Böckchen mit Harem

Der Wind kam aus der anderen Richtung, sie nahmen mich erst wahr, als ich relativ nahe stehen geblieben war. Ein beglückender Moment, wohl nur für mich, nicht für die Tiere. Sie halten wohl Menschen für Feinde.

Ein paar Tage danach erlebte ich den „Aufmarsch“ von Jägern in den Rheinwiesen. 22 Männer zählte ich, begleitet von 8 Hunden (vielleicht auch mehr, die Büsche verdeckten einen Teil des Geländes) und 3 Traktoren. Auf einem der Traktoren waren 3 erlegte Hasen kopfüber an den Hinterläufen aufgehängt. Unter ihnen die Getränkekisten.               Man stellte sich im großen Kreis auf dem Deich und in den Wiesen auf. Zwei Rehe kamen aus dem Buschwerk in Panik auf den Deichweg zugelaufen und sprangen knapp vor uns zügig über beide Zäune und in das schützende Dickicht auf der anderen Seite des Deiches. Ein Reh hatte diesen Weg verpasst und lief nun in der Mitte zwischen den Fronten der Jäger ebenfalls panisch hin und her, hin und her, bis es schließlich ganz am Ende der Aufstellung eine Lücke fand. Mein Herz schlug wahrscheinlich genau so schnell, wie das des fliehenden Rehs. Ich konnte nicht anders und fragte nach, ob darauf geschossen würde. Nein, sagte einer der überaus freundlichen Gewährträger, es ginge hier nur um Niederwild. Von der einen Seite der Aufstellung zog man nun mit den Hunden los im Abstand von etwa einem Meter, die ersten Hasen flüchteten, die ersten Schüsse fielen. Ich gebe zu, voreingenommen zu sein, die Männer wirkten, als seien sie zum Vergnügen unterwegs.So viel Aufwand an Menschen, Zeit und Material für ein paar so kleine Tiere?  Auch dachte ich, die Feldhasen seien geschützt. Und so viele gibt es gar nicht in den Rheinwiesen, ich bin fast täglich dort unterwegs. Nun ja, vielleicht waren auch Kaninchen unter den Erschossenen. Eine Chance, dort lebend heraus zu kommen, hatten sie sicher nicht. Das Adrenalin, welches frei wird während der Hetze, essen die Herren dann später mit, das sorgt vielleicht für einen neuen, lohnenden Jagdtag.

Mir fehlt jegliches Verständnis für diese Art Sport.


7 Kommentare on “Böckchen mit Harem”

  1. Philipp Elph sagt:

    Derartiges Jagen ist ein gesellschaftliches Ereignis (bezeichnend Dein Hinweis auf die Getränkekisten). Das hat wenig mit Hege oder Sport zu tun.

  2. kormoranflug sagt:

    Hast Du zurückgeschossen, oder einen Schnaps angeboten?

  3. 😦 so furchtbar… ich hätte mit dir den Schnaps getrunken.Und man sieht die Angst im Gesicht des Tieres😦

  4. oachkatz sagt:

    Nun ja. Ich esse gerne Hase, und finde es doch irgendwie besser als Mastbetrieb und Schlachthof. Außerdem, wie eine der Besten als Jägersfrau so schön sagte: Immerhin lebte es doch gut, bis es meinen Mann getroffen hat….Selber schießen wollt‘ ich allerdings nicht.


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