Alara-Flusstal und Alara-Burg


Ein Fluss, eine Burg, ein Laptop und zwei Kamele

Zwischen Alanya und Side öffnet sich das Alara-Flusstal, dem wir bis zur Alara-Burg gefolgt sind. Rechts und links des Flusses stehen moderne Treibhäuser, an der Straße entlang neben Wohnhäusern auch barackenartige Behausungen. Kurz bevor wir die Ruine der alten Brücke über den Fluss erreichten, schon mit Blick auf die Burg, sah ich aus den Augenwinkeln zwei Kamele unter den Palmen liegen.

Beim Herumgehen gelang mir dieses Foto, was sehr bezeichnend ist, notdürftige Unterkünfte und auf dem Tisch ein Laptop. Nirgendwo habe ich vergangene Jahrhunderte und Neuzeit so dicht nebeneinander erlebt wie in diesem Landstrich. Hier entlang führte einmal die alte Seidenstraße. Die Karawanserei ist noch erhalten. Die Brücke brachte ein tosendes Hochwasser vor Jahrzehnten zum Einsturz.

Die Burgmauern, die sich wie ein Schneckengehäuse am Berg entlang ziehen, übten eine beinahe magische Anziehung auf mich aus. Einer der Budenbesitzer am Fuß des Berges führte uns zum versteckten Eingang des Tunnels, lieh uns seine Taschenlampe und ließ uns dann allein. Als mein liebster Reisebegleiter in den stockdunklen Tunnel schaute, die Höhe und wenig zuverlässige Ausarbeitung der Stufen sah, verweigerte er erstmals die Begleitung. Der Reiz war jedoch so groß, dass ich wenigsten ein Stück erkunden wollte, mit dem Versprechen, vorsichtig zu sein. Meine Bergschuhe war nun sehr nützlich, die Taschenlampe hingegen lästig, weil ich oft beide Hände brauchte um mich mit Hilfe der Einbuchtungen und Vorsprünge in den Felswänden vorwärts zu ziehen. Die Stufen hatten die drei- bis vierfache Höhe von normalen Stufen und zwangen mich gelegentlich auf die Knie. Die Felswände fühlten sich feucht an. Ein plötzliches Aufkommen von Dämonen, Orks oder anderen Ungeheuern hätte mich nicht gewundert. Dann sah ich Tageslicht durchschimmern und erklomm das letzte Stück des Stufenanstiegs. Schon hier hatte ich einen wunderbaren Blick über das Flusstal. Es hatte sich gelohnt.

Ein wenig höher wollte ich aber doch noch und ging so lange, bis meine Vorsicht die Oberhand gewann, weil ich nicht schwindelfrei bin. Der Abstieg war mühsamer als der Aufstieg. Am nächsten Morgen hatte ich höllischen Muskelkater in den Oberschenkeln, nicht jedoch das Mitleid meines Nicht-Begleiter.

Nachdem wir zu überhöhten Preisen beim freundlichen und auskunftsfreudigen Ausleiher der Taschenlampe etwas getrunken hatten, suchte ich die Kamele, die jetzt in einem Verschlag standen und traurig dreinschauten. Die Kamele im Duisburger Zoo gucken lustig dagegen. Ich dachte an die Kamelringkämpfe, von denen der Reiseleiter erzählte. Das stimmt tatsächlich, wie ich bei der Google-Suche feststellen konnte. Die Hengste werden mit dem Duft der Kühe verrückt gemacht und ringen sich gegenseitig mit ihren Köpfen und Hälsen als vermeintliche Rivalen nieder. Nun ja, sie werden immerhin nicht abgestochen wie die Stiere in Spanien.

Auf die Burg würde ich gerne noch einmal steigen, mit einem willigen Begleiter bis ganz oben. Auch dem Flusslauf wäre ich noch gerne gefolgt. Aber im Winter wird es abends früh und ziemlich plötzlich dunkel, weil die Sonne hinter den Bergen verschwindet.

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