Leerer Magen und leerer Tank

Da wir uns in Amiens etwas länger aufgehalten hatten, als vorgesehen war, außerdem die 400 km bis zur Halbinsel gemütlich zurücklegten, kamen wir erst am späten Nachmittag in Surtainville an. Ich hatte lange im Internet gesucht und diese Chambres d’hotes „Logis de la Mare du Park“ gebucht. Mit dieser Art Unterkunft haben wir in all den Jahren in Frankreich immer nur gute Erfahrungen gemacht. Auch hier war alles zu unserer Zufriedenheit, ein großes Zimmer mit Sitzgelegenheiten und einem großen, sehr guten Bett, ein schönes Bad, gemütlicher Frühstücksraum, Parkmöglichkeit direkt im großen Hof. Bis zum Meer mussten wir 5 Minuten fahren.
Das kleine Örtchen liegt vor den Dünen, in Hügel eingebettet, es gibt eine Kirche, ein Rathaus, eine Boulangerie und diesen kilometerlangen Strand, wenn man die recht hohen Dünen durch den weichen Sand hinunter geschlittert ist. Es fehlte uns jetzt, nach der Fahrt, eine kleine Café-Bar. Wir liefen bis zu den Klippen, jedes Häuschen hinter den Dünen nach einem Zeichen absuchend. Es gab keine Café-Bar, nicht mal eine, die wegen Nachsaison schon geschlossen hatte. Ein Zeichen, dass die Gegend touristisch nicht überlaufen ist. Das sollte sich noch an anderen Stellen bewahrheiten. Auch ohne Café konnten wir den Strand und das Meer genießen, ich hatte so lange darauf warten müssen. Mehr als ein Jahr.

Strand von Surtainville

Unsere Vorräte für unterwegs waren so gut wie aufgezehrt, also machten wir uns auf, ein Restaurant zu suchen. Wo Strände sind und Wasser sind immer auch Restaurants. So auch hier im nächsten Ort, in Le Rozel am Campingplatz. Ein Tisch war noch frei, doch die Wirtin wies uns wieder hinaus, ziemlich barsch. Mir schoss der Gedanke durch den Kopf, ob wir als Deutsche vielleicht nicht willkommen sind. Sie hat unser Autokennzeichen sehen können durch die großen Fenster. Bei großem Hunger ist so was ärgerlich. Allerdings hatte der Benzinanzeiger schon vor einer Weile Mangel angemeldet. Mich macht das leicht nervös. Wir fuhren also in den nächsten Ort, dort gab es weder Restaurants noch Tankstellen, das ging eine Weile so weiter bis ich schließlich in einem kleinen Garni-Hotel nach dem nächsten Restaurant fragte. Die Dame an der Rezeption war sehr freundlich und legte einen vorgedruckten Zettel auf den Tresen. Sie kreuzte die Restaurants in der Nähe an, die sonntags geöffnet haben. Das waren nur zwei, eins weiter weg. Tankstellen nannte sie mir bei den Supermärkten. Was das bedeutet, hatten wir schon einmal erfahren. Dort kann man zwar sehr günstig, aber an Sonn- und Feiertagen nur mit einer speziellen Kundenkarte tanken.
Es war niemand auf den Straßen unterwegs, nur wir. Das Restaurant in der Nähe fanden wir nicht, das weiter weg gelegene wollten wir nicht riskieren. Wir machten uns auf den Rückweg in einem Bogen, der an dem Ort vorbeiführen würde, den wir bei der Hinfahrt zum Quartier schon gestreift hatten. Als wir dort ankamen, hatten wir fast 40 km zurückgelegt mit durstigem Tank. In der gut erhaltenen Burg von Bricquebec gab es  ein Hotel mit Restauration. Die Rettung. Wir haben im Rittersaal vorzüglich gegessen und uns dann mutig wieder ins Auto gesetzt. Die Strecke war stockdunkel und so autoleer, wie man es in Europa gar nicht für möglich hält. Ich war sehr erleichtert, als wir unser Quartier erreichten. Am nächsten Tag würden wir weitersehen.
Merke: Niemals an Sonntagen in Frankreich mit fast leerem Tank ankommen.

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10 Kommentare on “Leerer Magen und leerer Tank”

  1. ja, das ist schon aufregend mit fast leerem Tank zu fahren, das hatten wir auch schonmal 🙂
    Tanken in Frankreich kannst du aber mit jeder Kreditkarte (sofern du eine hast :-), egal ob Visa oder Mastercard), spezielle Kundenkarten der Supermärkte gibt es nicht.
    Die Dame im Restaurant, die euch weggeschickt hat, hatte wohl einen schlechten Tag :-). Normalerweise sind die Franzosen sehr freundlich.

    • karu02 sagt:

      Ich muss Dir widersprechen. Natürlich kann man bei Normalbetrieb mit jeder Kreditkarte an der Tankstelle bezahlen. Wenn die Supermärkte geschlossen sind, also spät abends und an Sonntag nachmittagen sind die Kassenhäuschen nicht besetzt und dann braucht man diese Kundenkarte, um tanken zu können per Direktzahlung am Automaten. Da es aber fast nur Supermarkttankstellen gibt, zumindest dort in der Normandie, kann man höchstens tanken, wenn zufällig einer mit Kundenkarte sich dort aufhält. Hatten wir auch schon mal.
      Die meisten Franzosen sind freundlich, das stimmt, und bieten in der Regel einen besseren Service als z.B. hier am Niederrhein.

      • richensa sagt:

        So eine Kundenkarte habe ich noch nie in Frankreich gebraucht, um an Supermarkttankstellen zu tanken, kenne die auch gar nicht. Kreditkarte oder einfach die Bankkarte, mehr braucht’s inzwischen nicht mehr, allerdings mit Geheimzahl.
        Vor ein paar Jahren war es an den Wochenenden wirklich schwieriger, da gingen noch nicht überall Kredit- und Bankkarten, aber inzwischen….

  2. das mit dem Tanken wundert mich aber. Ich wohne in Frankreich, genau Elsass und tanke nur an Supermarkt-Tankstellen am Automat, weil das meist schneller geht als beim Kassenhäuschen vorbei. Und das funktioniert zu jeder Tages- und Nachtzeit – auch in der Bretagne hatte ich da nie Probleme. Muss einfach den PIN meiner Kreditkarte eingeben…

    • karu02 sagt:

      Du hast recht, mit der Kreditkarte plus PIN kann man bezahlen, dazu muss man die PIN aber wissen. Das war hier nicht der Fall. Mit der Bankkarte hat es nicht funktioniert.

  3. karu02 sagt:

    Bei der nächsten Frankreichreise werde ich das prüfen. Vielleicht haben wir uns auch nur zu schnell entmutigen lassen, statt es noch einmal zu versuchen. Bankkarte ging nämlich nicht, von der Kreditkarte hatte mein l.R. keine Geheimnummer.

  4. Dina sagt:

    Guter Tipp! Manno, bin ich froh, dass die Buchfeen schon bei halber Tankfüllung rufen, „besser bald Ausschau nach einer günstigen Tankstelle halten“. Dieses Nervenkitzel = Bauchschmerzen, mit oder ohne Essen. 😮

    • karu02 sagt:

      Zwischen den normalen Tankstellen und den Supermarkttankstellen gab es 18 cent Unterschied, wie auch immer der zustande kommen mag.

      • Dina sagt:

        Ja, schlimm, oder? 😮 Mit der Zeit bekommt man ein geschultes Auge für XXL Supermärkte mit günstiger Tankstelle. 🙂


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