Käse und Touristen

Gewohnt haben wir ganz fabelhaft  in Purmerend, etwas außerhalb  in einem der quadratisch angelegten Bauernhäuser mit Pyramidendach zwischen zwei Kanälen.  Vor dem Fenster wohnte eine etwa 20köpfige Entenschar, die u.a. die Aufgabe hatte, das Fallobst im angrenzenden Obstgarten zu verzehren. Ich habe sie nicht abwerben können, weil wir keinen nennenswerten Wassergraben aufzuweisen haben.

Die Stadt Purmerend hat eine bedeutende Geschichte, z.B. die der Hohen Herrlichkeit, die ihr im Mittelalter verliehen wurde. Ich bin zum ersten Mal über diesen Begriff gestolpert und vermutete zuerst eine seltsame Übersetzung. Dann konnte ich nachlesen, dass es diese Hohen Herrlichkeiten auch am Niederrhein gegeben hat. So lernt man unterwegs auch immer etwas über das eigene Land. Das Städtchen war mir jedoch zu modern. Der Kuhmarkt war deshalb interessant, weil er den Tieren, die ringsum im Polderland auf den Weiden neben den Schafen zu finden sind,  in einem monumentalen Bronze-Denkmal Platz bot. Milch und die Produkte daraus sind für die Region von großer Bedeutung. Außerdem haben Rindviecher so etwas sowieso mal verdient als nützlichste Nutztiere für uns.

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Kuhmarkt in Purmerend

Rings um diesen Markt befinden sich gut besuchte Restaurants und Cafés. Wie ich später nachlesen konnte, wohnen hier viele Menschen, die als Pendler täglich den Arbeitsplatz in Amsterdam aufsuchen.

Ganz anders im ehemaligen Fischerdorf Volendam. Dort wurden wir von einem derartigen Touristenrummel überrascht, dass wir uns fragten, warum ausgerechnet hier Chinesen, Japaner, Koreaner, Russen, Polen, Spanier, Italiener, und Leute in Trachten unbekannter Art zusammenströmen, beinahe wie in Venedig. Dort gibt es immerhin etwas zu sehen. Hier in Volendam reihen sich auf der Strandpromenade die Läden mit dem üblichen Tourismusangebot aneinander, Holzschuhe, Käse, Käsemesser, bedruckte Schirme, Leuchttürme im Miniaturformat, Plüschrobben, nachgemachtes Delfter Porzellan,  Stickereien, Strandbedarfsartikel usw. Man kann diese etwa einen km lange Deichstraße auf und ab gehen, vielleicht noch in den Jachthafen oder mit der Fähre nach Marken übersetzen. Das wars aber auch schon. Vielleicht habe ich aber auch etwas übersehen. Sicher waren all die Menschen nicht wegen des Museum für Zigarrenbauchbinden dort.  Im Örtchen selbst war es sehr ruhig, keine Tourist verirrte sich dorthin, alles konzentrierte sich auf die eine Straße auf dem Deich.  Sehr seltsam.

Unmittelbar angrenzend liegt Edam. Ein hübscher kleiner Ort mit Grachten und Zugbrücken, einem interessanten Kirchturm, schönen alten Häusern und Gassen, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Ein Bus hatte Engländer auf dem Marktplatz vor dem alten Gebäude der Käsewaage abgesetzt, sie sollten alle Käse kaufen und Holländischen Apfelkuchen essen. Da der Markt eine Weile mit Smartphoneschwenkenden Menschen belegt war, gibt es von mir kein Foto. Ich habe mir eines ausgeliehen,  was den traditionellen Käsemarkt zeigt, der für den Tourismus wiederbelebt wurde, nachdem er 1922 das letzte Mal mit echten Funktionen stattfand.

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Käsemarkt in Edam (Foto von Lupo)

Viel mehr Touristen als die Engländer sahen wir nicht im Städtchen. Wieso nur tummelten sich alle in Volendam. Das Rätsel habe ich nicht lösen können.


5 Kommentare on “Käse und Touristen”

  1. richensa sagt:

    Tja, ist mir hier auch bei einem Ort so gegangen. Zugegeben, er war hübsch, aber die Menge an Touristen und Läden?? Des Rätsels Lösung: ein englischer Schriftsteller, der vor einigen Jahren hier seine Erlebnisse zu Papier brachte..

  2. Lakritze sagt:

    Wahrscheinlich hat jede Region ihre Drosselgasse?


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