Zeichnen auf dem Tablet – Teil I

 

Da auch der Winter mir nur begrenzt Zeit lässt für die Arbeit im Atelier, versuche ich aus der Not eine Tugend zu machen. Statt mich darüber zu ärgern, dass mir schon wieder die Farbe angetrocknet ist und abgekratzt werden will, suchte ich mir etwas Neues. Der Trend geht zur digitalen Malerei, das Netz ist voll davon. Ich wollte das auch mal probieren. Es schien viele Vorteile zu haben, man verbraucht außer Strom kein Material, also kein Papier und keine Leinwand, keine Stifte und keine Farben, es riecht nicht nach Lösungsmitteln und es fliegt kein Pastellstaub durch die Luft. Alles sauber und steril, sogar die Hände bleiben sauber dabei. Nun ja, das ist es eher nicht, was ich anstrebe, eher die Möglichkeit, auch für ein Stündchen dem Stift freien Lauf zu lassen, speichern zu können und bei nächster Gelegenheit weiter zu machen.

So sieht mein Zeichenplatz aus:

DSC00072

Das Tablet ist von Wacom, die Tastatur steht beim Arbeiten links daneben, rechts der Stift, vorne links die Handauflage

Ich zeichne mit dem Stift, der rechts zu sehen ist und mit verschiedenen harten Minen ausgestattet werden kann, auf dem dunklen Tablet, ohne auf meine Hände zu schauen, weil sich jeder Strich auf dem Bildschirm abbildet. Das fiel mir nicht schwer, weil ich in einem früheren Leben Maschineschreiben auf einer Schreibmaschine ohne Beschriftung gelernt habe und konsequent niemals auf die Finger gucke beim Tippen.

Ich richte also auf dem Bildschirm mit einem Zeichenprogramm ein Format ein, z.B. 2000 x 3000 Pixel,  lege die Auflösung fest, z.B. 300 Pixel, suche mir einen Pinsel aus, der meiner Intention entspricht, z.B. eine Bleistiftspitze in 2 B und fange an, Linien auf dem Bildschirm zu erzeugen. Die Gefahr, über den Rand des Tablets hinauszugeraten, besteht nicht, da ich mich innerhalb meines vorgegebenen Formates bewege. Ein Radiergummi steht auch zur Verfügung. Es bietet sich an, das zu benutzen, es macht die Zeichnung lebendiger, wenn man ahnt, dass nicht jede Linie zielsicher gesetzt wurde.

Ich habe mir Gegenstände vorgenommen, die mir sehr vertraut sind, daher fiel es leicht, mit lockeren Strichen in altmodischer Kreuzschraffur die Früchte zu zeichnen. Drei Programme habe ich ausprobiert, Corel Painter, das aufwändigste Zeichenprogramm, erfordert eine Weile Einarbeitungszeit, Photoshop, auch recht kompliziert für Anfänger, mir aber schon vertraut, und Pixelmator, das preiswerteste und trotzdem recht gute Programm allerdings nur für den Mac. Es gibt natürlich noch mehr Angebote auf dem Markt. Ich habe mich auf diese drei beschränkt. Für die Pads gibt es Extra-Programme, die inzwischen zum Teil auch sehr gut sind. Der Vorteil für Ungeübte ist, man sieht gleich auf dem Tablet, was man tut. Hier habe ich einige der unzähligen Möglichkeiten an Zeichenwerkzeugen festgehalten:

Stifte1

Für mich kam zunächst nur der Bleistift in Frage. Nach den Früchten wollte ich die Schwierigkeit steigern und habe mich an Nachbars Hühner heran gemacht. Die habe ich täglich vor Augen und kann immer mal gucken gehen, wenn ich mit Einzelheiten wie Augen und Kamm nicht zurechtkomme. Bei den Hühnern habe ich auch daran gedacht, die einzelnen Schritte zu speichern. Normalerweise bin ich so vertieft, da ich mit der Technik auch erst noch warm werden muss, dass ich so etwas vergesse. Hier also die Hühner in sechs Schritten:

Soll eine Zeichnung gedruckt werden, empfiehlt es sich, gutes Papier zu nehmen. De Laie wird nicht unterscheiden können, ob es eine analoge oder digitale Zeichnung ist. Eine Handzeichnung ist es allemal. Mir fehlt dabei allerdings das Haptische, die Glätte oder Rauheit des Papiers zu fühlen, den Stift zu spitzen wenn ich nicht weiter weiß, mal mit den Fingern darüber fahren, um Unklarheit für den Hintergrund zu erzeugen.

Trotzdem werde ich die Versuche weiterführen. Beim nächsten Mal berichte ich über den Einsatz von Farbe. Das Bild „Die Papiere der Klimakonferenz“ ist auf diese Weise entstanden.

 


6 Kommentare on “Zeichnen auf dem Tablet – Teil I”

  1. vilmoskörte sagt:

    Da wäre sicher das iPad Pro mit dem zugehörigen Stift etwas für Dich, angeblich soll damit sogar die Handschrift gelingen.

    • karu02 sagt:

      Ja, das würde ich gerne ausprobieren. Leider kostet der Spaß zusammen, also Pad und Stift, ca. 1000 Euro. Das wird nicht mal der Weihnachtsmann für mich übrig haben.😉

  2. Bin über Deine weiteren Erfahrungen mit dem Zeichnen auf dem Tablett gespannt, da ich schon seit einiger Zeit überlege, mir eins für die Bildbearbeitung anzuschaffen.

    • karu02 sagt:

      Ich mache alle Bildbearbeitung inzwischen mit dem Stift auf dem Tablet. Die Maus benutzte ich so gut wie nicht mehr. Das erspart mir auch die „Maus“-Schmerzen auf dem Handrücken und im Gelenk. Mit dem Stift kann man viel gezielter und feiner arbeiten bei der Bildbearbeitung. Ich benutzte das Intus von Wacom und bin sehr zufrieden.

  3. karu02 sagt:

    Auch in Lightroom ist die Bildbearbeitung und RAW-Entwicklung per Stift und Tablet einfacher und gezielter möglich, als mit der Maus.


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