Leeuwarden

Der zweite Besuch bei den Nachbarn führte uns auf direktem Weg nach Leeuwarden, bevor es 2018 Kulturhauptstadt wird. Friesland war unser Ziel und Leeuwarden ist die Provinzhauptstadt. Sie hat noch zwei andere Namen, einen friesischen „Ljouwert“, was mit meiner Zunge nicht auszusprechen ist, und stadtfriesisch „Liwwadden“. Die Herkunft des Namens scheint nicht zu klären zu sein, es gibt mehrere Varianten, nur der zweite Teil ist offenbar eindeutig in der Bedeutung „Warft“. Es hat über 200 Namen für die Stadt gegeben im Laufe der Jahrhunderte. Erstmals wurde sie im 9. Jahrhundert erwähnt.

Im schönen, neuen Friesenmuseum mitten in der Stadt wurde auf der obersten Etage der Toten des zweiten Weltkrieges gedacht, ein Raum war angefüllt mit den Ausweisen der verschleppten und getöteten Juden. Von 1940 bis 1945 war Leeuwarden von den Deutschen besetzt, bis die Kanadier die Stadt am 15. April befreiten. Diese Befreiung wurde feierlich begangen. Nicht nur hier, wie wir später feststellten. Sehr interessant war eine Etage tiefer auch die Dokumentation der Landgewinnung. Es ist sehr beeindruckend, wie die Menschen mit Schaufeln und Schubkarren dem Meer das Land abtrotzten, immer wieder zurückgeworfen durch Stürme und Überschwemmungen, aber nie aufgebend. Es war gut, diese Anfänge gezeigt und erklärt zu bekommen, man sieht die Polderlandschaft dann mit anderen Augen.

In der Altstadt konnten wir uns darüber freuen, dass so viele mittelalterliche Häuser den Krieg überstanden haben. Die Neubauten am Rande der Altstadt fügen sich gut in das von Grachten und Brücken bestimmte Bild als bewusster Gegensatz ein. Das Nebeneinander von Alt und Neu gefällt mir oft sehr gut bei den Nachbarn. Man findet z.B. moderne Restaurants im kühlen Stil der Neuzeit und gleich nebenan alte Gasthäuser mit Teppichen auf den Tischen und auf allen Simsen Gesammeltes aller Zeiten. Da hängt dann eine Siebengeislein-Uhr an der Decke, weil kein Platz mehr an den Wänden war.

Auf dem Platz hinter dem Keramikmuseum gibt es einen Turm „Oldehove“, der ähnlich schief steht, wie der in Pisa und wie dieser immer mehr Neigung bekommt. Er hat damit schon in der Bauzeit nach 1529 begonnen. Die Leeuwardener wollten eine größere Kirche als die in Groningen bauen. Das Kirchenschiff musste wegen der Neigung abgerissen werden, nur der unfertige Turm blieb stehen.

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Leider war es regnerisch an diesem Tag, so dass die Farben der Stadt und der Spiegelungen in den Grachten nicht richtig zum Leuchten kamen. Auch die ungewöhnlichen Möglichkeiten, auf dem Wasser zu speisen konnten wir deshalb nicht nutzen.

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One Comment on “Leeuwarden”

  1. Lakritze sagt:

    Oh! Und auf dem hübschen Plattbodenschiff eine wunderhübsche Wäscheleine!


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