Hängende Häuser in Cuenca

Hängendes in Cuenca

Die letzte Station unserer Reise sollte auf dem Rückweg zum Flughafen Madrid liegen. Wir steuerten also Cuenca an ohne jede Vorstellung, was uns erwarten würde.

Nach den trockenen Feldern der Hochebene wurde die Landschaft hier plötzlich felsig. Um zu dem Hotel Cueva del Fraile, etwas außerhalb Cuenca zu gelangen, mussten wir durch eine Schlucht fahren, die erstmals den Eindruck von Herbst vermittelte, weil es hier grüne Blätter an hohen Bäumen gab, Sträucher und Gärten, die sich nun herbstlich färbten. Cuenca liegt auf einem Felsplateau zwischen den beiden Flüssen Júcar und Huécar. Die Altstadt gehört zum Weltkulturerbe und ist sehr beeindruckend, weil die alten Häuser vom Tal aus wirken, als seinen sie aus dem Fels gewachsen, wobei Balkone und Glasveranden über den Felsen hinausragen, weshalb von hängenden Häusern gesprochen wird. Etwas außerhalb der Stadt formieren sich die Felsblöcke so bizarr, dass sofort große Wanderlust aufkommt.

Im Innern der Altstadt fällt besonders die Plaza Mayor auf, an der auch die erste gotische Cathedrale Spaniens liegt, deren Baubeginn um 800 datiert wird und die sich unbedingt zu besichtigen lohnt. Etwas oberhalb der mittelalterlichen Häuser ergeben sich immer wieder neue, überraschende Ausblicke ins Tal und auf die Flüsschen, auf den Parador, ein ehemaliges Klostern, und die gegenüberliegenden Berge.

Vor einem Lokal an der höchsten Stelle am Rande der Stadt verabschiedet sich eine Gruppe junger Leute voneinander, es konnten Studenten sein. Die Verabschiedung dauert fast eine Stunde, es wird immer wieder auf die Wangen geküsst und mir fällt nicht zum ersten mal auf, dass die Spanier laut küssen und sich dabei anfassen. Es ist nicht der elegante Hauch an den Wangen vorbei mit leicht auf die Oberarme gelegten Händen, wie bei den Franzosen, es werden ordentlich die Lippen geschürzt und mit einem deutlichen Kuss- bis Schmatzlaut die Wangen tatsächlich berührt, manchmal auch nur angedeutet, was vielleicht mit dem Grad der Intimität zu tun hat. Aber auch die Andeutung an der Wange entlang erfolgt gut hörbar. Es wirkt überaus herzlich, wie die jungen Männer und Frauen sich voreinander trennen, es sieht aus wie für Jahre, kann aber genau so gut nur bis zum nächsten Tag sein.

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Aus dieser kleinen Universitätsstadt kamen wir am Morgen kaum wieder heraus. Es war, wie in allen kleinen Städten Spaniens, ein Wahnsinnsverkehr. Auf den Ampelkreuzungen standen je zwei Polizisten mit Trillerpfeifen um das Chaos mit beachtenswert tänzerisch dramatischer Choreographie irgendwie in Bewegung zu halten. Und wie immer – draußen vor der Stadt hatten wir freie Fahrt. Diesmal Richtung Flughafen.

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