MMK und Städel

Moderne Leere und die Fülle des Mittelalters

Ins Museum für Moderne Kunst, auch Tortenstück genannt, kam ich erstmals umsonst hinein. Es wurde gerade neu aufgebaut und nur einige Räume der ständigen Sammlung waren normal bestückt. In den anderen Räumen standen Verpackungsmaterialien, Holzböcke, drehbare Hebebühnen. Ich habe in diesem Haus schon manches Seltsame gesehen und war der Dame an der Kasse dankbar, dass sie mich aufmerksam machte auf die Vorbereitungsarbeiten auf die neue Ausstellung. Ich weiß nicht, ob ich gleich darauf gekommen wäre, hätte sicherlich eine Weile lang die Ensemble für Ausstellungsstücke gehalten.

Vielleicht doch ein Kunstwerk?

Auch den völlig leeren Raum in der zweiten Etage mit nur weißen Wänden und sonst nichts außer der Aufseherin hätte ich für eine neue Art der Performance gehalten. Als ich diesen Raum in seinem kühlen, zur Meditation einladenden Weiß, hell erleuchtet zumal, fotografieren wollte, kam die Aufsichtsdame sogleich auf mich zu und wies freundlich darauf hin, dass dieses nicht gestattet sei, man brauche eine Genehmigung. Auf meine Frage, ob das auch für leere Räume gelte, reagierte sie verunsichert. Das könne sie nicht entscheiden. Ich wollte sie nicht länger quälen und verzichtete aufs Foto, auch wenn es mir leid tat. Wann kriegt man schon mal einen absichtslos leeren Raum im Museum zu sehen? Dass er trotzdem bewacht werden muss, leuchtete mir ein, man stelle sich vor, ich hätte eines meiner Werke an die unbewachte Wand gehängt.

Ganz anders im Städel. Dort herrschte im Untergeschoss und somit in der aktuellen Ausstellung Der Meister von Flémalle und Rogier van der Weyden großer Andrang. Es war schwer, an die überwiegend kleinformatigen Arbeiten so weit heranzukommen, dass sich die Feinheiten, um die es ging, auch zeigten. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde in einigen Werkstätten der Niederlande die Eitemperamalerei durch die Ölfarbe abgelöst. Diese neue Technik ließ eine bis dahin nicht gekannte detailreiche Malweise zu. In dieser Ausstellung wurden viele Werke erstmals ausgeliehen und nebeneinander gezeigt, so dass unmittelbares Vergleichen möglich wurden. Bis heute scheinen die Zuschreibungen einiger Bilder nicht eindeutig zu sein, welches Bild von Robert Campin (der Meister von Flémalle) und Rogier van der Weyden stammt, der zwischen 1427 und 1432 in der Campin-Werkstatt tätig war. Die Manier ist sehr ähnlich.

Zwischen den dunkelrot bespannten Museumswänden bewegte sich ein Publikum gleich kunsthistorischen Detektiven, die Blicke vergleichend hin und her wandern lassend, die belehrenden Stöpsel im Ohr, sich vorbeugend, um das zart gespannte, durchsichtige Tuch zwischen frommen Händen noch besser sehen zu können. Für jedes der Bilder hätte man gut eine Stunde rechnen müssen, wenn man jedes Detail des Vorder- und Hintergrundes hätte gewürdigt wollen. Dazu war es dann aber zu eng und zu voll, die Räume zu dunkel und drückend. Das kann ich leider nicht. Im Gegensatz zu den alten Meistern musste ich mir daher Beschränkungen auferlegen. Die Ausstellung war verlängert worden und ist jetzt vorbei.

Zurzeit gibt es Zeichnungen von Michelangelo oder ihm zugeschriebene zu sehen. Auch davon ein Video auf der selben Seite. Die würde ich auch gerne anschauen, kann aber nicht immerzu nach Frankfurt fahren. Hier noch ein Foto vom anschließenden Spaziergang am Schaumainkai.

Alter Baum vor neuen Häusern

Alter Baum vor neuen Häusern

Advertisements

3 Kommentare on “MMK und Städel”

  1. ottogang sagt:

    Deine Frankfurter Kunstbeiträge zeigen mir leider überdeutlich, daß ich während meiner „Frankfurter Zeit“ wohl doch einiges ausgelassen habe.
    Schöner Beitrag.

  2. karu02 sagt:

    Danke. Frankfurt ist immer eine Reise wert. Ich sehe es jedes Mal mit anderen Augen.

  3. Liebe Karu,
    fein, dass mir hier die Möglichkeit gegeben wird, etwas von Dir zu lesen. In einem stilvollen und gediegenem Ambiente. Freue mich auf mehr…Karsten


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s