in grauer Vorzeit. Als wir das Dorf erreichten, standen schon kleine Jungen bereit und forderten Geld: „Gib mal Euro, Chef!“ Nun kam mir die Idee, die Ziegenhirtin hatte nach Hause telefoniert, denn aus einem der Häuser kam sogleich eine junge Frau, die sich als selbsternannte Fremdenführerin an unsere Fersen heftete und schließlich ihre Holzlöffel verkaufen wollte.

Oberhalb des Dorfes war das Amphitheater zu erkennen, eine großartige Lage, mit Blick auf die Bergwelt ringsum. Vom Kloster und vom Tempel sind nur noch die Grundmauern übrig. Die Häuser des Dorfes sahen so aus als wären die Steine der Antike benutzt worden, so dass hier nicht so viel erhalten geblieben ist, wie in Aspendos. Die Griechen sollen Selge gegründet haben und etwas später war es wegen seiner wilden Krieger berüchtigt. In der byzantinischen Zeit wurde es Bischofssitz und bis heute ist der Ort immer bewohnt gewesen. Ein schönes Fleckchen Erde, aber sicher nicht einfach zu bewohnen.

Mir kam der Gedanke, dass ich hier nichts zu suchen hatte. Von werweißwoher kommend latschte ich mit meinen „deutschen Schlappen“ durch das bewohnte Dorf, nicht um die Bewohner zu besuchen und mich nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen, sondern um die Reste der Behausungen der Ex-Bewohner vor hunderten von Jahren zu sehen, die Aussicht zu bestaunen und ein paar belanglose Fotos zu machen. Die Bewohner störten eher, weil sie etwas von mir wollten, was ich im Verhältnis zu ihnen im Überfluss besitze. Das dokumentiert sich durch meine bloße Anwesenheit in dieser sonst verlassenen Bergwelt. Es wirkte alles pittoresk romantisch ringsum, aber nicht einen einzigen Winter würde ich hier verbringen wollen, einen heißen Sommer schon gar nicht.

Nachdenklich fuhren wir zurück. Die Paare an den Straßenrändern waren verschwunden, die Ziegenhirtin auch. Nur ein paar einzelne Ziegen schauten uns keck hinterher.