Schloss und Burg

Im Französischen gibt es offenbar keinen Unterschied zwischen Schloss und Burg, beides heißt Château. Zwei der zahlreichen Châteaux in der Umgebung von Dieppe habe ich besucht. Das erste Château d’Arques la Bataille, im gleichnamigen Ort,  konnte ich zu Fuß von unserer Unterkunft aus  erreichen. Ein begehbarer Wall umgibt die imposante Burganlage und es wird schnell klar, hier hatte man die Kontrolle über die Umgebung. Allein für die Aussicht lohnt der relativ steile Fußweg.

Chateau-Arques-la-Bataille

Blick von der Burg bei Vollmond

Die Burg ist in einer schlechten baulichen Verfassung, so dass eine Besichtigung innen nicht möglich ist. Es scheint Bestrebungen zu geben, sie zu restaurieren. Mich hat das Bauwerk aber auch so sehr beeindruckt, ich konnte mir seine Wirkung im vollständigen Zustand gut vorstellen. Manchmal ist es mir lieber,  ein unrestauriertes historisches Gebäude vorzufinden.

Zur Geschichte habe ich erst zu Hause mühsam etwas herausfinden können, weil es einen Wikipedia-Eintrag nur in Französisch gibt. Ein Freund mit besseren Sprachkenntnisen hat mir geholfen, eine Zusammenfassung zu erstellen:

Das Chateau hat seit dem Mittelalter eine besonders bewegte Geschichte. Erste Fundamente gehen auf Wilhelm den Eroberer zurück, der 1052 hier Krieg mit dem gegen ihn rebellierenden Onkel Wilhelm d’Arques führte und Befestigungsanlagen anlegte. Erbaut im 12. Jahrhundert, war das Chateau Schauplatz vieler Schlachten und Kämpfe der französischen Geschichte. Das Fort galt als uneinnehmbar. Zunächst im Besitz des Herzogs der Normandie, eines auf Seiten der Engländer kämpfenden Plantagenêt, trotzte es 1204 als letztes dem siegreichen König von Frankreich, Phillipe Auguste, der es zwei Jahre vergeblich belagerte. Im Hundertjährigen Krieg war es Ort zahlreicher blutiger Konfrontationen. Jeanne d’Arc hielt sich hier auf, bevor sie 1431 in Rouen verurteilt wurde. Mitte des 15. Jahrhunderts fiel es an den französischen König und spielte fortan, besonders in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, eine wichtige und aktive Rolle in den Religionskriegen. 1589 wurde es zum Schauplatz der berühmten Schlacht, die Henri IV. mit 7000 Mann siegreich gegen die 30.0000-Mann-Armee der Katholischen Liga schlug, wobei es ihm gelang, das Fort zu erobern. Zur Zeit Ludwig XIV. verlor es allmählich an (militärischer) Bedeutung. 1836 wurde das Chateau zerstört und aufgegeben.Im II. Weltkrieg beherbergten die Ruinen des Forts einen Stützpunkt  der Nazi-Wehrmacht, die von hier aus die Luftabwehr gegen die Invasion der Alliierten organisierte.

Nicht weit von dieser Burg entfernt liegt das Schloss Miromesnhil in der Gemeinde Tourville-sur-Arques. Der Name bezieht sich auf den Adeligen Armand Thomas Hue, Vicomte de Miromesnil, der unter Ludwig dem XVI Minister des Ancien Régimes war.

Angeblich soll es der Geburtsort von Guy de Maupassant sein, dessen Eltern das Schloss zu der Zeit gemietet hatten. Verbürgt ist das nicht, macht sich aber gut in einer Vita.

Ursprünglich stand an der Stelle des Schlosses eine Burg. Wie man das wohl im Französischen unterscheidet? Sie gehörte der Familie  Dyel de Miromesnil, daher der Name.  Diese wurde 1589 wurde sie zerstört bis auf die Kapelle und zwei Türme. Um die Jahrhundertwende 16./17. Jahrhundert  entstand das Schloss in seiner heutigen Form, wobei die beiden erhaltenen Burgtürme integriert wurden. Sie sind Teil der Parkfassade, die 1590 im  Stil Heinrichs des IV. entstand.

Castle Miromesnil Castle Miromesnil Castle Miromesnil

Am Eingang zum Schloss steht ein Kassenhäuschen, welches jetzt geschlossen war. Durch die Scheiben konnte ich an die Hinterwand gelehnt ein großes Betreten-verboten-Schild sehen. Aber das hätte ich nicht sehen müssen, daher habe ich mir das Schloss und die dazugehörige kleine Kapelle trotzdem von außen angesehen. In einem Nebengebäude des Schlosses gibt es auch Gästezimmer; eine reizvolle Lage.  Der hinter dem Schloss liegende Garten war leider verschlossen.

Man könnte einen dreiwöchigen Urlaub in der Normandie verbringen, nur um alle Herrenhäsuer, Gärten, Schlösser und Burgen zu besichtigen. Wir hatten nur 5 Tage und uns daher auf diese beiden beschränkt.

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5 Kommentare on “Schloss und Burg”

  1. richensa sagt:

    Ein schöner Bericht mit wieder so schönen Fotos, die Lust machen, dort einmal vorbei zu schauen..

  2. schöner informativer Bericht !

  3. kormoranflug sagt:

    Das „Chateau Miromesnhill“ gefällt mir. Alleine schon die hohen Kamine sind toll

  4. … ist das schön!
    Danke dafür,

    dm und mb

  5. Lakritze sagt:

    Ein Schloß wie aus einer bestimmten Sorte Märchen; schön!
    Und was passiert, wenn man Burgen überrestauriert, kann man prächtig im Rheintal begucken. Verputzt und weiß gestrichen sind Klötze und Bausünden, was sich als Stein aus der Landschaft gut in diese einfügt.


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