Wasserstandsmeldungen

Bevor das  schöne Wasser, welches der Rhein so großzügig verteilte,   wieder verschwindet und öde graugrüne Wiesen zurücklässt, zeige ich, wie es beim Höchststand  von 40 % über normal aussah:

An manchen Stellen sollte man auch dann nicht geradeaus weiter fahren, wenn das vom Navi vorgegeben wird. Die Wolken haben sich vorbildlich verhalten und einen schöne Kontrast zur ausgedehnten Wasserfläche gebildet.


Weiden schneiden

DSC09972 1

So sollten sie aussehen bei regelmäßigem Schnitt

Die Pappeln und die Kopfweiden sind für den Niederrhein das, was die Zypressen für die Toscana sind. Mit den Pappeln und den Kopfweiden verhält es sich ähnlich, sie sind aus dem Landschaftsbild am Niederrhein nicht wegzudenken.

Die Pappeln können sehr alt werden, zwischen 100 und 200 Jahre, je nach Standort, sind durchaus möglich. In unseren Breitengraden schaffen sie das Alter nicht immer, sie faulen manchmal von innen oder werden durch Stürme oder Blitzschlag umgeworfen. Pappeln stehen zwar ringsum genug, aber nicht auf unserem Grundstück. Außerdem müssen sie nicht geschnitten werden.

Neben den Obstbäumen wachsen am Bach, ein paar Meter vom Haus entfernt insgesamt zwölf Weiden, die vor unserer Zeit als Eigentümer zu Kopfweiden geschnitten wurden und nun dieser Prozedur immer wieder unterzogen werden müssen. Weiden wachsen relativ schnell und geraten durch die in die Höhe getriebenen Äste sozusagen aus dem Gleichgewicht. Wenn das Gewicht oben zu groß wird, brechen sie auseinander. Umgestürzte und hohle Weiden sind für die Tierwelt sehr interessant. Hin und wieder soll es deshalb auch so sein, schon damit die Fledermäuse noch Unterkünfte finden. Aber nicht bei allen Bäumen.

DSC09943
Auf unserem Grundstück stehen sechs Weiden auf jeder Bachseite, was die Sache schwierig macht, da es nur etwas weiter entfernt einen Bachübergang gibt für das Vieh und den Trecker. Schwierig ist es deshalb, weil eine Seite als Standfläche wegfällt. Beim Sägen ist ein sicherer Stand wichtig. Für diesen Winter habe ich mir nur die eine Bachseite vorgenommen und auch nicht alle Bäume auf einmal. Zwischen den Weiden musste auch der wuchernde Holunder kräftig beschnitten werden. Auf der gegenüberliegenden Bachseite gibt es hinter den Weiden nur Acker- und Wiesenflächen. Dort halten sich gerne die Wintergänse, die grauen und weißen Reiher und hin und wieder Rehe auf. Auch das Bussardpaar hat dort sein Revier. Während meines täglichen Aufenthaltes “im Graben” konnte ich auch einen Eisvogel beobachten, der knapp über der Wasserfläche den Bach entlang flog. Nutrias haben hier auch ihren Wohnsitz.  Wenn alles zugewachsen ist, sehe ich nichts davon.
Da ich das Sägen an den Obstbäumen schon üben konnte, traute ich mir das Weidenschneiden nun auch zu, zumal es da nicht so sehr darauf ankommt, sie sind robust und schlagen auf jeden Fall wieder aus, auch wenn der Schnitt mal nicht so erstklassig ausfällt. Mein Problem: Ich kann nicht freihändig auf der Leiter stehend arbeiten, weil ich nicht schwindelfrei bin.
Ich verfüge über eine Akku-Kettensäge mit langem Stiel, über zwei mechanische Astsägen, eine sehr scharfe Klappsäge sowie eine große und zwei kleine Astscheren. Muskeln habe ich auch ein paar durch ganzjährige Gartenarbeit. Trotzdem war es mit den Weiden nicht so einfach, wie gedacht. Die Äste hatten nach 5 Jahren nun schon einen Durchmesser von 20 bis 30 cm und eine Höhe von 3 bis 4 Metern. Das Weidenholz ist elastisch und spröde zugleich. Wenn die Äste im oberen Bereich zwischen den anderen hängen bleiben, federn sie gefährlich zurück. Wenn sie senkrecht stehen, fallen sie evtl. auch senkrecht herunter statt seitlich wegzukippen.

 


Es gilt also mit großer Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu Werke zu gehen. Nach und nach gelingt es immer besser, ein paar Tricks habe ich auch herausgefunden, z.B. den Ast so weit anzusägen, dass der Wind den Rest erledigen kann, wenn ich nicht mehr darunter stehe. Einige der schweren Äste stürzten auch ins Bachbett und bohren sich tief in den schlammigen Boden oder fielen zur anderen Seite und hängten sich dort in den Ästen der anderen Bäume fest. Jeden Tag gab es ein anderes Problem, manchmal nicht sofort zu lösen. Ein paar mal blieben umschöne Stumpen stehen, weil ich die Säge nur in einer Richtung ansetzen konnte. Da mussten dann die Handsäge und die Leiter zum Einsatz kommen. Alle Problemfälle habe ich lösen können, nur einen nicht, der hängt noch immer in einer Gabel ganz oben fest und lässt sich nicht herunterziehen. Jetzt warte ich auf den angekündigten Sturm, der erledigt das vielleicht. Was jetzt noch an Ästen vorhanden ist, muss jemand mit der großen Kettensäge herunter holen. Das traue ich mir nicht zu und es wäre wirklich zu gefährlich.

Es liegt jetzt viel Holz im Graben, entastet habe ich immer gleich, zum Ausruhen von der schweren Sägearbeit, die Stämme müssen noch zerteilt werden und das Astzeug geschreddert. Wie ich das auf der anderen Bachseite machen soll, weiß ich noch nicht. Der Boden ist zu nass, um mit Fahrzeug und Hänger den Abtransport vorzunehmen. Das Kabel vom Schredder reicht nicht über den Bach. Mal sehen. Der Wind wird das nicht wegtragen.

DSC09973

Es liegt jetzt viel Holz im Graben, entastet habe ich immer gleich, zum Ausruhen von der schweren Sägearbeit, die Stämme müssen noch zerteilt werden und das Astzeug geschreddert. Wie ich das auf der anderen Bachseite machen soll, weiß ich noch nicht. Der Boden ist zu nass, um mit Fahrzeug und Hänger den Abtransport vorzunehmen. Das Kabel vom Schredder reicht nicht über den Bach. Mal sehen. Der Wind wird das nicht wegtragen.
Ich bin froh, das bisher alles geschafft zu haben. Danach kommt der Obstbaumschnitt an die Reihe. Das wurde in den letzten beiden Jahren gründlich erledigt, ich hatte fachkundige Hilfe. Daher wird es dieses Jahr nur ein Beschneiden sein, eine Leichtigkeit verglichen mit dem Weiden schneiden.

 

 


Arbeitshose

kleidermachenleute500x135.jpg

 

Als letzten Beitrag zum obigen Projekt muss ich unbedingt etwas über meine Lieblingshose schreiben.

Nach dieser Hose habe ich lange gesucht, aber den entscheidenden Fehler gemacht, bei der Damenbekleidung zu suchen. Für Damen gibt es so etwas nicht! Dass mir die kleinste Herrengröße passen würde, wusste ich nicht. Die Hose hing als Schaustück in einem Raiffeisenmarkt, aus festem Material, wasserabweisend, wie mir schien, mit verstärkten Knieeinsätzen und vor allem, mit neun Taschen ringsum.

Ich hätte sie umtauschen dürfen, falls sie nicht gepasst hätte. Ich kann die Hose über meine Jeans ziehen, die zwar ursprünglich auch einmal Arbeitshosen gewesen sein sollen, aber so enge Taschen haben, dass sie für Arbeitszwecke nicht mehr zu gebrauchen sind. Meine neue Arbeitshose bietet komfortable Taschen aller Art, rück- und seitwärtige mit Klappen und Klettverschluss, vordere verstärkte für Astscheren z.B., eine seitlich in Kniehöhe für die Klappsäge, eine große vordere für die Kappe der Kettensäge, die ich sonst immer suchen musste, weil sie leicht unter dem Holz verschwindet, eine kleine in Handygröße für mein Taschentücherpaket zusammen mit dem Sechskantschlüssel für die Kettensägenabdeckung, die sich immer lockert. In die letzte kleine passt das Klappmesser für saubere Obstbaumschnittkanten und der Hausschlüssel.

Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich mit dem Suchen der Werkzeuge und Kleinteile auf dem großen Grundstück schon verbracht habe. Ich lege sie aus der Hand und vergesse im Laufe der Stunden, wo das war, oft liegt dann was drüber, Gras, Holz, Blätter. Mit der Taschenhose passiert das nicht mehr. Die Knieverstärkung ist ebenfalls Gold wert, erst jetzt weiß ich, wie oft das Knie zum Einsatz kommt beim Sägen auf der Leiter, um einem Stamm Halt zu geben, beim Abstützen.

Am meisten freue ich mich, wenn ich gerade oben im Baum oder auf der Leiter bin und die Klappsäge gleich zur Hand habe oder die Astschere. Nichts ist lästiger, als erst wieder nach unten zu müssen, um das passende Werkzeug zu holen.

Warum aber, frage ich mich, gibt es so etwas Nützliches nicht in Damengrößen? Frauenarbeitskleidung besteht aus Schürzen, Weißzeug für die Helferberufe und Kostüme für die Bürojobs.


Zauberhandschuhe

kleidermachenleute500x135.jpg

Wegen des Projekts von Herrn Wortmischer habe ich überlegt, welches meine Lieblingskleidungsstücke sind. Dies hier zuerst:

Diese Geschichte klingt unwahrscheinlich, ich weiß. Es geht um Gartenhandschuhe, nicht irgendwelche aus dem Baumarkt, sondern richtig gute Kalbslederhandschuhe, die ich im Nachbarland erworben hatte, weil sie sich sofort ganz ausgezeichnet mit meinen Händen verständigen konnten, sich anschmiegten wie eine zweite, weniger empfindliche Haut und alle Bewegungsfreiheit ließen, die bei der Gartenarbeit nötig ist.

Den Sommer trug ich sie bei der Arbeit im Obstgarten, sehr Schmutziges mutete ich ihnen nicht zu, obwohl sie waschbar sein sollen. Trotz ihrer Weichheit widerstanden sie den hinterlistigen Stacheln des Weißdorns und den ebenso lästigen Dornen der Brombeeren.

Beim Obstauflesen schützten sie zuverlässig vor Wespenattacken und scheuten nicht vor faulem Obst zurück. Splitter musste ich in diesem Sommer nicht aus den Fingerspitzen entfernen und die Haut meiner Hände wies nicht so tiefe Riefen auf, wie gewöhnlich nach einem arbeitsreichen Sommer.

Zauberhandschuhe

Gegen Ende der Erntezeit erwischte ich die Handschuhe dabei, dass sie sich schon vor mir auf den Weg zur Obstwiese gemacht hatten und den einen oder anderen Korb bereits gefüllt. Sie hatten sich alles gemerkt, was wichtig ist, das Obst behutsam in die Körbe , von Vögeln angepicktes oder sonstwie beschädigtes in einen Extrabehälter legen, faules Obst in den Eimer. Von da an musste ich nur noch hin und wieder nach dem Rechten sehen und durfte die restliche Ernte getrost den Handschuhen überlassen.

Ich bin gespannt, was nach der Winterpause geschehen wird. Sie liegen im Gartenschrank und ruhen sich aus. Ein kleines, durch meine Unachtsamkeit entstandenes Loch im Mittelfinger habe ich liebevoll geflickt. Zum Sägen im Winter ziehe ich robustere Handschuhe an, auch damit den Ledernen nichts geschieht. Vielleicht sollte ich Handschuh-Ausbilderin werden, Bedarf besteht bestimmt.

 

 

 

 


Schwarzgelocktes Erbstück

kleidermachenleute500x135.jpg

Etwas Unzeitgemäßes ist mir zu dem Projekt von Herrn Wortmischer noch eingefallen:

Die Tante, von der die Rede sein wird, war gar keine, sie war die jüngere Cousine meiner Großmutter mütterlicherseits. Da selbst Ehe- und Kinderlos, durfte sie besuchsweise an unserem Familienleben teilhaben. Sie kannte sich bestens mit Fußball aus und mit Opern. Wegen des Sports war sie bei den Männern gerne gesehen, wegen der Opern und der Geschichten mit Maria Callas und Herbert von Karajan bei den weiblichen Familienmitgliedern. Wir Kinder freuten uns über die schönen Sachen, die sie uns immer mitbrachte. Stofftiere mit dem Knopf im Ohr zum Beispiel. Da sie immer sehr elegant gekleidet war und Beamtin von Beruf, galt sie in unserem Arbeiterhaushalt als etwas Besonderes.

Eines Tages lud sie mich, knapp zwölfjährig, ein, mit ihr ins Theater zu gehen. Sie war Abonnentin des Musiktheaters. Dieser erste Theaterbesuch hat mich nachhaltig beeindruckt vor allem wegen der vielen schönen Kleider, die dort nicht nur auf der Bühne getragen wurden. Meine Tante gab ihren schwarzen Mantel aus lockigem Fell etwas besorgt an der Garderobe ab, als sei es ein Tier, dass besonderer Behandlung bedurfte. Daher wagte ich auch auf dem Rückweg nicht, die dunklen Locken einmal anzufassen.

Als die Tante starb, erbte meine Mutter, was ihr gehört hatte, viele Bücher, ein paar Gemälde und den Mantel. Meine Tante war lebenslänglich schlank. Meine Mutter nicht. Meine Schwestern und ich wollten ihn auch nicht haben, obwohl die Größe gepasst hätte, man trug zu der Zeit schon keine Pelze mehr. Daher hing der Mantel lange unbeachtet in einem Kellerschrank.

Als meine Mutter in eine altengerechte, kleinere Wohnung umzog, wurde mir der Mantel überantwortet. Nun hängt er hier herum, sorgfältig abgedeckt wegen der Motten, die so etwas mögen. Er ist sehr schwer und offenbar nicht einmal warm, wie man es von einem Pelzmantel erwarten würde. Dazu müsste man das Fell wahrscheinlich nach innen tragen. Dann würde allerdings niemand sehen, dass es ein Pelzmantel ist und darum ging es damals wohl eher, als um die Wärme. Anfangs taten mir die Tiere leid, die dafür ihr Leben lassen mussten. Nun sind sie schon zu lange tot, als dass es noch eine Rolle spielen würde.

Hin und wieder gucke ich die Anzeigen durch, mittwochs und samstags, auf gut einer halben Zeitungsseite suchen Leute alte Schreibmaschinen, Nähmaschinen und Pelze aller Art. In dieser Reihenfolge, die Pelze immer zuletzt. Schon diese Zusammenstellung erscheint mir seltsam. Oft gibt es den Zusatz: „Garantiert seriöse Abwicklung.“ Oder: „Barzahlung garantiert.“

Wer, frage ich mich, kauft Pelze, wenn niemand mehr Pelze trägt? Zu welchem Zweck? Neuerdings gibt es ja nicht einmal mehr Winter und im Dauersommer sind die Aussichten für dieses Kleidungsstück noch geringer. Ich wäre diesen Mantel gerne los, schon wegen der Motten, die sich früher oder später darüber hermachen werden. Aber ich konnte mich noch nicht dazu durchringen, eine der Handy-Nummern anzurufen. Mir sind diese Pelzkäufer unheimlich.


Gut gepusht

Noch ein Beitrag für die schöne Kleidersammlung bei Herrn Wortmischer:

 

kleidermachenleute500x135.jpg

 

Die Wäscheabteilung im Kaufhaus ist gut bestückt, schon von der Süßigkeitentheke aus leuchten die Farben herüber, weiß und schwarz sind in der Minderheit. Blümchen, Streifen und Spitzen an Hemden, Höschen und BH. Um das letzte ging es mir, ich wollte noch so einen, wie den vom letzten Jahr, nur in hell, schlicht und ohne alles.
Der Überfluss der Wäscheabteilung steht im krassen Gegensatz zum Vorkommen von Verkäuferinnen.  Sie sind auch nicht gerade mal zum Klo, sie sind einfach nicht da. Ich bin nicht geduldig genug zum Suchen zwischen all dem, was ich gar nicht haben will, nämlich gepolsterte oder wattierte Büstenhalterkörbchen. Es gibt kaum andere, außer Still- oder Sport-BH oder die ab Größe 95 C, die bis zur Taille reichen. Ganz einfach, aus dünnem, elastischem Material, ohne Bügel, die dauernd drücken, ohne Spitze, die nach der dritten Wäsche verkrumpelt, ohne aufgestickte Blümchen mit abstehenden Fadenenden, ohne alles das gibt es fast nichts mehr. Ist nicht modern. Vor ein paar Jahren fiel mir auf, dass die weiblichen Schaufensterpuppen Brustwarzen hatten, die hatten sie jahrzehntelang nicht. Wenn jetzt die Mode alles wieder gut abdeckt, werden die dann abgehobelt?
Gut, die Zeit, da Frau oben ohne unten drunter ging, mit hüpfenden, wiegenden Brüsten, die ein Eigenleben führten, ist längst vorbei, aber so gepolstert muss es doch auch nicht sein, die Autos haben alle Airbags! Während ich es ganz unten in den Gestängen versuche, wo das Unbeliebte hängt, höre ich aus der Umkleide-Kabine folgenden Dialog zwischen einer anprobierenden Dame und ihrem hin und her eilenden Begleiter mittleren Alters.
Sie: „Dieser hier pusht nicht so richtig, der vorher hat besser gepusht.“
Er: „Ja, finde ich auch, aber der erste war noch besser.“
Sie: „Dann such mir doch mal den ersten, aber in pink. Das gelb ist zu blass.“
Er: „Mach’ ich.“
Ich sehe den Mann um die Ständer herum hasten, mit einem halben Dutzend gepolsterter Büstenhalter in der Hand, gezielt nach weiteren suchend. Er geht mit zwei neuen Exemplaren zurück, reicht sie seiner Dame, sagt:
„Probier den mal, der pusht bestimmt auch schön.“
Ich habe mich dann völlig ungepusht in die Sockenabteilung zurückgezogen, ein wenig neidisch, weil ich immer ohne Push-Beratung auskommen muss. Bei uns zu Hause ist das „Frauensache“, dafür gibt es ja Fach-Verkäuferinnen. Oder sollte es geben. Vielleicht hätte ich den netten Begleiter fragen sollen, ob er mir auch ein wenig hilft.


Strickkleidchen

Über Frau Lakritze bin ich auf die Geschichten gestoßen, die Herr Wortmischer unter “Kleider machen Leute” gesammelt hat. Das hat so viele Erinnerungen geweckt, dass ich auch gleich etwas aufschreiben musste.

Ja, ich habe auch einmal gestrickt, es scheint wieder modern zu sein. Bei mir ist es lange her. Die Nadeln in allen Größen schlummern seit Jahrzehnten in einer hübschen Holzkiste. Manchmal hole ich eine heraus, wenn es etwas zu stochern gibt, aber nie mehr, um Wolle damit zu verarbeiten.
Damals also nähte und strickte ich mit Hingabe für meine Familie, die Kinder waren noch klein. Für das Töchterchen, etwa vier Jahre alt, suchte ich schmeichelweiche Wolle in rosa und hellblau aus und strickte ein raffiniert unregelmäßig gestreiftes Kleidchen.
Es kam der Tag der Anprobe, der nächste Tag war ein Feiertag und das Kleidchen sollt ausgeführt werden. Natürlich erhoffte ich mir ein paar lobende Bemerkungen, mindestens jedoch bewundernde Blicke, weil es ja wirklich sehr schön geworden war. Ich streifte also dem Kind das Kleid über den Körper. Das Kind protestierte und hörte nicht mehr auf damit. Ich stellte meine Stimmlage auf Überzeugungsarbeit und säuselte süße Sachen auf das Kind herunter. Das Kind wollte das Kleid nicht anbehalten und überhaupt nicht mehr anziehen, es sagte, die superweiche Wolle kratzt, was überhaupt nicht sein konnte. Außerdem wollte das Kind sowieso kein Kleid tragen sondern seine Latzhosen wie gewohnt. Ich sagte viele Sätze die mit „schau mal…“ anfingen und schließlich zu Tränen führten, beim Kind natürlich. Mein kleine Mädchen sah so süß aus in dem Kleidchen, ich spürte gar keine Bereitschaft, es ihm wieder auszuziehen.
Meine Tochter stand schließlich auf und ging in die Küche, schüttete sich einen Becher Kakao ein und diesen dann gleich über das Kleid. Der Kakaofleck ließ sich nicht mehr restlos entfernen. Das Töchterchen hat nie wieder ein Kleid getragen auch als Tochter nicht.
Ich glaube, es war nicht lange nach diesem Erlebnis, dass ich die Nadeln in der Kiste verstaute.


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 161 Followern an