Hoorn NL

Von einem befreundeten Segler war uns der Besuch von Hoorn empfohlen worden. Zunächst wussten wir nicht warum, weil wir am Montagmorgen durch eine sehr stille Innenstadt (die Geschäfte sind Montags vormittags geschlossen) liefen und im Jachthafen landeten. Bis auf die Wasservögel zwischen den zur Winterruhe hier abgelegten Booten mehr oder weniger luxuriöser Ausstattung finde ich Jachthäfen langweilig.

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Junger Haubentaucher

Dann öffnete sich der Blick hinüber zum Markermeer und einem alten Dreimaster. Wir gingen den Weg zurück, um dorthin zu gelangen und waren endlich in der richtigen Ecke.

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Gegen Mittag belebte sich die Hafenpromenade und im Hafenbecken neben dem Hauptturm, der seit 1532 dort steht und zu einer Zeit gehört, als Hoorn noch eine bedeutende Hafenstadt war, waren nun auch Plattbodenschiffe vertäut, die ein interessanteres Bild bieten, als die Jachten nebenan.

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Die Bedeutung der Stadt, einst unter anderen Städten Sitz der Ostindischen Kompanie, minderte sich durch die wachsende Konkurrenz von Amsterdam. Regional blieb sie wichtig als Fischereihafen und Markstadt.

Auf dem Rückweg durch die Stadt mit nun geöffneten Geschäften und sehr vielen Cafés und Restaurants wurde deutlich, dass es keine verschlafene Kleinstadt ist. Viele der alten Bauwerke sind erhalten geblieben wie z.B. diese Historische Käsewaage am zentralen Platz Roode Steen.

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Käse und Touristen

Gewohnt haben wir ganz fabelhaft  in Purmerend, etwas außerhalb  in einem der quadratisch angelegten Bauernhäuser mit Pyramidendach zwischen zwei Kanälen.  Vor dem Fenster wohnte eine etwa 20köpfige Entenschar, die u.a. die Aufgabe hatte, das Fallobst im angrenzenden Obstgarten zu verzehren. Ich habe sie nicht abwerben können, weil wir keinen nennenswerten Wassergraben aufzuweisen haben.

Die Stadt Purmerend hat eine bedeutende Geschichte, z.B. die der Hohen Herrlichkeit, die ihr im Mittelalter verliehen wurde. Ich bin zum ersten Mal über diesen Begriff gestolpert und vermutete zuerst eine seltsame Übersetzung. Dann konnte ich nachlesen, dass es diese Hohen Herrlichkeiten auch am Niederrhein gegeben hat. So lernt man unterwegs auch immer etwas über das eigene Land. Das Städtchen war mir jedoch zu modern. Der Kuhmarkt war deshalb interessant, weil er den Tieren, die ringsum im Polderland auf den Weiden neben den Schafen zu finden sind,  in einem monumentalen Bronze-Denkmal Platz bot. Milch und die Produkte daraus sind für die Region von großer Bedeutung. Außerdem haben Rindviecher so etwas sowieso mal verdient als nützlichste Nutztiere für uns.

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Kuhmarkt in Purmerend

Rings um diesen Markt befinden sich gut besuchte Restaurants und Cafés. Wie ich später nachlesen konnte, wohnen hier viele Menschen, die als Pendler täglich den Arbeitsplatz in Amsterdam aufsuchen.

Ganz anders im ehemaligen Fischerdorf Volendam. Dort wurden wir von einem derartigen Touristenrummel überrascht, dass wir uns fragten, warum ausgerechnet hier Chinesen, Japaner, Koreaner, Russen, Polen, Spanier, Italiener, und Leute in Trachten unbekannter Art zusammenströmen, beinahe wie in Venedig. Dort gibt es immerhin etwas zu sehen. Hier in Volendam reihen sich auf der Strandpromenade die Läden mit dem üblichen Tourismusangebot aneinander, Holzschuhe, Käse, Käsemesser, bedruckte Schirme, Leuchttürme im Miniaturformat, Plüschrobben, nachgemachtes Delfter Porzellan,  Stickereien, Strandbedarfsartikel usw. Man kann diese etwa einen km lange Deichstraße auf und ab gehen, vielleicht noch in den Jachthafen oder mit der Fähre nach Marken übersetzen. Das wars aber auch schon. Vielleicht habe ich aber auch etwas übersehen. Sicher waren all die Menschen nicht wegen des Museum für Zigarrenbauchbinden dort.  Im Örtchen selbst war es sehr ruhig, keine Tourist verirrte sich dorthin, alles konzentrierte sich auf die eine Straße auf dem Deich.  Sehr seltsam.

Unmittelbar angrenzend liegt Edam. Ein hübscher kleiner Ort mit Grachten und Zugbrücken, einem interessanten Kirchturm, schönen alten Häusern und Gassen, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Ein Bus hatte Engländer auf dem Marktplatz vor dem alten Gebäude der Käsewaage abgesetzt, sie sollten alle Käse kaufen und Holländischen Apfelkuchen essen. Da der Markt eine Weile mit Smartphoneschwenkenden Menschen belegt war, gibt es von mir kein Foto. Ich habe mir eines ausgeliehen,  was den traditionellen Käsemarkt zeigt, der für den Tourismus wiederbelebt wurde, nachdem er 1922 das letzte Mal mit echten Funktionen stattfand.

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Käsemarkt in Edam (Foto von Lupo)

Viel mehr Touristen als die Engländer sahen wir nicht im Städtchen. Wieso nur tummelten sich alle in Volendam. Das Rätsel habe ich nicht lösen können.


Marken NL

 

Ein paar Tage Erholung waren nötig, bevor es mit der Obsternte richtig los geht. Die Hände mal nur für den Auslöser an der Kamera gebrauchen und ansonsten in den Schoß legen. Das ist weitgehend gelungen und am vierten Tag ging es den Händen und dem Rücken wieder gut.

Gleich am Sonntag steuerten wir in Noord-Holland die ehemalige Insel Marken im nach ihr benannten Markermeer (früher Zuidersee) an, die durch eine Deichverbindung mit dem Festland zur Halbinsel geworden ist. Es sollte ein zweiter Deich gebaut werden und durch Einpolderung die Insel zum Festland gemacht werden. Diese Pläne hat man aufgegeben. Ein Teil dieses Deiches besteht noch, es ist jedoch eine Wasserverbindung offen geblieben, so dass Schiffe und Boote die Häfen Volendam und Monnickendam ansteuern können. Von Volendam aus gibt es auch eine regelmäßige, viel genutzte Fährverbindung zur Halbinsel Marken. Wie ich hinterher las, besuchen etwa 1.000.000 Menschen dieses kleine Dorf. Vielleicht hätte ich es gemieden, hätte ich das vorher gewusst. Das wäre schade gewesen, weil es mir sehr gut gefallen hat.

Sobald man das Hafen- und direkte Dorfgelände verlässt und sich auf den Rundweg Richtung Leuchtturm macht, der auf dem höchsten Punkt der Insel steht,  begegnet man nämlich kaum noch anderen Touristen. Sie bleiben in der Nähe des Hafens oder machen Ausflüge mit einem der Plattbodenschiffe.

Es zogen immer mal wieder Regenwolken auf, die schnell wieder verschwanden. Es regnete nur über dem Festland, so dass wir trocken blieben bei der Rundwanderung von etwa 5 km. Die ganze Halbinsel ist ca. 3 mal 2 km groß, man kann sich nicht verlaufen.

Durch den Abschlussdeich, der die Gewässer zu Binnengewässern werden ließ, gab es keine verheerenden Überschwemmungen der Insel mehr. Die Häuser der etwa 1.800 Einwohner stehen erhöht auf Warften. In den vergangenen Jahrhunderten sind sie durch Sturmfluten immer wieder zerstört worden. Allerdings wurden auch die Fischer durch den Abschlussdeich weitgehend arbeitslos.

Die Einwohner von Marken scheinen heute vom Tourismus und von der Landwirtschaft zu leben.

 


Graureiher, menschenfreundlich

 

In einem Landstrich mit der Bezeichnung Waterland wundert es nicht, immer wieder auf diese Vögel zu treffen. Was mich überraschte, war das wenig ausgeprägte Fluchtverhalten. Der Niederrhein ist auch ein Reiher-Gebiet, jetzt sind auch die weißen Reiher wieder da, aber beide, weiße und graue, sind gleichermaßen scheu. Ich brauche ein 200 mm Objektiv und muss noch ausschnittsvergrößert, um die sehr wachsamen Vögel aufs Bild zu bekommen. Hier war es anders. Auf dem ersten Bild saßen wir im Hafen in Enkhuizen im Restaurant, recht nahe an den Booten. Der Reiher auf dem ersten Bild stand unbeweglich an Deck und ließ die Fußgänger in unmittelbarer Nähe passieren, ohne sie zu beachten. Da ich schon einmal von einem Kunst-Uhu genarrt worden war, hielt ich diesen Reiher auch für ein gut gemachtes Kunststoff-Tier, bis er den Kopf bewegte. Er ließ mich so nahe herankommen, dass ich mit meinem Reise-Normal-Objektiv ein Bild von ihm machen konnte. Es folgten weitere, weil dieser Reiher alle Viertelstunde das Boot wechselte, jedoch kaum die Haltung. Auch die weiteren Vögel dieser Serie störten sich nicht an Menschennähe, sie flogen ohne jede Eile aus anderen Gründen auf und ließen sich bald wieder in menschlicher Umgebung nieder. Es gibt Seeadler als Fressfeinde für die Jungvögel, ob es Füchse gibt, weiß ich nicht. Der Mensch wird im Waterland jedoch nicht als Feind gesehen.


Einhundertzwei Stare

 

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Sie üben nun in großen Gruppen für den langen Flug. Zwischendurch lassen sie sich nieder für eine Reisebesprechung, wobei sie, ähnlich wie Menschen, alle gleichzeitig reden bzw. pfeifen und zwitschern.

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In diesem Birnbaum habe ich 102 Vögel gezählt, ohne Garantie, weil sie ziemlich unruhig herumhüpften. Was mich an diesen Vögeln am meisten beeindruckt ist die Fähigkeit, auf Kommando, wer immer das auch geben mag, innezuhalten mit dem Geschwätz. Ganz plötzlich ist es still im Baum, minutenlang. Dann geht es wieder los in allen erdenklichen Tönen. Dieses Herstellen und Einhalten von Ruhe bei so großer Zahl muss ihnen erst mal eine Gattung nachmachen. Unsere scheint dazu nicht in der Lage. Ich könnte mir vorstellen, dass z.B. Lehrer für so ein wirksames Signal zur Herstellung von Ruhe außerordentlich dankbar wären.


Der Mehlschwalben-Sommer

 

Es war wohl ein guter Sommer für die Mehlschwalben. In einigen Bauernhöfen dürfen sie noch nisten, dort sieht man sie in den Kuhstall flitzen und wieder heraus. Besonders gerne halten sie sich in Deichnähe auf und gelegentlich muss ich mich weg ducken, weil sie knapp an meinen Ohren vorbeifliegen. Ich schaue ihnen so gerne zu, weil ihre Flugweise lustig wirkt oder doch mindestens gut gelaunt. Ihre Schnelligkeit und Wendigkeit macht es schwer, sie mit der Kamera einzufangen. Ich werde immer schwindelig dabei.

An der alten Eisenbahnbrücke ist es mir gelungen, eine Fütterung zu beobachten. Es ist sicherlich die zweite Brut, vielleicht sogar die dritte. Der Sommer war wohl genau richtig für diese quirligen Flugkünstler.

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Insekten gab es und gibt es immer noch genug, um alle Elternvögel und die Nachkommen mit Energie zu versorgen. Es dauert ja nicht mehr lange und sie sammeln sich für die große Reise in den Süden.

 


Überfülle

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Gestern morgen erwartete mich diese Überraschung auf der Obstwiese. Zuerst war nur die rechte Seite gebrochen, zwei Stunde später brach auch die Krone aus dem Baum. Es ist einer von zwei Boskop-Bäumen. Ich hatte schon vorher Befürchtungen, zumal von der Obstkelterei Hinweise verschickt wurden, was man gegen die Überfülle tun soll. Die Bäume sind zu hoch, um sie abstützen zu können. Über den Hinweis, eine Handbreit Platz zwischen den einzelnen Äpfeln zu schaffen, indem man die dazwischen heraus pflückt, konnte ich nur lachen. Ich habe schließlich kein Personal für so was.

Inzwischen sah ich in der Umgebung drei weitere Boskop-Bäume in diesem Zustand. Die Früchte werden noch doppelt so schwer, es ist also noch mehr Baumbruch zu erwarten. Den zweiten Baum habe ich tüchtig geschüttelt, so dass beschädigte Äpfel herunter fielen. Die unbeschädigten sitzen fest genug am Stiel, denen schadet das Schütteln nicht. Heute habe ich, um den Bruchbaum zu retten, überflüssiges Laub herausgeschnitten, damit das Gewicht (vor allem bei Regen und Wind) schon mal wegfällt.Die (zu) großen Wunden versiegelte ich mit Baumwachs, damit es nicht zu Pilzbefall kommt. Es ist so schade um den schönen, gut gepflegten Baum. Unsinnig von der Natur, die Bäume so dicht zu bestücken, dass sie unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.Was ist denn das für eine Misswirtschaft!  Jetzt gilt es, die unreifen Äpfel zu entsorgen und das Holz zu sägen, zu zerschneiden und zu schreddern. Das war so nicht vorgesehen. Ich fange an, mich auf den Winter zu freuen.

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Bitte Daumen drücken, dass der zweite Baum verschont bleibt. Er ist etwas kleiner und hat nicht so weit ausladende Äste, aber er hängt viel voller, als auf dem Foto zu sehen ist.