Frost am Niederrhein

Endlich Winter!

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Rattenschwanzlarven

Unter einem der Walnussbäume an der Terrasse steht ein Schweinetrog, ringsum mit Moos und Efeu bewachsen, im Sommer Vogelbad und Katzentränke, wahrscheinlich schlürft auch der Marder hier das Wasser nach seinen Mahlzeiten. Jetzt liegt sie voller Walnussblätter, das Wasser ist hellbraun gefärbt von ihnen. Ich wollte mich daran machen, die vermodernden Blätterschichten herauszuheben als ich Bewegungen wahrnahm zwischen dem Moder. Sehr kleine  Tierchen, etwa 20 – 30 mm schwammen umeinander, einige hatten ihre langen Schwänze ineinander verhakt und machten auseinander strebende Bewegungen wie die Hühner der Witwe Bolte. Ich hatte solche schwimmenden Objekte noch nie gesehen, fischte einen Teil in eine Schüssel und studierte mit der Lupe, was sie so treiben. Sie sehen durchsichtig aus, haben an den Seiten  Flimmerhärchen und am Schwanzende eine Öffnung.

Da sie mit dem langen „Schwanz“, der  die 3-6fache Körperlänge misst,  auffällig unter den Larven sind, fand ich sie recht schnell bei der Internet-Suche. Es sind die Larven der Mistbienen, die wiederum keine Bienen, sondern Schwebefliegen sind und sich gerne in der Nähe von Misthaufen und ähnlich Unappetitlichem aufhalten. Die Larven mögen nun logischerweise brackiges, modriges Wasser. Der Schwanz ist ein Saugrüssel, mit dem sie Wasser aufnehmen und filtern. Die Öffnung soll auch von Härchen umgeben sein, was ich aber mit bloßem Augen und auch mit der Lupe nicht selbst gesehen, nur gelesen habe. Auf den Fotos sieht man einen hellen Ring, der darauf hindeutet.

Beim Fotografieren, was sich schwierig gestaltete, da die Viecher dauernd in Bewegung sind und so klein, dass ich mich mit dem Kopf und Objektiv tief in die Schüssel beugen musste und dabei das Licht nicht aussperren durfte, erschien es mir wie ein eigener kleiner Kosmos. Seht selbst:

 

Die Mistbiene habe ich bisher auch noch nicht als solche identifiziert und schon gar nicht als Schwebefliege.  Hier gibt es eine gute Seite dazu. Im Frühjahr wird sie mir nun vielleicht als solche auffallen.


Ewiges Meer

 

Am letzten Tag unseres zu kurzen Aufenthaltes in Ostfriesland zog es mich, zunächst wegen des Namens und zum anderen weil ich Moore mag, zum Ewigen Meer, zwischen Aurich und Westerholt gelegen. Das Naturschutzgebiet liegt in einem etwa 33 qkm großen Moorgebiet „Großes Moor“ genannt. Es gibt einen sehr schönen Rundweg aus Holzbohlen, so wie ihn die Menschen schon vor mehr als 2.000 Jahren benutzten, um über die Moore zu laufen. Ein Drittel des Weges führt am Ewigen Meer vorbei, ein Moorsee von ca. 90 ha Größe. Auch dieses Gebiet sollte, wer an der Ruhe und der Mystik dieses Ortes interessiert ist, im Winter besucht werden, weil es Sommertags offenbar von zahlreichen Besuchern um die Ruhe gebracht wird.

Allerdings stelle ich es mir auch reizvoll vor, den Wechsel der Jahreszeiten hier zu beobachten. Wir hatten das Glück, einen Tag mit Minustemperaturen zu erleben, die Gräser und noch vorhandenen Blätter mit Raureif bedeckt, über der Wasserfläche ein kühler Dunst, der Himmel winterlich verhangen.

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In Aurich haben wir völlig unerwartet und ganz zufällig ausgezeichnet zu Mittag gegessen. Ich fand den Namen „Eßzimmer“ so schön für ein Restaurant und es entpuppte sich als Volltreffer, was die Ausstattung und die Qualität der Mahlzeit gleichermaßen betrifft.
Ostfriesland hat viel mehr zu bieten, als gemeinhin angenommen wird. Langweilig ist es auf keinen Fall. Auch die Menschen sind keineswegs so stur und maulfaul, wie ich es mir vorgestellt hatte nach Erfahrungen in den benachbarten Regionen.

Es gibt noch einige andere Moorgebiete bis in Emsland hinein. Dahin wird es sicher noch eine weitere Kurzreise in diesem Winter geben.


Malerisches Greetsiel

Von Norden nach Greetsiel fährt man etwa 15 km unterhalb des Deiches entlang mit immer wieder sehr schönen Ausblicken in die Landschaft und der Möglichkeit, hier und da vom Deich aus auf das Watt zu schauen.

Greetsiel ist sicherlich der bekannteste Ort an der Küste Ostfriesland,  mit vielen kleinen, alten Häusern, einem malerischen Fischerhafen, Zwillingsmühlen nach holländischer Art, einer sturmschiefen Kirche und vielen Restaurants und gemütlichen Teestuben und Cafés, die gerade im November, wenn die Temperaturen um den Nullpunkt liegen, zum Verweilen einladen. Es ist gar nicht so einfach, sich zu entscheiden, welches Heißgetränk man kosten möchte; vom Ostfriesentee mit Kluntje, dem Pharisäer (heiße Schokolade mit Rum), Sanddorn-Grog, Rum-Grog, Eier-Bier bis hin zur großen Tasse Milchkaffee wird alles geboten, es ist jedoch nicht ratsam, alles hintereinander zu probieren.

Im Sommer, stelle ich mir vor, wird es hier touristisches Gedränge geben. Der Winter ist daher die richtige Jahreszeit für friesischen Tee und leckere Fischgerichte. Frischer als hier wird man den Fisch kaum bekommen, hat Greetsiel doch die größte Kutter-Flotte an der Nordsee.

In westlicher Richtung lädt ein Naturschutzgebiet entlang der Hafenzufahrt zum Wandern ein. Überall stehen Bänke am Weg, so dass man ausruhen und den Blick über die Wasser-, Schilf- und Röhrichtflächen schweifen lassen kann, die Wasservögel beobachten und das Wolkenspiel am Winterhimmel. Das Licht ist in der kalten Jahreshälfte ein anderes als im Sommer.

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Wattenmeer

Wenn man auf die Küste zufährt, sieht man am Straßenrand das Schild „Weltkulturerbe Wattenmeer“. Ich hoffe, es hilft, diese Gebiete weitgehend unberührt zu lassen.


Friesländer

Ostfriesland ist die andere Hälfte von Friesland auf der deutschen Seite. Zwischen West- und Ostfriesland liegt noch ein Landstreifen, der nicht dazu gehört. Nordfriesland kenne ich auch, allerdings macht es mir gedankliche Schwierigkeiten, die Himmelsrichtungen ordentlich einzuordnen. Außerdem wirkt Nordfriesland nicht so friesisch, wie die anderen beiden.  Landschaftlich gibt es große Ähnlichkeiten, ausgedehnte Felder mit Wassergräben dazwischen. Nicht einmal ein klitzekleiner Hügel. Die Bauwerke, ob Bauernhäuser oder Dorfbebauung gefielen mir in Westfriesland besser, sie wirken heimeliger, gemütlicher. Am zweiten Tage habe ich aufgehört zu vergleichen, weil beide „Friesländer“ ihren eigenen Charme haben.

Wir wohnten in Norden, gleich neben Norddeich, welches wohl bekannter ist. Die Saison war vorbei, was überall deutlich zu erkennen war, nicht nur wegen des spärlichen Touristenaufkommens.  Das eine oder andere Restaurant macht im November Betriebsferien oder hat mittags nicht mehr geöffnet. Es ist aber noch ausreichendes Angebot vorhanden. Von Norddeich aus fahren die Fährschiffe nach Juist und Norderney. Da hielten sich offenbar noch Touristen auf, wie man an den abgestellten Autos erkennen konnte, die nicht mitgenommen werden dürfen.  Der Segelhafen war leer. Seltsamer Anblick.

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Auf den Deichen entlang lässt es sich bequem wandern, auch wenn man nicht so gut zu Fuß ist. Das Wattenmeer erschien mir immer etwas langweiliger als die offene Nordsee. Hier wurde ich eines Besseren belehrt. Bei gutem Wetter mit schönem Wolkenspiel ändert sich die Spiegelung und die Farbe auf der nassen Fläche und auf dem Wasser immerzu.

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Die Wolken haben hier die Tendenz, nach unten auszufransen, so als würden sie von der Erde unwiderstehlich angezogen. Statt des Wellenrauschens höre ich hier die Tonleitern der Wasservögel. Es passiert nichts, nicht mal ein Schiff zeigt sich am Horizont. Gerade noch wahrnehmbar zeichnen sich am Horizont die Konturen der Inseln ab.

 

Die Beleuchterin hoch oben gibt ihr Bestes, Sorgen und Kummer für ein paar Stunden vergessen zu machen. Das ist besser als jede Wellness-Oase.


Mit der Kamera gemalt

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