Nutria im Bach

Manchmal stelle ich mir vor, die Wiesenflächen auf dem Grundstück wären Wasserflächen. Mich zieht es immer zum Wasser, außerdem müsste man eine Wasserfläche nicht mähen. In diesem Leben wird das nichts mehr, daher bin ich zufrieden mit dem Bach, der übers Grundstück fließt. Er heißt „Schwarzer Graben“, fließt an Menzelen vorbei und mündet bei Unterbirten im Altrhein. Bis auf ein paar Stichlinge und die üblichen Wasserinsekten gab es bisher nicht viel Bemerkenswertes in dem Gewässer. In der letzten Woche sah ich zwei Fische, etwa so lang wie Forellen aber schlanker und einer anderen Kopfform. Nach meinen Recherchen müssten es junge Hechte gewesen sein, was ich kaum glauben kann. Ich entdeckte sie zufällig, weil ich nach den Nutrias Ausschau hielt. Neuerdings gibt es einen größeren Familienverband mit mindestens 7 Jungtieren. Vielleicht wohnen sie auch schon länger dort und ich habe sie nur nicht bemerkt.

Vor ein paar Jahren hatten Nachbarn Nutrias gesichtet und einen Fachmann bestellt, der sie in Fallen fing und die toten Tiere wegtrug. Pelze trägt man ja heute nicht mehr, ob sie gegessen wurden, weiß ich nicht. Das Fleisch soll wie Spanferkelfleisch schmecken.

Ich wollte sie lediglich mit der Kamera einfangen.  Sie sind sehr scheu und tauchen sofort ab, schwimmen unter Wasser weg und verschwinden in den Höhlen am Uferrand. Sie mögen Äpfel. Da unsere Lageräpfel inzwischen schrumpeln und anfangen zu faulen, legte ich immer mal welche als Lockmittel aus. Morgens waren sie jeweils weg. Tagsüber bleiben sie lange liegen. Ich fand heraus, dass die Tiere in der Dämmerung am aktivsten sind. Ich brauchte nur etwas Geduld und musste mich still verhalten.

Außer den Äpfeln fressen sie alles, was am Bachrand wächst. Sie graben auch Wurzeln aus, spülen sie im Wasser ab wie die Waschbären und fressen sie genüsslich mit ihren orangefarbenen Zähnen.  An dem Stück Bach, was zugänglich ist, etwa 800 m, entdeckte ich 12 Höhlenzugänge, aber anders, als es geschrieben steht, sind einige davon unter der Wasseroberfläche.

Zu sehen bekomme ich hauptsächlich die Jungtiere. Die Elterntiere, größer als unser Kater, genau so schwarz und wahrscheinlich noch etwas schwerer, sind sehr aufmerksam und vorsichtig. Eins von den jungen ist weniger scheu, so dass ich ziemlich nahe heran kam. Sie sehen offenbar nicht so gut, haben aber große, aufmerksame Ohren und lange Tasthaare. Die Vorderpfoten benutzen sie wie Hände zum Graben und zum Festhalten beim Fressen. Die Hinterpfoten haben Schwimmhäute. Wenn sie übermütig sind, stellen sie beim Schwimmen ihre langen, runden Schwänze aufrecht aus dem Wasser und toben umeinander herum.

Da ich die Tiere nun ein wenig kennen gelernt und mich kundig gemacht habe, verstehe ich nicht, warum sie bejagt wurden. Die Fallen sind wohl inzwischen verboten. Strenge Winter überleben sie nicht, weil sie dann nicht genug Nahrung finden.

 


Augen- und Ohrenfreuden

Ohrenfreuden

Heute morgen erreichte ein besonderer Klang meine vom Wind tiefgekühlten Ohren, ein unverkennbares,  durchdringendes Schlagen gefolgt von einem in der heimischen Vogelwelt einmaligen hellen, lieblich lockenden Triller. Die Nachtigall ist wieder da! Etwa weiter hinten, nicht direkt am Freizeitsee hörte ich eine zweite. Die Freude ist genau so groß wie beim Erkennen des Lerchengesangs, der sehr viel früher, fast noch im Winter, für Ohrenfreuden sorgt. Dazwischen liegt das Auftauchen der kunstfliegenden  Kiebitze, mit ihren lustigen Rufen, die treu wiederkehren, obwohl sich dieBrut-Bedingungen z.B. durch Maisanbau von Jahr zu Jahr verschlechtern. Nicht zuletzt der Ruf des letzten der Winterausreisenden,  des Kuckucks, ein bisschen ordinär und ein bisschen früher als sonst. Er hat es offenbar gemerkt, dass er im Süden nicht zu lange trödeln darf, sonst ist hier das Brutgeschäft schon fast vorbei. Obwohl es nicht als Gesang bezeichnet werden kann, freut mich auch das, zumal er ganz in der Nähe des Hauses wohnt, so dass ich trotz Kälte sicher sein kann, es ist jetzt Frühling.

Winterwolle im Angebot

Immer wenn ich meine Kamera einmal nicht dabei habe, gibt es einen Grund, das zu bedauern. Vorgestern zum Beispiel. Ich hatte gerade die ersten Rosen bei meinem Lieblingsblumenhändler erstanden, weit draußen zwischen den Ortschaften. Nebenan befindet sich eine Weide für ein Lama und ein Pony. Das Lama hielt sich im Stall auf, kalt wie es draußen zur Zeit ist, das Pony stand ungewohnt regungslos mitten auf der Wiese, etwas Dunkles bewegte sich auf seinem Rücken. Eine Dole zupfte an des Ponys Fell, flog weg, abgelöst durch eine zweite Dole. Ich ging etwas näher heran und stellte fest, dass die beiden Vögel dem Pony die Winterwolle entwanden. Das wird ein Luxusnest! Dem Pony war es recht, es weiß ja, bald wird es warm.

 


Ruf gerettet

Das Wetter war heute schöner als angedroht. Trotz der Gefahr erhöhten Aufkommens von Naturliebhabern besuchten wir wieder einmal Bergerbos/Maasduinen bei den Nachbarn. Das frische Grün der Birken zwischen dem noch sehr zaghaften der Eriken rings um die Schilf- und Grasbewachsenen kleinen Seen im Heidegebiet ist die reine Freude fürs Auge. Der Himmel tat ein bisschen dramatisch wegen Ostern.

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Die langhaarigen Ziegen mit dem schwungvoll gebogenen Hörnern erwarteten uns, frisch vom Friseur mit Stränchen versehen

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und zufrieden grinsend wegen der eingeheimsten Aufmerksamkeit:

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Sanfte Hügel, ein weiter Blick übers Heidegelände, immer wieder Wasserspiegelungen und Bänke, zum Verweilen machen dieses Landstück zu einem besonderen Erlebnis. Alle Straßen sind weit weg, solche Ruhe findet man nur noch selten.

Auf dem Rückweg wurden wir von einem netten Mann gefragt, ob wir etwas sagen wollten über dieses Gebiet. Wollten wir gerne, unsere Begeisterung wurde notiert und als wir zum Schluss noch eine Bewertung in Zahlen abgeben sollten, bekam Bergerbos die höchste Punktzahl von uns, eine 10. Der Herr mit dem Fragebogen grinste und meinte, das sei merkwürdig, die Deutschen seien alle so zufrieden. Bei seinen Landsleuten gäbe es höchstens eine 7. Dabei haben doch die Deutschen den Ruf, Nörgler zu sein.


Karfreitag

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Röskes

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Zwei bis drei mal im Jahr fahren wir zu der Gärtnerei neben dem Schloss. Sie ist ungewöhnlich. Was dort in drei Treibhäusern angeboten wird, sieht so aus, als hätte es in den Edel-Gartencentern schon auf dem Müll gelegen. Die meisten Pflanzen wirken verwahrlost, schlecht gepflegt, gar nicht gedüngt, welkblättrig, geknickt, schlapp und kraftlos. Wer kauft so etwas? Wir zum Beispiel und eine Menge anderer Leute, über die ich mich immer wieder wundere.

Es ist so:, ich bekomme sofort Mitleid mit den Pflanzen, mein normalerweise gut unterdrücktes Helfersyndrom blüht und gedeiht in diesen Treibhäusern bis an die Grenze des Wahnsinns. Ich habe nämlich mit den Pflanzen, die schon in unserem Garten zu Hause sind, genug zu tun, außerdem ist kaum noch Platz für irgendwas, weil sich alles, was dort steht, sowieso in alle Richtungen vermehrt. Hier aber wir ein Einkaufswagen vollgepackt, nachdem wir uns gegenseitig die armen Pflänzchen gezeigt und ihnen und uns zugenickt haben, wir werden sie retten! Wir werden gut zu ihnen sein, sie bekommen ein schönes Plätzchen an der Sonne, die armen Rapunzeln, die so traurig die Köpfe hängen lassen. Die Hortensien mit dem mickrigen Grün, die Stiefmütter kurz vor dem Verwelken. Alle werden sie bei uns genesen, weil in frische Erde gesetzt, gedüngt, gegossen und betüddelt.

Wie soll ich das sagen, es verhält sich mit den fast aufgegebenen Gewächsen wie mit Tieren aus dem Tierheim, die mitleidig in ein neues Zuhause aufgenommen werden. Die Pflanzen sind mindestens genau so dankbar, verhalten sich anfangs still, weil sie ihr Glück noch nicht glauben können und fangen dann an, sich in ganzer Pracht zu entfalten, Blätter und leuchtendes Grün zu entwickeln, Knospen zu treiben und Blüten hervorzuzaubern, stabil auf den Stilen, satt in den Farben. Mir ist noch nie eine dieser Mitleidskäufe eingegangen, im Gegensatz zu den hochgezüchteten Gartencenter-Prachtpflanzen, die oft schon nach kurzer Zeit das Stadium erreicht haben, was zum Mitleidskauf ermuntern würde, allerdings ohne sich je wieder zu erholen, egal, wie viel Pflege ich ihnen angedeihen lasse.

Wenn unser Wagen also voll ist und ich nur noch darauf achte, jetzt schnell die Treibhäuser zu verlassen, bevor ich Gartenland hinzuerwerben müsste, kommt an der Kasse der bemerkenswerte Bezahlvorgang. Der Inhaber dieses Pflanzenhospizes rechnet nämlich alles im Kopf zusammen, von 80 cent bis 2 Euro 90 (mehr kostet kaum etwas, außer vielleicht die Bäume) hat er jeden Preis parat. Der Mann an meiner Seite, von Berufswegen mit Zahlen befasst, rechnet immer mit, so gut es geht und hat noch nie einen Fehler festgestellt, egal, wieviele Pflanzen sich im Wagen befinden. Ich nehme als Krönung  einen Strauß Rosen mit, nur wegen des Halbsatzes, auf den ich warte und der mir jedes Mal einen wohligen Schauer über den Rücken schickt. Schon wenn der Glashausbetreiber zu dem Tütchen mit dem Granulat für die Haltbarkeit greift, kribbelt es in meinem Nacken, dann sagt er es lächelnd, zuverlässig immer: „…für bei de Röskes.“


Namburis

In unserem Garten entdeckte ich neulich eine Tierart, die mir bis dahin nicht bekannt war. Sie lebt in der Erde, ich grub sie versehentlich aus. Offenbar hatte ich ein Männchen und ein Weibchen erwischt. Das Weibchen, 6 cm lang, wirkte etwas lebhafter, das Männchen, 8 cm lang, wollte nur schlafen. Vielleicht sind sie nachtaktiv und vergraben sich nur tagsüber in der Erde. Nach dem Foto-Setting trug ich sie dorthin zurück. Die Stelle werde ich im Auge behalten, möglicherweise gibt es jetzt im Frühjahr Nachkommen. Ich nenne sie vorläufig Namburis, bis mir jemand sagen kann, wie die Tierchen wirklich heißen und zu welcher Kategorie sie gehören.

 


Bussard ade

Am Montag nach meinem Bericht saß er in meiner Blickrichtung vom Esstisch aus auf einer Keramik wie ausgestopft, von 8.30 bis 12.10 Uhr. Ich rief bei der Greifvogelstation in Wesel an und beschrieb das Verhalten des Bussards.

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Wie vermutet erhielt ich die Auskunft: „So lange er fliegen kann, können wir nichts machen.“ Es gibt also keine Tricks wie mit Fallschirmen abgeworfene Netze oder ähnlich Phantastisches. Solange er fliegt, ist er unerreichbar für Menschen. Selbst wenn er nicht höher als 3 m fliegt. Selbst das schaffen wir nicht. Und solange er frisst, ist er auch nicht sehr gefährdet, Feinde hat er ja keine, wenn man von Greifvogelhassern einmal absieht. Die gibt es auch und sie gehen gerne mit Gift um.

In unserem Terrain war das ausgeschlossen. Und zu fressen fand er offenbar einiges auf der Wiese, die er, wenn er nicht wie ein Stofftier herumsaß, zu Fuß absuchte. In 3 – 5 m Entfernung entdeckte er Fressbares, machte ein paar Schritte und schnappte es sich. Ich konnte leider nicht erkennen, ob es Regenwürmer oder Insekten waren. Ich hoffte lediglich, er würde Nacktschnecken mögen.

Zwei Tage später saß er auf dem Kopf des Steinbären, etwa einen Meter vom Fenster entfernt. So nahe trauen sich nicht einmal die frechen Krähen ans Haus heran. Von den großen Vögeln nur der Buntspecht mit Gattin. Ganz geheuer war es dem Bussard dann aber doch nicht und er wechselte zur Keramik etwas seitlich vom Haus. In der Zeit konnte ich zur Kamera greifen und das war dann das letze Foto von ihm. Ich sah ihn ab dem folgenden Tag nicht mehr, hielt immer Ausschau, weil man sich leicht an so ein Tier im Garten gewöhnt und weil ich versprochen hatte, ihn im Auge zu behalten und mich wieder zu melden, falls es ihm schlechter geht.

Gestern nun flog ein einzelner Bussard in großen Kreisen über das Haus und den Garten, völlig lautlos und relativ hoch. Nun hoffe ich, er war es, hat sich so gut erholt, dass er wieder hoch fliegen, Kreise ziehen und Mäuse jagen kann. Ich will jetzt nicht behaupten, er hätte mit dem linken Flügel ganz leicht gewinkt, das würde eh niemand glauben. Aber vorgestellt habe ich es mir einen Moment lang.