Frühstückstablet

Am Frühstückstisch ist eine neue Übersichtlichkeit entstanden. Der Tisch weist eine unsichtbare Trennlinie auf, die eine Hälfte ist eher traditionell besetzt, einschließlich einer Zeitung aus Papier, die andere Hälfte deutlich fortschrittlicher, seit heute mit einer Zeitung auf dem Tablet(t).

Ich war skeptisch, das gebe ich zu, zum Zeitung lesen gehört das Knistern des Papiers, der Geruch nach Druckfarbe und das völlige Verschwinden aller anderen Gegenstände unter dem Papier. Da wir zwei politisch gegenläufige Zeitungen abonniert haben, gab es auch Tauschaktionen, „mein“ üppiger Sportteil gegen „sein“ eher dürftiges Feuilleton. So entstanden regelmäßig eine große Unübersichtlichkeit auf dem Frühstückstisch und Butter- sowie Marmeladenflecken in politischen Artikeln. Manchmal passte das Himbeerrot sehr gut zu der Blutrünstigkeit der Fernsehkrimibesprechungen.

Da „meine gewohnte“ Zeitung seit einer Weile nicht mehr die gewohnte ist, musste ich mich nach einem neuen linksliberalen Blatt umsehen. Dieses kommt zwar auch aus dem Süden und würde bei Glatteis nicht zum Frühstück bei mir sein, aber die digitale Lösung macht alles ganz unabhängig vom Wetter und von Zustellern. Außerdem bekommt man zum niedrigeren Abo-Preis sehr günstig das von mir sowieso schon begehrte „Lesegerät“ dazu. Zwei Fliegen… bzw. ein Vorwand. Man braucht so ein Pad nämlich gar nicht, es ist aber ein tolles „Spielzeug“ und Zeitung lesen kann man tatsächlich auch darauf. Filmbesprechungen gibt es gleich mit Trailer, Musik mit Hörproben. Eine bisschen muss ich mich noch an die Papierlosigkeit gewöhnen. Herausreißen kann ich nun auch nichts mehr, dafür aber kopieren und das finde ich eher wieder, als gerissene Schnipsel. Nun kann ich auch die Tageszeitung mit in Urlaub nehmen und sie verstopft nicht mehr den Briefkasten während der Abwesenheit.  Falls ich das Haptische zu sehr vermisse, kann ich immer noch die Zeitung von gegenüber ausleihen. Dafür schiebe ich dann den Sportteil hinüber, mit Wischeffekten und youtube-Einlagen, kabellos.

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9 Kommentare on “Frühstückstablet”

  1. Philipp Elph sagt:

    Zur Zeit ist bei uns noch die klassische Frühstücks/Zeitunglesen-Variante angesagt. Allerdings leicht modifiziert durch die Anwesenheit eines Smartphones, aus dem die eine oder andere Information (noch kostenlos, abgesehen von den Kosten der Flat) herausgelesen wird. Allerdings schließe ich nicht aus, dass wir uns demnächst auch mittels Tablet informieren. Eine papierne Form wird aber weiterhin am Frühstückstisch knistern.

  2. Lakritze sagt:

    Ach, da bin und bleibe ich altmodisch. Außerdem brauche ich meine Zeitung zum Geschenkeverpacken, Papierhütebasteln bzw. Bodendecken und Fliegenerschlagen. Mach das mal mit dem Tablet.

  3. kormoranflug sagt:

    Mit der Zeitung kommt man auf dem pad ganz gut zurecht. Ein Fachmagazin geht leider gar nicht, grafische Bilder immerzu vergrössern/verkleinern, da kann ich nichts mehr erkennen und werde ungemütlich…….

  4. cablee sagt:

    Bei uns raschelt noch die Zeitung zum Kaffee… 😉

  5. ottogang sagt:

    Frühstück und papierne Zeitung und Sport rausfischen aus dem täglichen Papier dafür vorab die Kunst und Stadtteil und
    ach ja, so geht das hin und her und ist einfach Teil des Frühstücks, so hat jeder was von der Zeitung oder hat jemand etwa zwei pads ?

  6. oachkatz sagt:

    Das will ich auch – wegen der Praktikabilität am Esstisch. Bei uns wird es allerdings ganz schwer, weil wir nicht an einem Tag dieselbe Zeitung lesen, sondern ich immer erst am darauffolgenden. Wir brauchen also tatsächlich nicht nur zwei Lesegeräte, sondern zwei Abos?!


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