Burgen, Urwald und Kamele

Bevor die nächste Kurzreise bevorsteht, bleibt mir noch etwas nachzutragen aus 2014.
Nie hätte ich es zuvor für möglich gehalten, dass diese drei Komponenten ausgerechnet im Weserbergland als Attraktionen dicht beieinander zu finden wären. Von den Burgen hatte ich gelesen, da einige von ihnen als Heimstätten einiger Märchen der Gebrüder Grimm gelten, wie die Sababurg, wo Dornröschen in den 100jährigen Schlaf gefallen sein soll. Beim hohen Turm der Treidelburg hängt Rapunzels Zopf aus dem winzigen und einzigen Fenster hoch oben. Sonst hatte ich nur Fachwerk im Kopf und einen romantischen Flusslauf. Das gibt es dort auch.

Die romantische Weser

Mit der Sababurg fingen wir an, weil dort auch gut einkehren ist. Man sitzt an großen Fenstern im gut renovierten Speisezimmer mit Blick über ein wenig besiedeltes Tal weit unten. Zum Schloss gehört ein Tierpark, gut zu Fuß zu erreichen. Unser Ziel war jedoch der „Urwald“, empfohlen von unserem Hauswirt in Hannoversch Münden. Er vermietet nicht nur sehr schöne große Räume in seiner alten Villa, sondern liefert zum köstlichen Frühstück auch gleich ein paar Tipps für den Tag. Er kennt die Gegend wie seine Westentasche.

Am Urwald gab es zum Glück einen Parkplatz, was für einen Urwald sicher nicht selbstverständlich ist, ebenso wenig wie ausgewiesene Wanderwege zwischen drei und dreizehn km Länge. Wir entschieden uns für den mittleren, der uns sieben km durchs Gelände führen sollte. Urwald wird gerade modern in unserem Land. Am Niederrhein versucht man es auch damit, sprich, man kümmert sich nicht mehr um den Wald und lässt alles stehen und liegen. Ein Begehen wird nach relativ kurzer Zeit dann jedoch unmöglich, wegen Brombeergestrüpp und Baumbruch.

Hier hat man den Spagat zwischen Verwilderung und Pflege offenbar geschafft. Dieser Wald ist herrlich zu durchstreifen, überall stehen Baumgespenster neben uralten Riesen und zartem Nachwuchs, Pilze, Farne und Kräuter siedeln sich auf zerfallenden Ästen an, Sumpfiges wechselt sich ab mit Sandigem. Ich war so mit Schauen und Staunen beschäftigt, dass ich heftig erschrak, als aus einem holen Baum ein Mann heraus stieg. Es war nur ein Fotograf, der den Wald von innen nach außen aufnehmen wollte und Spinnen und Käfer nicht scheute. Diesen Wald hätte ich gerne mit nach Hause genommen, es gäbe jeden Tag etwas neues Altes zu entdecken und wie aus Verrottendem Frisches entsteht.

Auf dem Weg zur Treidelburg die Überraschung am Wegesrand. Auf einer leicht erhöht liegenden, eingezäunten Wiese stand eine Gruppe Kamele, ein Hengst und zwei Stuten. Wir stiegen aus und gingen das Stück zurück bis zu den Tieren. Sie beachteten uns nicht, waren nur an den Autos interessiert, die auf der Straßen an ihnen vorbei fuhren, nahmen sie in den Blick weit hinten und verfolgten sie mit der Drehung der Köpfe bis sie nicht mehr zu sehen waren. Dabei wirkten sie äußerst zufrieden, mir kam es vor, als lächelten sie. Sie ließen sich gerne fotografieren, sicherlich daran gewöhnt, weil vorbeikommende Touristen so wie wir, nichts besseres zu tun haben.

Die Tiere hatten einen großen hölzernen Unterstand und genug Platz, sich zu bewegen. Trotzdem wirkte das Ensemble ein wenig deplatziert in den Hügeln des Weserberglandes. Auch wenn es das Märchenland ist. Kommen überhaupt Kamele in den Märchen der Brüder vor? Mir fällt keines ein.

Advertisements

5 Kommentare on “Burgen, Urwald und Kamele”

  1. Uffnik sagt:

    Ein fantastischer Trip. Aufregend, spannend und überaus informativ. Deine Belegfotos -wie immer – eine Klasse für sich!

  2. oachkatz sagt:

    Kamele gehören eher so in den Wirkungskreis der Scheherazade, oder? Der Urwald klingt sehenswert und Deine Bilder sind es sowieso wieder.

  3. Iris Schaper sagt:

    Irgendwo habe ich mal gelesen, dass der Urwald zu den meistfotografierten Deutschlands gehört, mit Recht! Und übrigens: Du bist mit Deinem Blog für den „Liebster Award“ nominiert: http://reisefeder-blog.com/2015/01/23/liebster-award-nochmal-weils-so-schon-war/

  4. kormoranflug sagt:

    Eine fremde Welt (für Deutschland) an der Sababurg. Trampeltiere, Regenwald, Burgen, Gespenster alles da und gut fotografiert.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s