Hardelot

Wie mir auf dem Weg von Le Portel nach Hardelot eine Lektion in Geduld erteilt wurde.

Wir wollten sehen, wie es hinter Boulogne-sur-mer weitergeht und fuhren mit dem Auto bis Le Portel. In der Nähe des Leuchtturms gab es einen Parkplatz. So konnten wir uns zuerst den ungewöhnlichen Leuchtturm mit einer Wendeltreppe außen herum ansehen. Er steht inmitten von altem Gemäuer, ein schöner Kontrast für meine Fotos. Auch hier befinden sich allerlei Beton im Boden, der vom zweiten Weltkrieg übrig geblieben und offenbar nie mehr zu entfernen ist. Die Natur lässt diese Unansehnlichkeiten wohl mit der Zeit verschwinden, es dauert nur noch eine Weile.

Während ich noch den Phare d’Alprech umkreiste, ging eine Gruppe behinderter Menschen in Wanderkleidung mit ihren Betreuern an uns vorbei auf den Dünenweg zu. Sie waren schon eine Weile weg, als wir sie hinter einer Bodenwelle wieder sahen. Ein Mann war zurückgeblieben und band offenbar seine Schnürsenkel neu. Die Gruppe stand in einiger Entfernung und wartete, die Blick auf den gebeugten Mann gerichtet. Für mich waren das gefühlte 15 Minuten. Je näher wir kamen desto deutlicher wurde, welche Schwierigkeiten der Mann mit seinen Schuhbändel hatte. Ich dachte an meine Kinder, als sie diese Aufgabe zu lösen versuchten. Ich wurde ganz kribbelig, wäre gerne hin geeilt und hätte dem Mann die Bänder zu einer schönen Schleife gebunden. Die Gruppe wartete immer noch und jetzt endlich, wir hatten ihn schon fast erreicht, richtete er sich auf und lief ohne Eile auf die Gruppe zu, die jetzt weiterging. Niemand von ihnen, auch die Betreuer nicht, hatten ansatzweise etwas von Ungeduld erkennen lassen.

Wir sind zuerst auf den Klippen entlang bis zu einem Bach gegangen, der uns den Abstieg zum Strand ermöglichte. Auf dem Stück bis Equihen-Plage tun sich bei Ebbe Welten aus Steinen und Muscheln auf, die bizarr wirken. Von Weitem sieht es so aus, als käme der Fußwanderer gar nicht durch. Die bis zu mannshohen Steinbrocken, vom Meer glatt geschliffen oder vom Wasser zerklüftet, bieten jedoch immer Möglichkeiten, sich  hindurch zu schlängeln. Wir sahen einige wenige Menschen, die mit Eimern und Werkzeugen unterwegs waren, um Muscheln und Krebse einzusammeln. Um die verschiedenen Muscheln von den Steinen zu lösen, ist offenbar tatsächlich spezielles Werkzeug nötig, ich habe es mit der bloßen Hand nicht geschafft.

Nach dieser „Mondlandschaft“ öffnete sich eine weite Bucht mit festem Sand, da das Wasser gerade erst abgelaufen war. Trotzdem ist das Sandlaufen anstrengend und wir suchten im Örtchen Equihen-Plage nach einem Restaurant. Das dauerte eine Weile, da wir ohne Karte unterwegs waren. Die Suche hatte sich gelohnt, wir fanden ein Restaurant, Le Bouquet, ich denke, das einzige im Ort,  oben auf den Klippen mit einer sehr schönen Aussicht über die Bucht. Nur leider war die Terrasse noch nicht ganz fertig, die demnächst einen Holzboden haben wird. Das Essen war  sehr gut, die Bedienung ausgesprochen freundlich.

So gestärkt konnten wir die nächste Etappe bis Hardelot bewältigen. Der Ort war wohl schon immer ein Badeort. Es stehen ein paar sehr schöne Häuser aus der Jahrhundertwende des vergangenen Jahrhunderts im Ort und vor allem als Ensemble in Strandnähe. Diese Villen wurden 1807 vom Architekten ….. errichtet, jede sieht anders aus und doch ist es eine schöne Einheit mit einem kleinen Park davor. Nur leider haben die Vertreter der Gemeinde die schwere Sünde begangen, für die achtstöckigen Häuser an der Strandpromenade entlang eine Baugenehmigung zu erteilen. Wie kann man an diese Stelle solche Betonburgen bauen? Dem Villen-Enseble wurde dadurch nicht der Charme genommen, aber das Gesamtbild wird doch stark beeinträchtigt. Sehr schade. So brauchte ich aber auch nicht darüber nachzudenken, ob ich die eine der Villen, die zum Verkauf anstand, erwerben möchte. Geschenkt hätte ich sie wahrscheinlich trotzdem genommen.

Auf dem Rückweg, der wegen der Flut nicht mehr durch die Steine führen konnte, kamen wir durch ein Motor-Cross-Gelände, froh, in keine Aktivitäten hineingeraten zu sein. So wie das Gelände aussah, mit rasanten Höhen und Tiefen und einer Abflugrampe konnte ich mir den Lärm gut vorstellen, des es hier auszuhalten gegeben hätte. Für Liebhaber solcher Spektakel ist es sicher eine tolle Anlage.

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4 Kommentare on “Hardelot”

  1. Uffnik sagt:

    Danke, daß ich dabei sein durfte. Toller Bericht mit ebensolchen Fotos!

  2. philipp1112 sagt:

    Die Überschrift liest sich wie aus dem Simplicius Simplicissimus, der Beitrag ganz einfach schön.

  3. buskutscher8 sagt:

    Ein klasse Beitrag mit ebenso tollen Bildern, da kam sofort die Erinnerung wieder, als man selber in dieser Gegend verweilte. Eine Landschaft, die man mehrmals ansteuern muss.

  4. doritvirtuell sagt:

    Sehr schöner Bericht mit tollen Fotos, so kommt man in eine Gegend wo man noch nie war und wahrscheinlich auch nicht mehr hinkommt. Vielen Dank, dass du es uns ermöglichst dich virtuell zu begleiten 🙂


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