Alcantara und Umgebung

Alcántara oder wie sich Wichtigkeiten ändern

Der Ortsname leitet sich vom arabischen al-qantarat ab und bedeutet “Die Brücke”.

Die Römerbrücke ist auch das beeindruckendste Bauwerk mit einer Länge von 194 m, vollständig erhalten und immer noch befahren. Es ist leicht, sich vorzustellen, wie wichtig diese Brücke einmal gewesen sein muss als einzige über den Tajo und damit eine Verbindung zwischen Nordwest und Süd der Halbinsel. Wichtige Straßenverbindungen wurden immer von Burgen bewacht. So auch hier. Von der Brücke aus sieht man das Convento de San Benito, in dem ein spanischer Ritterorden seinen Hauptsitz hatte, der speziell zur Bewachung und zum Schutz der Brücke eingesetzt wurde.

 

Das Städtchen selbst mit der Kirche Santa Maria de Alcóvar wirkt dagegen eher bescheiden und beschaulich. Immer wieder schaut man zwischen den niedrigen, weißgetünchten Häusern hindurch auf die hügelige Steppenlandschaft mit den Trockenmauern. Auch hier überall Storchennester. Etwas außerhalb des Ortskerns befindet sich der Parador el Puente in einem ehemaligen Kloster. 600 m oberhalb der Römerbrücke ist die Absperrmauer der Talsperre zu sehen. Von dort aus machten wir uns auf, den Stausee zu umrunden.

Der gestaute Tajo und die Landschaft der Extremadura 

 

Es wären mehrere Tage nötig, diesen Stausee zu Fuß zu umrunden.   Wie fast allen Stauseen ist auf diesem etwas Unnatürliches zu eigen, abzulesen an den Ufern, die künstlich wirken, nicht gewachsen oder ausgespült, angeschwemmt oder angebrochen, wie es bei natürlich entstanden Seen der Fall ist. Hier scheinen die Wiesen und Trockenmauern unter Wasser genau so weiterzugehen.


Nichtsdestotrotz ist die Landschaft um den See herum sehr abwechslungsreich. Immer wieder fließen Bäche durch die steinigen Wiesen, ragen Felsblöcke aus dem Nichts, weiden Schafherden und dösen Rinder vor sich hin. Hier sah ich das erste Mal große Gruppen von Rotmilanen, zu erkennen am gespaltenen Schwanz und den roten Leuchten, wenn die Sonne das Gefieder trifft. Aber auch große Gruppen von Gänsegeiern konnten wir hier beobachten.

Wie gründlich die Geier ihre Arbeit verrichten, wurde uns im Laufe einer Wanderung klar. Zuerst konnte ich einen Geier mit der Kamera einfangen, der ein verendetes Schaf mit drei Artgenossen teilte, die aber sogleich aufflogen, als ich zum fotografieren nahe genug herangekommen war.

 

In dieser Menschenleeren Landschaft störten wir nur. Auch Adler ziehen hier ihre Kreise, oft sehr hoch oben, nur an der Form der Flügel und des Schwanzes von den Geiern zu unterscheiden.

Da es nur sehr wenige Ortschaften gibt in diesem Gebiet und die einzige, die wir um die Mittagszeit fanden, kein einziges geöffnetes Restaurant hatte, die Minimärkte schon geschlossen wegen der Siesta, stellten wir uns auf Hunger bis zum Abend ein. An der nächsten Straßenkreuzung jedoch gab eine Disco und eine Bar. Dort fragten wir nach einer Mahlzeit. Der Wirt antwortete bereitwillig, wir verstanden jedoch nichts. Er schaute uns einen Moment lang an und ging dann in die Küche, kam mit einem

Tellerchen Eintopf zurück, das er uns zum probieren hinstellte. Wir ließen uns, weil er vorzüglich schmeckte, diesen Eintopf aus zartem Rindfleisch und Gemüsen gerne servieren und verließen gestärkt die gastliche Stätte.

Wir kam vorbei an der Stelle, wo Teile einer Römerbrücke vor der Überflutung des Tals gerettet und an dieser Stelle wieder aufgebaut worden war. Wir wanderten zwischen bizarren Steinformationen, entdeckten in den Bächen Wasserschildkröten, die sehr schnell auf jede Bewegung reagieren und sofort abtauchen. Mit etwas Geduld ist es mir dann doch gelungen, eine davon vor dem Sprung ins Wasser einzufangen.

Später gelangten wir in ein Tal mit diesen Bäumen und einer eigenartigen Atmosphäre, die von den Bäumen auszugehen schien. Auch die Luft schmeckte hier anders, als in den Steppengebieten weiter nördlich.

Mit Fahrrädern würden wir diese Tour gerne noch einmal machen.

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2 Kommentare on “Alcantara und Umgebung”

  1. ottogang sagt:

    Wunderbare Beiträge und Fotos dazu.
    Eigentlich könnte man neidisch werden, aber ich gönne es Dir von Herzen, es ist einfach nur schön zu lesen und anzuschauen.

  2. karu02 sagt:

    Danke für Deine Worte. Es freut mich sehr, wenn ich ein wenig von dem vermitteln kann, was mich beeindruckt hat und mir so viel Freude bereitet. Ich habe Jahre gebraucht, das Reisen zu lernen.


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