Schiermonnikoog

Morgens um 10 war unerwartet viel Betrieb an der Fähre in Lauwersoog. Zwei Schulklassen, viele Radfahrer, Handwerker mit den entsprechenden Autos, ein kleiner Lastwagen mit einem großen Baum auf der Ladefläche, und einige Menschen ohne Autos, weil die nicht mitgeführt werden dürfen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung, die Touristen in der Regel nicht erteilt wird, es sei denn, man hat triftige Gründe.

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Aus dem kleinen Hafen fuhren regelmäßig die Fischerboote hinaus als die Fähre ablegte in Richtung Schiermonnikoog. Es ist die kleinste der niederländischen, bewohnten Inseln und die letzte in der Reihe. In Richtung Osten liegt Borkum. Schiermonnikoog ist 16 km lang und 4 km breit. Übersetzt bedeutet der Name Insel der grauen Mönche. Wann die Insel besiedelt wurde, ist offenbar nicht bekannt. Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte sie einem Zisterzienser-Abt des Klosters Klaarkamp bei Dokkum. Jetzt wohnen etwa 900 Menschen auf der Insel, keine Mönche mehr.

Ich war viele Jahre lang neugierig auf diese Insel, hatte in den jungen Jahren etwas darüber gelesen, wollte immer mal hin, habe statt dessen alle anderen Inseln außer Terschelling besucht. In einem der Krimis von Janwillem van de Wetering spielte Schiermonnikoog eine Rolle und die alte Sehnsucht war wieder geweckt.

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Nach einer Viertelstunde Fahrzeit mit der Fähre konnte ich die beiden Leuchttürme schon sehen, nach einer weitern Viertelstunde die Vögel im Watt. Der größte Teil der Insel ist als Nationalpark ausgewiesen. Der östliche Teil dar wegen der brütenden Vögel von April bis Juli nicht betreten werden.

Es empfiehlt sich, die Insel mit dem Rad zu erkunden. Zwischen den Salzwiesen, Dünen und dem kleinen Waldgebiet sind ausgezeichnete Radwege angelegt, im doppelten Sinn des Wortes. Wir wanderten zu Fuß vom der Anlegestelle der Fähre ins Dorf und hatten Gelegenheit, die verschiedenen Wattvögel, die Gänse und Kiebitze zu beobachten.

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Das Dorf mit den Backsteinhäusern ist rasch durchwandert, in den Dünen gibt es viele Ferienhäuser am Weg zum Strand. Verlaufen kann man sich nicht, weil immer die beiden Leuchttürme im Blick bleiben und den Weg weisen. Am Stand angelangt suchten wir verblüfft die Nordsee. Sehr weit hinten war ein schmaler Streifen weißer Gischt zu sehen. Immerhin bot ein Priel ein wenig Nordseewasser. Bis zum eigentlichen Wasserrand muss man noch gut einen km laufen. Bei Flut vielleicht etwas weniger. Außer uns war kein Mensch weit und breit zu sehen. Der Sand war schön fest und lud zu einer langen Strandwanderung ein.

Wer die Einsamkeit liebt, so wie wie, und der Alltagshektik für eine Weile entfliehen will, dem sei diese Insel empfohlen. Wer Langeweile fürchtet, nehme den Krimi „Eine Tote gibt Auskunft“ von Janwillem van de Wetering mit, auf jeden Fall aber ein Fahrrad. Im Sommer, vermute ich, wird es nicht ganz so ruhig sein.


3 Kommentare on “Schiermonnikoog”

  1. oachkatz sagt:

    Wie so oft machen Deine Beschreibuung und Deine Bilder Lust, den Ort selbst zu erkunden.

  2. schöne Beschreibung!
    meine Mitsegler sagten immer, Schiermonnikoog ist die Insel, auf die man nie kommt. Theoretisch wollten sie immer hin. Aber das Wetter, der Wind, die Gezeiten, die Uhrzeiten was auch immer – meist hat es nicht geklappt. Umso schöner, dass mal jemand da war!


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