Galgenvenn

Am Sonntag wollten wir der Wanderweg-Empfehlung aus der Rheinischen Post vom Samstag folgen. Das Thermometer zeigte 3 Grad plus an und der Nebel war ziemlich dicht, so dass wir mit diesem Ansturm in Nettetal-Kaldenkirchen am Waldrand nicht gerechnet hatten. Kaum konnten wir das Auto irgendwo abstellen. Beinahe wären wir wieder zurück gefahren oder wo anders hin.

Galgenvenn heißt dieses Landschaftsgebiet, der Wanderweg und das Restaurant gleich am Beginn. Warum es so heißt, habe ich leider noch nicht herausgefunden. Warum der Weg von ca. 12 km so sehr gelobt wurde, erschloss sich sehr schnell. Es ist ein abwechslungsreiches Gelände mit ähnlicher Entstehung wie die Maasduinen. Trockener Sandboden wechselt sich ab mit kleinen Moorseen und Sümpfen, flache Heideflächen mit Besenginster und Heidekraut folgen auf Kiefernwald und Hohlwege. Die Höhenunterschiede sind erstaunlich für das Flachland. Pilzsucher kam uns mit vollen Körbchen entgegen, da das nasse Wetter der letzten Tage endlich für Pilzwachstum gesorgt hatte.

Der Wanderweg ist vortrefflich gekennzeichnet, verlaufen kann man sich nicht. Wir trauten uns nur nicht, die Nebenwege zu gehen, da wir das Gelände noch gar nicht kannten. Dort hätte ich bestimmt noch weitere interessante Pilze gefunden. Aber es soll ja ein nächste Mal geben, wenn weniger Menschen unterwegs sind und die Sonne scheint. An dem Sonntag hielt sich der Nebel den ganzen Tag, was die Herbststimmung verstärkte.

Ein solches Gedränge auf einem Wanderweg haben wir noch niemals erlebt. Es war fast wie auf Weihnachtsmärkten, es kam regelmäßig zu Stauungen, weil die Wege oft sehr schmal sind und keine Ausweichmöglichkeiten bestehen. Zwischendurch versuchten Mountainbiker ihr Glück, wurden aber schnell ebenfalls zu Fußgängern.

Es empfiehlt sich, etwas Verpflegung mitnehmen, es gibt nur ein Café auf dem Wegstück, welches auf niederländischer Seite entlangführt. Ich hatte den Eindruck, die sich dort aufhaltenden Niederländer rätselten über das „Verkehrsaufkommen“, einer alten Dame erklärte ich, dass der Weg in der Zeitung in Deutschland beschrieben worden war.

Ich überlegte nach dem Kaffee und gestärkt durch ein Karamelplätzchen – etwas anderes Essbares gab es nicht, nur Getränke – ob man die ganze Nation auf Wanderwege schicken kann, wenn in jeder Region solche Zeitungsberichte erscheinen. Allerdings würde es dann sicher nicht lange dauern, bis an den Wanderwegen Würstchenstände, Waffelbäckereien und Dönerbuden aufgebaut würden.

Wir haben den Rundweg geschafft. Es war beinahe eine Tagestour. Da es ja nun auch kein Geheimtipp mehr ist, empfehle ich die Wanderung an Wochentagen.


8 Kommentare on “Galgenvenn”

  1. wunderschöne Aufnahmen ! Leider ist der Weg ein bissel zu weit weg von uns🙂

  2. Ruhrköpfe sagt:

    wunderschön. LG Annette🙂

  3. zeilentiger sagt:

    Schön düster. Man kann sich bei den eindrücklichen Fotos kaum das Gedränge dort vorstellen.

    • karu02 sagt:

      Es gab sogar einen Zeitungsbericht, weil die meisten Wanderer bei ihrer Rückkehr ein Knöllchen vorfanden. Die Empörung war so groß wie der Andrang und die Halteverbotszonen. Nettetal hatte einen kleinen Gewinn zu verzeichnen.

  4. karu02 sagt:

    Ich stelle mir vor, dass einige Gemeinden auf diese Weise aus den roten Zahlen herauskämen. Wanderstrecken gibt es doch fast überall.

  5. Lakritze sagt:

    Auf all Deinen Bildern ist kein Mensch zu sehen; das stelle ich mir schwierig vor, an all dem neonfarbenen Goretex vorbeizufotografieren. Ich glaube, ich fände Menschenmengen weniger schlimm, wenn sie nicht so grell gekleidet wären und ihren Müll wieder mitnähmen.

    • karu02 sagt:

      …und wenn sie etwas leiser sprächen! Im Verlauf der 12 km gab es auch Stellen mit weniger Gedränge. Du hast recht, ich meide sie schon deshalb auf den Fotos, weil das Grelle nun mal nicht in die Landschaft passt, mit wenigen Ausnahmen. Eine rote Jacke im tristen Winterwald z.B. ist sehr willkommen.🙂


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