Fliegensammlung in Admont

Ich mache mich  gerne vorher nicht kundig. Höchstens ein bisschen. So habe ich vorher gewusst, dass es im Benediktinerstift Admont eine Bibliothek gibt und anderes Gesammeltes außer den 75.000 Fliegen, mehr aber nicht. Entsprechend neugierig näherte ich mit an dem Regentag, der auf den Schnee folgte, dem Klostergelände in Admont, wo mir als erstes Hemma von Gurk begegnete, der Stifterin des Klosters,  hoch oben auf einem Sockel, eher schlicht dargestellt, weniger wie eine der reichsten Frauen ihrer Zeit (um 1000). Mir war sie bis dahin noch nie begegnet aber ich hatte ja zuvor auch vom Kloster noch nie gehört oder gelesen.

Stiftskirche Kloster Admont

Hl. Hemma von Gurk

Der Eingangsbereich entspricht dem eines mittelgroßen Museums. Ein gläserner Aufzug lässt das altehrwürdige Bauwerk modern erscheinen. Ich wollte mit dem 2. Obergeschoss beginnen, mit dem Naturhistorischen Museum und der Sammlung von Pater Gabriel Strobl, der 1846 geboren wurde und 1925 im Stift Admont starb. Er war Priester und Entomologe. Er wurde nach einem verheerenden Brand 1865, bei dem eine bedeutende Sammlung vernichtet wurde,  mit dem Wiederaufbau des naturhistorischen Museums beauftragt. In 44 Jahren legte Gabriel Strobl eine neue Sammlung an, wobei die ersten 12 Jahre der Botanik galten. 32 Jahre lang gab er sich dann er Insektenforschung hin und war somit einer der wichtigsten Wissenschaftler seiner Zeit. Seine veröffentlichen Arbeiten behandelten hauptsächlich die Zweiflügler, aber auch über Hautflügler und Käfer hat er geforscht.

Hier, in der obersten Etage des Museums bieten sich 252.000 Insekten-Exemplare dem Auge dar. Die Fliegen-Sammlung mit 75.000 Exemplaren zählt zu den drei wichtigsten in Europa.

Nun sind mir im eigenen Garten schon einige Vertreter der Gattung begegnet, fliegend und krabbelnd, wie man jedoch so viele unterschiedliche Exemplare auftreiben kann, ist mir ein Rätsel. Fein säuberlich sind hier 7.500 verschiedene Arten aufgespießt, von beinahe furchteinflößenden, haarigen, großäugigen Fliegen, unsere „Brummer“ weit übertreffend, über zarte, fast durchsichtige,   bis hin zu solchen, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Diese passten auch nicht auf die Nadelspitze sondern waren nebeneinander aufgeklebt auf Kartonstreifen. Unsere Fruchtfliegen sind bei weitem nicht die kleinsten, habe ich dort gelernt. Was das Ärgern über lebendige Fliegen betrifft, würden mir ein oder zwei Exemplare genügen. Bei den Käfern und den Schmetterlingen, sogar bei den Zikaden, die neben den Fliegen hier auch zu sehen sind, ist mir die Vielfalt willkommener. Die Frage taucht auf, wie werden die Farben der Käfer – z.B. Rosenkäfer – über Jahrzehnte so schön leuchtend erhalten. Ich habe eine frisch verstorbene Libelle aus der Steiermark mitgebracht, die zu schade war für den Müll, aber leider auch in der kurzen Zeit schon ihre grün-roten Ringel verloren hat und nur noch unansehnlich braun daliegt. Nein, ich werde neben meiner Froschsammlung keine neue beginnen, wüsste nur gerne den Trick der Farberhaltung. Auch bei den Schmetterlingen gab es wunderbar erhaltenes Design. Die ausgestopften Tiere drei Räume weiter, wirken leider immer sehr viel toter, als die Insekten.

Zwischen den Insekten und den Mineralien gibt es einen Raum mit Äpfeln, der mich sogleich magisch anzog. Es handelt sich um die Wachsobst-Sammlung von Pater Constantin Keller (1778 – 1864). 234 Exemplare, hauptsächlich Äpfel die damals in der Steiermark wuchsen, auch einige Birnen und ein paar Quitten hat er naturgetreu nachgebildet, mit Schorfstellen, Verformungen und Farben, die die Früchte echt aussehen lassen.


11 Kommentare on “Fliegensammlung in Admont”

  1. philipp1112 sagt:

    Allein die Fliegensammlung ist ja eine Reise dorthin wert!

    • Uffnik sagt:

      Wie sich Geschmäcker doch unterscheiden😉
      Wenn ich, wo auch immer, nicht fotografieren darf, gefällt es mir sicher nur noch halb so gut. Die Erfahrung mußte ich leider auch ganz massiv in Dresden machen. Man möchte halt eigene Postkarten verkümmeln. Selbst so berühmte Namen wie „Karu“ oder philipp von Qype“ nutzen da nichts.

      • philipp1112 sagt:

        Es ist die Vielfalt und die unterschiedliche „Architektur“ der Insekten, die mich reizt.

        Fotografieren ist nur EIN Mittel Gesehenes uns Geschehenes im Bild festzuhalten. Viele Bilder speichern wir ohne sie mit einer Kamera festgehalten zu haben – und nicht nur Bilder möchte ich in meinem Kopf speichern – und dazu bedarf es anderer – mir sehr gut gefallender Techniken – als die des Fotografierens.

      • karu02 sagt:

        Ich habe festgestellt, dass ich manches sogar besser im Kopf behalte, wenn ich es nicht fotografiere. Ja, es ist beinahe verrückt, wie unterschiedlich Fliegenbeine aussehen können, um nur ein Beispiel zu nennen. Auch die Tarnmöglichkeiten der Insekten fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

  2. Lakritze sagt:

    Hemma von Gurk. Naja, damals hieß man halt Waltuni, Tuta und Zwentibolch.

    Und für die klösterliche Sammelwut suche ich noch eine Entsprechung in heutigen Tagen. Mit Wissenschaftlichkeit ist das ja nur bedingt zu vergleichen; es hat was von Wahn, aber auch das ist nicht das richtige …

    Schöner Bericht.

    • karu02 sagt:

      Vielleicht ist Obsession, im nichtpatologischen Sinne des Wortes, eher zutreffend? Das Kloster jedenfalls ist voll davon. Ich werde noch mehr berichten.

  3. kormoranflug sagt:

    Ich dachte immer die Benediktiner Mönche dürfen keinem Tier (Wesen) etwas zuleide tun. So kann sich ein Kormoran irren.

    • karu02 sagt:

      Diese Tiere sind jetzt „in der Ewigkeit“, dahin darf jedes Wesen befördert werden. Ob Nadeln dabei erlaubt sind, entzieht sich meiner Kenntnis.

      • Lakritze sagt:

        Ich dachte, Nadeln bräuchte man in gewissen katholischen Kreisen als Sitzplatz für Engel … Aber das ist wieder mehr des Magisters Domäne.

      • karu02 sagt:

        Ich stelle mir vor, wie im Himmel unendliche Räume mit auf Nadeln aufgespießte Seelen, säuberlich beschriftet, vom Herrn des Universums täglich durchwandert werden, während er sich über die Vielfalt seiner eigenen Erzeugnisse wundert.

      • Lakritze sagt:

        Hu. Das ist ein starkes Bild, bei dem’s mir ein bißchen kühl wird.


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