Bodetal und Hexentanzplatz

Im Bodetal wollten wir von Thale aus eine kleine Wanderung wagen. Da die Krankheit des liebsten Reisegefährten keine großen Wanderungen mehr zulässt, müssen wir uns begnügen mit Wegen, die einigermaßen eben sind und nicht zu steil bergauf oder bergab gehen. Das ist im Bodetal zunächst gegeben.

Nachdem wir uns vom Parkplatz durch das „Vergnügungsviertel“ mit sehr schönem Klettergarten, aber auch allerlei quitschbunten Allerweltsvergnügungen einschließlich Kabinenbahn  auf die höher gelegenen Ebenen, hindurch bewegt hatten, gelangten wir sogleich in die Landschaft, die ich vom Harz erwartet hatte. Ein wildes Wasser mit Granitblöcken, um die es herum schäumen kann, wilder Wald mit Felsen und kleinen Höhlen durchsetzt, in den Himmel ragende Felsenpyramiden, vielfältige Fauna und Flora und jede Menge Sagengestalten, nach denen alles benannt wurde, was rechts und links der Bode zu finden ist.

Hier die Sage, die dem Flüsschen den Namen gab.

Ich muss gestehen, dass ich vom Bodetal nichts wusste, bevor ich hier den Namen das erste Mal las, und dass, obwohl laut Wikipedia Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts einige Berühmtheiten diesen Weg am Wasser entlang gegangen sein sollen. Nach J.W. von Goethe ist sogar einer der Felsen benannt. Später merkte ich, dass man überall Bronzehinweise aufgestellt hat, wo der Herr seinen Blick hat schweifen lassen.

Unbeeindruckt davon haben wir diesen so schönen Weg an der Bode entlang bei schönem Wetter genießen können, immer mit kleinen Pausen. So hat es auch Vorteile, nicht mehr das gewohnte Wandertempo vorlegen zu können. Beim langsamen Gehen sieht man mehr und in den Pausen sowieso. Auf diese Weise ist es mir gelungen, eine Gebirgsstelze und eine Wasseramsel erstmals zu sehen und sogar mit aufs Foto zu bekommen.

Eine Tafel klärte darüber auf, dass Wasseramseln auf dem Grund des Baches laufen und Futter suchen können. Erstaunlich!  Sehr gerne hätte ich auch einen Feuersalamander gesehen, den soll es hier auch geben. Aber mitten am Tag wird er kaum über Wanderwege laufen.

Bei der Jungfernbrücke zur Königsruh’ lädt der „schönste Biergarten Deutschlands“ zur Rast ein. Bis zum Bodekessel war der Wanderweg noch breit und eben genug. Danach wurde es felsig und steil, so dass wir an der Stelle leider umkehren mussten, ich wäre gerne noch bis Treseburg gewandert.

Statt dessen fuhren wir mit der Kabinenbahn zum Hexentanzplatz hinauf. Die Gondel hatte einen Glasboden, so dass man in die Schlucht hineinsehen kann, durch die sich die Bode schlängelt, vorausgesetzt man ist schwindelfrei. Sonst guckt man besser nicht, so wie ich.

Der Hexentanzplatz ist ein 250 Meter oberhalb des Bodetales gelegenes Hochplateau mit schöner Aussicht in das Harzvorland und in das Gebirgstal. Allerdings ist es dermaßen auf den Tourismus ausgelegt, mit einer Walpurgishalle und einem Hexenhaus sowie zahlreichen Verkaufsständen und Restaurants mit Hexen- und Teufelskitsch und -Küche. Natürlich gibt es auch zu diesem Platz eine Sage.

Obwohl noch keine Hochsaison tummelten sich jetzt schon Menschen aus aller Welt hier oben. Wir zogen es daher vor, den kleinen Zoo zu besuchen, mit einheimischen Tierarten.

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Dort war es ruhiger. Wir bekamen eine Wolfsfamilie zu sehen mit zwei Elterntieren, einem schon erwachsenen Jungwolf und drei erst einige Wochen alten Wolfskindern. Ich war zwar sehr nahe bei ihnen, konnte aber wegen des Buschwerks keine Fotos machen. Die Wölfe haben dort ein 3 ha großes Areal für sich und wirkten sehr zufrieden.

Ein nettes Erlebnis ergab sich auf dem Rückweg von der Kabinenbahn zum Parkplatz. Schon in der Bahn waren uns Frauen in Hexenkostümen und langen Pappnasen begegnet. Auf der abschüssigen Straße zum Parkplatz fuhr eine dieser Frauen mit wehendem langen Rock mit hohem Tempo auf dem Fahrrad an uns vorbei, den Besen unter den Arm geklemmt. Vor uns ging eine Familie mit einem kleinen Mädchen. Das zeigte aufgeregt auf die Hexe und lachte laut auf: “Haha, wofür hat sie denn den Besen?“

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Später sahen wir sogar eine auf dem Motorrad vor einem „Devotionalienshop“ für Hexen- und Teufelsbedarf. Im Harz gibt das alles.


7 Kommentare on “Bodetal und Hexentanzplatz”

  1. meme sagt:

    … gefällt mir sehr, Dein Bericht und die schönen Fotos :))

  2. vilmoskörte sagt:

    Dein Bericht mit den schönen Fotos macht Lust darauf, auch einmal in den Harz zu fahren, ist ja von Berlin praktischerweise auch näher als vom Niederrhein.

    • karu02 sagt:

      Ja, mach mal. Es würde mich sehr interessieren, wie Du die Architektur beurteilst. Für die Landschaft lohnt es sich auf jeden Fall. Morgen schreibe ich noch mein High-Light.

  3. richensa sagt:

    Ein schöner Bericht, bei dem ich die frische Luft und das hüpfende Wasser geradezu riechen kann… Danke dafür!

  4. ein sehr schöner Bericht aus einer mir bis jetzt unbekannten Gegend !🙂 Macht Lust mal ausserhalb der Ferienzeit dorthin zu reisen.

  5. Hallo Karu,

    das Bodetal ist wirklich ein Erlebnis. Ich bin oft im Harz unterwegs und bin auch immer wieder überrascht, was man dort alles entdecken kann, auch mit gesundheitlichen Einschränkungen. Alles Gute an dieser Stelle für deinen Reisegefährten! Der Weg von Thale nach Treseburg ist ja ein Klassiker. Es gibt aber auch eine schöne Rundwanderung durch das Bodetal, die ich ganz neu entdeckt habe. Geht allerdings teilweise über schmale Pfade steil bergauf und bergab, aber wunderschön! Der link zu meinem Artikel: https://anwolf.wordpress.com/2016/05/03/hexentanzplatz-und-teufelsbruecke-sagenhaftes-bodetal/

    Viele Grüße von Andrea


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