Katerfrühstück

Berni BernsteinWahrscheinlich habe ich den Kater schwer enttäuscht, traut er mir doch allerlei Fähigkeiten zu, die er selbst nie erreichen wird, wie das Öffnen von Haus- und Zimmertüren, von Wasserhähnen sowie vor allem das Öffnen von Futterdosen.

Zur Zeit zeigt die innere Uhr des Katers „Frühling“ an. Die äußere Uhr spielt nicht mit, obwohl alle Anzeichen im Katerverständnis vorhanden sind, wie das Vorkommen von  jungen, zarten Kaninchen. Er verbringt also in der Hoffnung, den Frühling draußen dingfest zu machen, zwei Drittel der Zeit außerhalb des Hauses, trotz der Kälte. Den Winter über war es umgekehrt und der Platz auf der Couch beinahe dauerbesetzt, zumindest tagsüber. Nachts ist sein Revier sowieso draußen, bei jeder Temperatur. Sein Pelz ist von beachtlicher Dichte.

Gestern nun wollt er nicht einmal zum Frühstück ins Haus kommen, er saß mauzend vor der Tür, begehrte aber trotzdem keinen Einlass. So haben wir erst einmal in Ruhe gefrühstückt. Der Kater meldete sich immer wieder und schließlich schnappte ich mir die warme Jacke und ging zu ihm hinaus. Er reagierte sofort, stolzierte mit erhobenem Wegweiser vor mir her in die äußerste Ecke des Küchengartens. Dort setzte er sich hin und starrte mich an. Ich sah mich um, sah aber nichts. Nur einen kleinen Haufen  mit trockenen Blättern und Moos. Ah, dort schaute auch ein wenig Fell heraus. Ich schob das Laub zur Seite, das hinter Stück eines jungen Kaninchens, offenbar übrig geblieben vom Vorabend, war dort versteckt worden. Wollte er mir das nur zeigen? Seltsam.

Der Kater ging zu seiner Beute und stupste mit der Nase darauf, sah mich wieder durchdringend an und mauzte jämmerlich. Ich zog frierend die Jacke enger um die Schultern, drei Grad minus zeigte das Außenthermometer. Ich begriff endlich, worum es hier ging. Das Katerfrühstück war tiefgefroren und damit ungenießbar. Sollte ich das halbe Kaninchen nun zum Auftauen in die Mikrowelle legen? Dazu konnte ich mich nicht durchringen. Ich erklärte dem schwarzen Minipanter also, dass seine Mahlzeit auf diese Weise viel länger frisch bleibt und er gegen Mittag einen umso größeren Genuss daran hätte. Ein langgezogenes, zweifelndes Mauauauuu war die Antwort.

Später, so vermute ich, wusste er dann was ich meinte. Jedenfalls waren nach etwas Sonnenerwärmung des Südseitengartens nur noch zwei Hinterpfoten übrig.

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9 Kommentare on “Katerfrühstück”

  1. rotewelt sagt:

    Köstlich geschrieben! Ja, so sind sie, unsere schnurrenden Mitbewohner. Hat man einen Kater mit Außenrevier, muss man so manches mitmachen, ich erinnere mich an Kaninchenreste unter dem Sofa…

  2. kormoranflug sagt:

    Du hast also ein Monster herangezogen und jetzt hast Du das in schöne Worte gekleidet.

  3. Lakritze sagt:

    Solange er Kaninchen frißt und keine Singvögel –?
    (Schnecken. Das wär’s.)

  4. Uffnik sagt:

    Man sollte sich grundsätzlich seine besonderen Fähigkeiten bewahren und schützen. Insbesondere das Öffnen von Futterdosen ist ein absoluter Neidfaktor. Aus Katzensicht ist dies wohl eine der wenigen Fertigkeiten, die noch ein klein wenig Respekt abverlangen.

  5. cablee sagt:

    Schöne Geschichte, Karu, macht Spaß zu lesen!

  6. oachkatz sagt:

    Der hat es schon trotzdem gut bei Euch. Auch wenn Du dieses Mal versagt hast. Oder rebelliert?

    • karu02 sagt:

      Man könnte sagen, ich habe den Dienst verweigert. Der „Boss“ ist aber nicht nachtragend. Abends kommt er zum Schnurren auf meinen Schoß.


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