Zeichnen auf dem Tablet – Teil 2

Solange es beim schwarz-weiß bleibt, ist das Zeichnen auf dem Tablet nicht sehr kompliziert. Im Internet gibt es zahlreiche Tutorials dafür, auf youTube kann man den Könnern beim Schnellzeichnen zusehen. Aber auch Schritt für Schritt Anleitungen sind für fast alles zu haben, von der menschlichen Figur über Tierzeichnungen bis hin zu Landschaften und alles, was dazwischen liegt. So viel Anleitung war nie! Trotzdem kommt man nicht umhin, das Zeichnen zu üben, vielleicht sogar erst einmal analog, das hilft bestimmt bevor man sich ans Tablet wagt, ist aber keine Bedingung.

Auch mit dem Programm sollte man sich ausreichend vertraut machen, in kleinen Schritten mit langsamer Steigerung. Nichts ist so lästig, wie technisch nicht weiter zu wissen, wenn man gerade so schön in Schwung ist. Ich spreche aus Erfahrung. Aber auch hier gilt, aus Schaden wird man klug, aus Fehlern lernt man am schnellsten und am meisten.

Es sollte nun also die Farbe ins Spiel kommen. Nachdem ich mir ein paar Tutorials angeschaut und mir einige Tricks gemerkt hatte, ging ich nach meinem alten Prinzip „lernen beim Tun“ vor. Zunächst vorsichtig mit nur einer Ebene und wenig Farbe. Die Perspektive sollte im Spiel sein. Das ist digital leichter, weil ich mir Hilfslinien ziehen kann, die ich einfach wieder weg klicke, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

Als nächstes wollte ich Farbstrukturen erzeugen mit verschiedenen Pinselspitzen und im nächsten Schritt überzeugend Schatten anlegen. Es gibt so viele Möglichkeiten, Strukturen mit verschiedenen Pinselspitzen zu erzeugen, dass es anfangs verwirrend ist, bis die Lieblingswerkzeuge gefunden sind. Die kann man sich zu einem Päckchen zusammenfassen und den Rest erst einmal außer Acht lassen.

Allmählich fühlte ich mich sicher genug, ein „richtiges Bild“ in Angriff zu nehmen. Bis dahin hatte ich alles auf einer Ebene gemalt. Nun wollte ich in Photoshop den Vorteil, mit verschiedenen Ebenen zu arbeiten, ausprobieren. Es ist tatsächlich ein Vorteil. Ich lege zunächst eine schnelle Skizze an, wähle einen neutralgrauen Hintergrund dafür und lege dann eine neue Ebene an, auf der ich fortfahren kann.

 

Die Ebenen können wieder gelöscht werden, wenn das Ergebnis nicht gefällt. Es ist auch leicht, mal etwas auszuprobieren, speziell wenn man noch nicht so sicher ist. Die Ebene darunter wird davon nicht betroffen, ich kann es mir anschauen und wieder löschen, wenn es nicht passt und eine neue Ebene anlegen, um es besser zu machen. Es empfiehlt sich, zunächst das Bild in Grautönen, ohne das höchste Weiß und Schwarz anzulegen und dann erst die Farbe einzusetzen. Die hellen und dunklen Bereiche liegen dann schon fest. Die Farbe gebe ich einfach auf einer neuen Ebene darüber.

 

Wichtig ist, die Ebenen jeweils schlüssig zu benennen, sonst kommt man irgendwann durcheinander. Anfangs habe ich mich heillos in den Ebenen verfangen, das geht wahrscheinlich jedem Anfänger so, es ist eine Übungs- und Routinesache, mit der Zeit wird es besser. Durch die vielen Ebenen werden die Dateien ziemlich groß und der Rechner, je nach Leistungsfähigkeit, evtl. langsamer. Wenn einige Partien fertig sind, kann man sie auf einer Ebene zusammenfassen um die Verlangsamung zu vermeiden. Ich merke beim Schreiben, was für ein weites Feld das ist. Ich kann es hier nur anreißen, nicht bis ins Detail gehen, das würde dann ein Buch.

Das farbige Bild mit einem Tier und einem Landschaftsausschnitt ist für den Anfang gut gelungen. Es empfiehlt sich, Vertrautes zu zeichnen und zu malen. Von Eichhörnchen habe ich unzählige Fotos, so dass ich immer mal nachgucken kann, wo das Auge sitzen muss, wie das Fell beschaffen ist usw.

Das macht Mut, es weiter zu versuchen. Als nächstes musste ein Mensch mit ins Bild, was ja sowieso schon eine Herausforderung ist. Da ich über genügend analoge Aktzeichnungen in meinen Schubladen verfüge, habe ich einige Referenzskizzen zu Hilfe genommen, da ein Model gerade nicht zur Verfügung stand. Nun ist es auch möglich, per Ebenen durchzupausen. Ich rate davon ab. Lebendiger wird es allemal, wenn freihändig gezeichnet wird, auch auf dem Tablet. Es ist nichts dagegen einzuwenden, sich ein Referenzfoto oder eine Zeichnung  daneben zu legen. Aber es sollte etwas Neues entstehen und das braucht Freiheit. Hier habe ich mit einer Strichzeichnung angefangen und dann ich Grautönen flächig weiter gearbeitet. Nützlich ist es, das Bild hin und wieder zu spiegeln, dann sieht man die Fehler leichter, auch auf dem Kopf fällt manches auf, was sonst nicht gesehen wird, weil sich schnell eine Betriebsblindheit einstellt. Auch hier gehe ich in Grautönen so weit, bis die Tonwerte stimmen und setze dann erst die Farbe ein. Auch später schalte ich hin und wieder in den Schwarzweiß-Modus, um die Tonwerte zu überprüfen. Das ist sehr praktisch und analog nicht möglich.

Bei den Bildern, die ich im folgenden gemalt habe, nutze ich die Funktion ins schwarzweiße zu konvertieren, weil mir die Farben nicht gefallen haben. Es wird leicht zu bunt und zu unnatürlich.

Leider habe ich von keinem Bild mehr den kompletten Ablauf, weil mir die Dateien zu groß sind und ich die Bilder im tif-Format speichere, ohne Ebenen. Nur vom letzten ist noch alles da, beim Zählen habe ich 39 Ebenen festgestellt. Fünf davon zeige ich, damit der ungefähre Ablauf erkennbar wird. Die Papierschiffchen habe ich natürlich alle einzeln eingefügt, bei der Schrift habe ich gepfuscht, die ist fotografisch hinein gebastelt worden, weil es mir anders zu mühsam gewesen wäre.

Es dauert sowieso lange genug, ein Bild auf dem Tablet fertig zu stellen, es gibt immer noch Verbesserungsmöglichkeiten, unendlich. Irgendwann muss ich es für fertig erklären. Analog geht es bei mir viel schneller. Aber natürlich brauchte ich dafür auch Jahre der Übung.

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick geben in die Möglichkeiten des digitalen Zeichnens und Malens. Falls es Fragen gibt, beantworte ich sie gerne.


3 Kommentare on “Zeichnen auf dem Tablet – Teil 2”

  1. kormoranflug sagt:

    Wenn jemand analog malen und zeichnen kann, den schreckt auch das Digitale nicht ab.

  2. Philipp Elph sagt:

    Tolle Ergebnisse! Ich hatte bei „Die Papiere der Klimakonferenz“ schon überlegt, welche Technik dafür verwendet wurde. Nun weiß ich es!

  3. Dina sagt:

    Hervorragend gemacht!


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